Kritiken
Kritiken 2010
Identitätenvielfalt
Identitätenvielfalt
Chris Haring integriert das Spiel mit den Möglichkeiten der neuen Videotechnologie in ein kurzweiliges Theaterevent, in dem Performer und Medien ständig neue Realitäten erfinden. In „Talking Heads“ wechseln Stephanie Cumming und Luke Baio lustvoll von einer Identität zur nächsten.
Zuerst die Stimmen aus dem Off in sentimentalen Erinnerungen an Zeiten vor Facebook und Skype, als das Ferngespräch noch eine aufregende Sache war. Allmählich schälen sich Cumming und Baio aus dem Teppich aus Kartonpappe und setzen sich vor einen Laptop.
Die Webcam erfasst ihre Gesichter, verzerrt sie durch Grafikfilter bis zur Unkenntlichkeit. Diesen „neuen“ Gesichtern verleihen die PerformerInnen die passenden Charaktere, schlüpfen von einer Rolle in die andere, werden zu bedrohlich-zwielichtigen Gestalten, zu pathetischen Existenzen, zu beschränkten Kreaturen, zur plappernden Reporterin. Wenn der bedächtig formulierende Choreograf von seinen Punkten im Raum, die er zu Linien verbindet in seine Fantasiewelt abgleitet, dann geht man mit ihm durch die vielen Wiesen, die er immer animierter beschreibt. Wenn Stephanie Cumming tanzt, wird ihr Körper auf der Leinwand zu einer verbogenen Figur mit verlängerten Gliedmaßen und die Tänzerin fordert - fasziniert von den Veränderungen - immer neue mediale Transformationen heraus.
In den Monologen und Dialogen jagt ein Klischee das andere. Wir kennen sie alle, diese ExpertInnen und ihren Jargon, der vielen, oft sinnlosen Worte. Bei Haring und Co. wird das mit Leichtigkeit durchgespielt und überspielt. Die Geschwätzigkeit wird zu einem rhythmischen Gesang, der Gestik hervorruft und Bewegung provoziert. Um den Sinn der Worthülsen geht es hier schon lange nicht mehr. (Empfehlenswert dazu der Text von Fritz Ostermayer.)
Eine knappe Stunden lang lassen Cumming und Baio die Klaviatur der Performance erklingen, mit ansteckender Spielfreude und gleichzeitig mit pointierter Präzision, mit viel „Handwerk“ und großer Virtuosität, bevor sie die Leinwand herunterreißen – auch sie ist ein aufgeklappter Pappkarton – und sich unter den „Teppichen“ verkriechen, um über die Banalität von Facebook und Co. zu zu jammern.
Chris Haring und sein Team (neben den erwähnten großartigen PerformerInnen gebührt der Applaus der gesamten technisch-künstlerischen Crew) bestätigen mit „Talking Heads“ erneut ihre originelle künstlerische Vision und dass sie sehr genau wissen, wie sie diese prägnant vermitteln können. So ist die Arbeit von Liquid Loft mittlerweile unverkennbar und doch bleiben die Variationen zum künstlerischen Konzept der Verfremdung und Verzerrung spannend, denn bei jeder Produktion kommen unterschiedliche Stilmittel zum Einsatz. Und darüberhinaus bietet Liquid Loft auch immer kluges Entertainment.
Chris Haring / Liquid Loft „Talking Heads“, Uraufführung: 9. Dezember 2010, Tanzquartier Wien
- Lichtspiele im Dunklen
- Unterrichtsspektakel, nicht ernst genommen
- Das breite Publikum gibt es nicht
- Feiern für eine verstörte Welt
- Dies und das von Installation bis Performance
- Warten auf das Stück
- Sachtes Frühlingserwachen
- Tanz, Bewegung & Spritualität
- Auch Bewegung ist Kommunikation
- Bezaubernd, verwirrend, traumhaft
- Tanz schaut auf Ballett
- Variation der Variationen
- Das Hamburg Ballett in Schwarzweiß
- Zärtliche Beziehungen, komische Begegnungen
- L'Europe Baroque
- In allen Tönen ist Tanz
- JETZT end.lich
- Zwischen Dissoziation und Synthese
- Einfach traumhaft
- Es lebe das Sentiment!
- Besser kann man es nicht haben
- Gemischtes Doppel
- A Game for Dance and Science
- Buntes musikalisches Bilderbuch
- Feurige Liebe
- Ton-Licht-Bewegungsspiele
- Männer in Gefahr?
- Perpetuum Mobile des Lebens
- Streicheleinheiten bis es schmerzt
- Traumhaft schön
- Beglückende Wohnzimmertänze
- Augenweide mit Kontrapunkt
- Feine Rohkost-Häppchen
- Jede Menge Uraufführungen
- Jenseits des Spitzenschuhs
- Getrennte Welten
- Abseits des Unterhaltungsstroms
- Vom Verlust der Anonymität
- Reifezeit im klingenden Garten
- Hansi, Feminismus und die Liebe
- Anna Hein tanzt Mirna Jukic
- Macras: "Open For Everything"
- Lola Arias: Melancholie und Protest
BÜRO GESUCHT
Tanzprojekt sucht dringend Büroräume in 1160: Gesucht werden ca. 40 m2 für 3 PC-Arbeitsplätze und eine kleine Lagermöglichkeit für Kostüme und Requisiten. Optimal wäre eine Lage in Gehdistanz zum Yppenplatz/Brunnenmarkt. Über jeden Hinweis freuen wir uns. Kontakt: beate.bauer@caritas-wien.at; T: 0664/8427669AUSSCHREIBUNG
für das FESTIVAL DER REGIONEN 2013 / UMGRABEN in Eferding von 7. bis 16. Juni 2013 werden Projekte aus allen künstlerischen Bereichen und Genres gesucht. Bei aller Offenheit werden Vorhaben für ortsspezifische Arbeiten bevorzugt, Ambitionen, die sich mit Gesellschaft und Geschichte der Stadt Eferding beschäftigen und möglichst Bevölkerungsgruppen oder einzelne gute Kräfte einbeziehen. Weit gefasste Beziehungen zum Festival-Motto UMGRABEN werden ebenfalls berücksichtigt.
Alle Informationen zur Teilnahme am Wettbewerb auf http://www.fdr.at
Bewerbungsschluss ist der 16. Mai 2012!
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