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ipt dublovencvictorcousinZusammenfügen, was niemals beisammen war,  zu vereinen, was einander verständnislos gegenüber steht, zwei gegensätzliche Tanzformen auf einer Bühne von einem Körper ausgeführt zu zeigen, das versucht das Performingduo Cecilia Bengolea & François Chaignaud gemeinsam mit der Tänzerin Ana Pi mit „Dub Love“, der Liebe zum Dub, der effektvollen elektronischen Soundarchitektur aus Jamaika.

Gewagt und anstrengend. Die Idee klingt absurd: Performer ziehen sich Spitzenschuhe an und tänzeln, stelzen und wirbeln damit zu vibrierenden, hämmernden Bässen durch den Raum.

Dem Duo Cecilia Bengolea & François Chaignaud eilt ein Ruf voraus, der  die Erwartungen hochtreibt und die Halle G des Museumsquartiers bis auf den gar nicht mehr vorhandenen Platz füllt. „Exzentrisch sind sie, skurril, überraschend und extrem“, ist in jedem Bericht über die beiden zu lesen. Auch mit „Dub Love“ enttäuschen sie nicht. Was sich das durch Ana Pi zum Trio erweiterte Duo mit der neuen Kreation antut, lässt die eigene Muskulatur erzittern, den eigenen Schweiß tropfen. Und die Musik tut ein übriges dazu, lässt die Sitzflächen erzittern, den Saal beben. Dub, kann vor allem durch die Intensität des sich ständig steigernden Rhythmus, den lautstark (Ohrenstöpsel waren ausgelegt, wurden jedoch nicht benötigt) pulsierenden dumpfen Bass und den schwingenden Reggae Melodien charakterisiert werden. Am blinkenden Mixpult zelebriert DJ High Elements das Musizieren live, der schwarze Lautsprecher turm beherrscht auch die Bühne, dient den SpitzenakrobatInnen mitunter als Paravent für eine sekundenkurze Erholungspause. Rechts wirft eine Spiegelwand je nach Lichteinstellung Bilder oder Schattenrisse der TänzerInnen zurück oder bleibt schwarz und glänzend.

Balance, Schnelligkeit, Risiko. Bengolea versucht mit ihren beiden MitarbeiterInnen (denn Arbeit ist es, Schwerstarbeit, was gegen jegliche Konvention riskiert wird) das Schweben, Drehen, die Leichtigkeit und Unwirklichkeit des klassischen Balletts mit dem recht bodenständigen, als Unterhaltungs- und auch Ritualmusik  verwendeten Sound des Dub zu versöhnen. Das Gebot der Stunde: keine Anstrengung zu scheuen. So drehen sich die Drei auf der Spitze wie rasende Derwische, hocken im tiefen Plié ohne sich zu rühren und schweben dann nahezu wieder in die Höhe, formieren im Trio oder Duo nie gesehene Figuren, trotzen der Schwerkraft, verfallen in einen Geschwindigkeitsrausch und gönnen sich nur wenige Pausen der Entspannung. Dann  dürfen sie endlich die Zehen strecken, den flachen Fuß benützten und ein wenig im Reggae-Rhythmus hüpfen. Und schon treibt sie der anschwellende Sound wieder auf die Spitze, lässt Chaignaud endlos lang auf einem Bein stehen während die beiden Tänzerinnen um ihn herum wirbeln. Bewundernswert vor allem der androgyn gestylte Chaignaud, der ja das Spitzenfußwerk kaum gelernt hat. Nicht zu verdenken, dass da manchmal die Spannung nachlässt, der Zehenstand verwackelt wird, der Knöchel knickt, die Wade zittert und die Tänzerin kaum sichtbar stolpern lässt. In „Dub Love“ stirbt kein Schwan. Der Dub gibt den Ton an und treibt auch  die Choreografie voran, die sich ganz nach dem Meister am Mischpult zu richten hat. ipt dublove3 victorcousin

„Dub Love“ ist ein Kraftakt, der Durchhaltevermögen, Technik, Akrobatik und äußerste Körperbeherrschung verlangt. Und das Wagnis,  die romantische Illusion der schwebenden ätherischen Tanzkörper auch im 21. Jahrhundert zu verwirklichen. So wirklich geschwebt wurde allerdings nicht und ätherisch sind die sehr präsenten Wesen auf der Dub-Bühne auch nicht. Die Anstrengung allerdings überträgt sich allein beim Zuschauen, die starken Vibrationen der Soundmaschine tun ein Übriges – nach einer Stunde Spitzentanz schmerzen die Oberschenkelmuskel, kann ich meine Knie kaum biegen. Das will Bengoloa aber für sich und ihre MittänzerInnen. Für die Uraufführung schrieben Bengolea und Chaignaud: „Seit  unserem ersten Stück versöhnen wir uns durch den Tanz mit allen jenen, die mit ihrem Körper arbeiten: den Prostituierten, den Jugendlichen, den Arbeitern, den Männern von der Müllabfuhr, den Putzfrauen, […]. Tanz ist eine Strapaze. Wir verwenden die Spitzenschuhe als Werkzeug des Widerstandes und um durch das Vergnügen des Tanzens dem Schmerz zu trotzen.“ Das Vergnügen war gar ganz meinerseits, auch wenn ich nicht wirklich verstehen kann, warum die Drei sich das antun.

Cecilia Bengolea François Chaignaud: „Dub Love“, 18. Juli 2014, Museumsquartier Halle G, im Rahmen von ImPulsTanz.
Wiederholung am 20. Juli 2014.

 

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