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IMove10Nein: ich bin nicht so alt, wie ich mich fühle. Und: nein, mit 66 fängt das Leben nicht an (man muss vielmehr schön langsam ans Aufhören denken). Alt sein, das ist in mehrfacher Hinsicht ein Wettlauf mit der Zeit. Die Moves am Boden müssen so geläufig – oder so gut gefaked – sein, dass man mit der jungen Bande letztendlich wieder gleichzeitig in den Stand kommt.

Ob man es genießt, oder nicht, ab und zu kommt man auch in den Genuss geriatrischer Fürsorge seitens der Trainer:innen und zieht sich so entweder Neid, meist aber Mitleid von Mit-Tänzer:innen zu. 

Das Haushalten mit der eigenen Kraft erfordert hohe körperliche Budgetierungskünste, denn: wenn Du Dich als Alte/r nicht verausgabst, wirst Du nicht mitkommen. Gleichzeitig musst Du aufpassen, dass Du nicht stirbst.

Nach einer rasanten Lektion beim ImPulsTanz über eineinhalb Stunden krieche ich abends zu meinem Fahrrad, um nach Hause, ins Bett, zu schnecken. Da flötet eine Junge: „Wo geht’s denn hier am schnellsten zur Donau, ich möcht‘ noch ein wenig schwimmen?!“ 

Ja, Ihr Alterslobhudler, Alt sein ist keine Hetz, weder zu beschönigen noch zu dämonisieren. Rosalia Chladek hat mit 95 diese Welt verlassen und stand bis kurz vor ihrem Tod – streng unterrichtend, wenig jammernd – auf der Bühne. 

Der gute alte (Literaturnobelpreisträger) W.B. Yeats dichtete in „Sailing to Byzantium“: “An aged man is but a paltry thing/A tattered coat upon a stick, unless/Soul clap its hands and sing, and louder sing. (“Ein alter Mann ist bloß was Ärmliches/am Stock ein Mantelfetzen nur, wenn nicht/die Seele in die Hände klatscht und singt“ – Übersetzung L. Begley). Ganz sicher hat der Ire nicht nur das Singen, sondern auch das Tanzen gemeint.

Christoph Mandl hat sich im reifen Alter entschlossen, eine Tanzausbildung im System Rosalia Chladek zu machen, über die er in der  tanz.at-Serie „I, move“ schreibt.

Demnächst: Choreo, ergo sum.

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