Wiener Staatsballett auf Reisen
Nach Manuel Legris’ Ansicht gibt es viele Wege, Ballettdirektor zu sein. „Mein Weg ist es, im Studio zu sein, den Tänzern zu zeigen, wie man eine Choreografie tanzt und ihnen dabei zu helfen“, und dieser Weg ist ein Erfolgsrezept. In seiner ersten Saison hat er das Wiener Staatsballett im Rekordtempo auf internationales Tanzniveau gehievt, das sich nicht nur in sensationellen Publikumszahlen niederschlägt.
In der nächsten Saison stehen bereits Einladungen nach Monte Carlo und Tokio auf dem Tourneeplan. Die Anzahl der Wiener Premieren fällt vergleichsweise bescheidener aus, denn: „Wir können nicht jedes Jahr acht Premieren machen“, erklärt der Ballettdirektor.
Die „Klassiker“-Premiere der Saison 2011/12 ist das Paradeballett der Romantik „La Sylphide“ in der Choreografie von Pierre Lacotte am 29. Oktober 2011. Im Februar folgt eine „Hommage an Roland Petit“ mit drei Choreografien des Altmeisters. Finanzielle Überlegungen waren wohl für die Wahl von Peter Wrights „Dornröschen“-Wiederaufnahme Ausschlag gebend. „Wir haben die Ausstattung und die Kostüme“, sagt Legris. Tschaikowskis Musik ertönt auch bei Boris Eifmans „Anna Karenina“, die ebenfalls an der Wiener Staatsoper wieder aufgenommen wird.
In der Volksoper gibt es einen Dreiteiler mit Choreografien von Vesna Orlic, Boris Nebyla und András Lukács. In beiden Häusern werden die Premieren der laufenden Saison auch 2011/12 (mit leichten Veränderungen bei den mehrteiligen Programmen) weitergespielt
„Meine Arbeit war in dieser Saison ziemlich verrückt“, gibt der Ballettchef bei seiner Pressekonferenz zu. Und sie ist noch nicht zu Ende, stehen doch noch der Abend „Hommage an Jerome Robbins“ am 3. Mai und die „Nurejew Gala“ (die jede Saison abschließen wird) am 28. Juni vor der Premiere. Letztere sieht ein dreiteiliges Marathon-Programm vor, in dem die TänzerInnen des Wiener Staatsballetts sowie internationale Gäste unter anderem in Szenen aus den Nurejew-Inszenierungen von „Raymonda“, „Schwanensee“ und „Don Quixote“ glänzen werden. Legris selbst wird mit dem Pariser Étoile Aurélie Dupont einen Ausschnitt aus „Cendrillon“ und die Premiere von John Neumeiers „Bach Suite III“ tanzen, die in der nächsten Saison im Rahmen des Abends „Juwelen der Neuen Welt II“ ins Repertoire des Wiener Staatsballetts übernommen wird.
Dafür kann man sich bei der Matinee der Ballettschule der Wiener Staatsoper über ein sehr gestrafftes, interessantes Programm freuen – und erstmals in der Geschichte der Schule mit Orchester. Jedes Stück ist einem Thema zuzuordnen. „Concerto in Re“ in der Choreografie der langjährigen Leiterin der Pariser Opernballettschule Claude Bessy ist ganz der Ästhetik des akademisch-klassischen Tanzes verpflichtet. Die Uraufführung von „Re-Composition“ von Boris Nebyla (Musik: Oliver P. Graber) setzt sich mit der „Vollkommenheit der Bewegung“ (O-Ton der geschäftsführenden Direktorin Simona Noja) auseinander. Beim „Kadettenball“ in der Choreografie von David Lichine steht hingegen die Rollengestaltung im Mittelpunkt. Im Schuljahr 2011/12 gibt es die Matinee bereits im Dezember, zum Schulabschluss gibt es an fünf Tagen im Juni „Tanzdemonstrationen“ in der Wiener Staatsoper.
Apropos Nachwuchs: „Junge Talente des Wiener Staatsballetts“ findet nächstes Jahr an vier Abenden (je zweimal im März und im Juni) statt. Trainiert wird das Ensemble von prominenten Gastlehrern wie Gilbert Meyer, Monique Loudières und Raymondo Rebeck.
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