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tanzpreisDie Würdigung von Persönlichkeiten der Kunstsparte Tanz durch den Deutschen Tanzpreis, verliehen durch den deutschen Berufsverband für Tanzpädagogik, wurde heuer zum 28. Mal vorgenommen. Waren im letzten Jahr nur Frauen ausgezeichnet worden, so gab es 2011 vier Preisträger.

Zeitlich mit dem Ende der Tanzwochen in Stuttgart, den Feierlichkeiten zum 50Jährigen Bestehen der Company, zusammentreffend, stammten diesmal auch alle ausgezeichneten Personen aus der Baden-Württembergischen Tanzmetropole. Die Preisträger waren Egon Madsen (erhielt den Deutschen Tanzpreis 2011), Eric Gauthier (wurde der Deutsche Tanzpreis „Zukunft“ 2011 – Choreografie verliehen) und  Daniel Camargo (bekam den deutschen Tanzpreis „Zukunft“ 2011) sowie Achim Thorwald, der in seiner Funktion als Intendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe für seine Verdienste um den Tanz in seinem Mehrspartenhaus mit dem Anerkennungspreis gewürdigt wurde. Die Laudatio für ihn hielt der Erste Vorsitzende des Berufsverbandes für Tanzpädagogik, Ulrich Roehm.

Multitalent Eric Gauthier

Als der junge Kanadier damals darauf bestand, von Reid Anderson ins ferne Stuttgart mitgenommen zu werden – neben den Stars wie Margaret Illmann, Yseult Lendvai, Vladimir Malakhov und Robert Tewsley, die allesamt den Wechsel nach Europa mit trugen - konnte wohl niemand ahnen, welche künstlerische Vielseitigkeit in dem Tänzer mit französischen Wurzeln stecken würde. Doch bald zeigte sich, dass die Stärken von Eric Gauthier nicht nur im Tanz liegen, und das Tanzen war ihm bald nicht genug. Als Solist im Stuttgarter Ballett gründete er vor zehn Jahren seine eigene Band und trat damit nebenher auf – er spielt Gitarre, verfasst Texte und singt. 2007 gründete er mit Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart sein eigenes Tanzensemble und schuf seither auch viele Choreografien. Um einen kleinen Einblick in die vielgestaltigen Kreationen von Eric Gauthier zu geben, wurden einige seiner Werke gezeigt, wie „Orchestra of Wolves“, „101“ oder „Bang“. Alle zeichnen sich durch Originalität aus, keines gleicht dem anderen. Versuchte beim Wolfsorchester der Dirigent vergeblich die Musiker (mit Wolfsmasken) zum 1.Satz aus Beethovens 5. Sinfonie in Schach zu halten und musste er am Ende im wahrsten Sinne des Wortes Federn lassen; so standen bei „101“ die klassischen Positionen im Mittelpunkt – nach Tonbandansage eindrucksvoll von Jason Reilly (Erster Solist im Stuttgarter Ballett) präsentiert. Doch es kam, wie es kommen muss; die Geschwindigkeit der Ansage stieg rapide und in kunterbunter Abfolge der einzelnen Variationen kollabierte der Tänzer schlussendlich – seine einzelnen (Puppen)Körperteile lagen verstreut auf der Bühne und damit war Position 101 erreicht. „Bang“ vereinte Jazz, Rock n´ Roll und Rap in einer heißen Nummer, die die Luft im Theater regelrecht vibrieren ließ, wozu sowohl die beiden Tänzer der Gauthier Dance Companmy Garazi Perez Oloriz sowie Armando Braswell wie auch Rainhardt Albrecht-Herz mit Live-Percussion beitrugen. Die Laudatio für Eric Gauthier hielt sein „Dad Nr. 2“ Reid Anderson.

Jungtalent Daniel Camargo

Der Brasilianer Daniel Camargo fiel beim Tanzwettbewerb in New York auf und Ballettschulchef Tadeusz Matacz holte das Talent nach Stuttgart an die John Cranko Schule – und ließ es sich auch nicht nehmen, hier in Essen die Laudatio zu halten. Mittlerweile reüssiert der Jungtänzer als Mitglied der Compagnie bei vielen Anlässen – wie zuletzt bei der Gala anlässlich 20 Jahre Peter Breuer als Ballettchef in Salzburg. Mit dem Grand Pas de deux aus „Don Quichotte“ brillierte er ebenso (Partnerin: Elisa Badenes) wie mit Notations III-IV. Mit diesen beiden so unterschiedlichen Kostproben seines Könnens demonstrierte Daniel Camargo seine Bühnenpräsenz, sein perfektes technisches Know How bei Sprüngen und Drehungen und die ungewöhnliche Ausdrucksstärke seines biegsamen Körpers. Mit der Verleihung des Tanzpreises „Zukunft“ ist dem sympathischen und stets bescheidenen Tänzer eine viel versprechende Karriere zu wünschen  

Tanzikone Egon Madsen

Wer kennt ihn nicht, den im Herzen und den Augen so jung gebliebenen Dänen, der der vierte im Bunde des Musenquartetts mit Richard Cragun, Marcia Haydée und Birgit Keil war – als schöpferischer Quell für John Cranko. Filmsequenzen aus dem Tanzleben ließen am Galaabend diese Erinnerungen Revue passieren und wurden durch die Laudatio von Marcia Haydée noch verstärkt. Doch auch nach Beendigung seiner Karriere mit dem Stuttgarter Ballett ist Egon Madsen immer noch aktiv im Tanz geblieben, zuletzt war er als Tänzer bei einem Projekt von Eric Gauthier beteiligt. Mit Ausschnitten aus der Erfolgsproduktion „Don Q.“ von Stuttgarts erstem Hauschoreografen Christian Spuck klang der Abend aus: das im Untertitel „eine nicht immer getanzte Revue über den Verlust der Wirklichkeit“ genannte Tanzstück ließ in humorvollen wie besinnlichen, in melancholischen bis berührenden Szenen Egon Madsen und Eric Gauthier gemeinsam auf der Bühne erleben. In der guckkastenartigen Puppenstube einer fast rumpelkammerartigen Anhäufung von Requisiten, die für eine Aufführung von Don Quixote Verwendung finden könnten, waren die beiden Gefährten in einer Reise durch eine skurril-absurde selbst geschaffene Wirklichkeit des Scheiterns, der Liebe und der Hoffnung. Eine wunderbare Begegnung mit einem wunderbaren Tänzer, begleitet durch seinen jungen Compagnion.


Gala Deutscher Tanzpreis 2011, Aalto-Theater Essen am 26. Februar
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