Kritiken
Kritiken 2010
Bruchstücke eines miserablen Lebens
Bruchstücke eines miserablen Lebens
„Prezihs Traum“ als grenzüberschreitendes Theaterprojekt von Bernd Liepold-Mosser
Prezihs Traum, Congress Centre Villach, 09.03.2010
Eine „Revue vom miserablen Leben“ des heute im deutschen Sprachraum vergessenen Prezihov Voranc, Kärntner Autor aus dem Mießtal/Meziska Dolina, sollte es werden: Auf die Bühnen diesseits und jenseits der Kärntner-slowenischen Grenze brachte Bernd Liepold-Mosser (u.a. „Kärnten treu“) bei der Österreich-Premiere seines Stücks „Prezihs Traum“ als Produktion des slowenischen Kulturverbandes im Rahmen des EU-Projekts „grenzenlos“ allerdings eine recht schaumgebremste Bilderflut, die das literarische Genie fast untergehen ließ. Dennoch ist die Mischung aus „Showspiel“ und choreografischem Theater über den einst international gefeierten und wegen seiner kommunistisch geprägten politischen Aktivitäten quer durch Europa immer wieder verfolgten Prezihov Voranc ein wichtiges Stück Theaterarbeit. Dafür standen Liepold-Mosser kreative Top-Kräfte zur Verfügung, denen jedoch die feste Hand des Regisseurs (ebenfalls Liepold-Mosser) fehlte: Da liefert Tonc Feinig wahrhaft genialen Sound, der auch Bezug zu manchem Wortbild nimmt, und dennoch seltsam isoliert bleibt. Wohl auch, weil die englischen (!) Songs den slowenisch-deutschen Textfluss stören. Dieser wiederum zieht fast ausschließlich an der Rampe vorbei, obwohl das mit Videokunst von Vesna Krebs verzahnte Bühnenbild von Marko Japelj ganz andere Möglichkeiten bietet. Das von Pavle Ravnohrib in der Titelrolle angeführte Ensemble (Katarina Hartmann, Katharina Schmölzer, Violeta Tomic, Mihi Kristof, Kai Möller) hütet das durch Aktualisierungen bereits gezähmte Feuer des heimatverbundenen, hochpolitischen Dichterworts in einträchtiger Disziplin. Choreografin und Tänzerin Anna Hein übersetzt als personifizierter Prezih-Traum die Texte zwar stilsicher expressionistisch, nützt auch den Raum, kann aber schon mangels Einbindung in Spiel und Musik nicht den dynamischen Faden ziehen. Ein seltsames, geheimnisvolles und schon deshalb sehenswertes Stück Literaturgeschichte, das südlich der Alpen noch mehrmals zur Aufführung kommen soll.
UA in Ravne na Koroskem 18.2., Österreich-Premiere 9.3. in Villach
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Bewerbungsschluss ist der 16. Mai 2012!
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