Kritiken
Kritiken 2010
Offensiv erfolgreich
Offensiv erfolgreich
Mit einer „Attacke“ wollte Manuel Legris seine Direktion beim Wiener Staatsballett beginnen. Seine erste Visitenkarte an das Wiener Publikum sollte „etwas Glanzvolles“ sein. Nun, er hat sein Vorhaben überzeugend eingelöst, seine TänzerInnen zu Höchstleistungen angespornt und die ZuseherInnen zu Begeisterungsstürmen verführt.
Es war mutig, das Ensemble an der Wiener Staatsoper für die erste Premiere mit einem technisch anspruchsvollen Programm herauszufordern. Balanchine, Tharp und Forsythe sind wohl die „State of the Art“-Choreografen, wenn man eine Compagnie auf ihre Qualität prüfen will. Für TänzerInnen und Publikum gab es ein Erwachen aus dem Dornröschenschlaf. Die ausgezeichneten SolistInnen konnten endlich brillieren und das Corps machte dabei genauso motiviert mit. Der glanzvolle Abend stellte die TänzerInnen in ein neues Licht, unterstützt vom ebenso inspiriert agierenden Orchester unter der Leitung von Christoph Eberle.
Zum Beispiel Olga Esina in Balanchines „Thema und Variationen“, die erstmals, seitdem ich sie kenne, Seele zeigte – und das ist kein Widerspruch zu Balanchine. Die Werke des Petipa-Nachfolgers, der den akademischen Tanz in seiner reinsten, abstrakten Form vertrat, sind längst selbst zu Klassikern geworden. Eine virtuose Ausführung ohne Esprit wird dieser Formensprache nicht gerecht. Daher bringt auch der verspielte Flirt in den Pas de deux von Maria Yakovleva und Mihail Sosnovshi die kapriziösen „Rubies“ so richtig zum Glänzen. In diesem Stück, das übrigens erstmals an der Wiener Staatsoper* getanzt wurde, brillierte Ketevan Papava in der dritten Solorolle.
Die beiden Balanchine-Stücke sind so differenziert einstudiert, dass sie die jeweilige choreografische Absicht deutlich machen: das rasend Schnelle und trotzdem zeremoniell Getragene in „Thema und Variationen“ (Uraufführung 1947) zu Tschaikowskis Orchestersuite Nr. 3 wurde durch das Paar Olga Esina und Vladimir Shishov mit edler Zurückhaltung unterstrichen. Die Kostüme in Gelb-, Orange- und Pinktöne, Ende der 90er Jahre von Modeschöpfer Christian Lacroix für das Wiener Staatsopernballett kreiert, betonen in ihrer klassischen Formgebung - opulente Tutus für die Damen, Wamse und Trikots für die Herren - die Ballettlinien.
Zu Strawinskis drängendem Cappricio für Klavier (bravourös gespielt von Igor Zapravdin) und Orchester und in den rubinroten Kostümen von Karinska explodieren die „Rubies“(1967) in einer viel ausgelassener wirkenden Tanzsprache.
Schwieriger gestaltete sich für das Ensemble die Choreografie von Twyla Tharp „Variationen über ein Thema von Haydn“ (zur gleichnamigen Musik von Johannes Brahms) aus dem Jahr 2000. Das Stück flirrt in ununterbrochenen Gruppen- und Duokonstellationen über die Bühne. Es ist wohl das klassischste Stück der vielseitigen Choreografin, das jedoch in der Raumgestaltung dem dezentralisierten, postmodernen Duktus folgt. In dem unaufhaltsamen Strom von Bewegungen ist kein klarer Fokus auszumachen und die diffuse Stimmung wird durch die Lichtregie von Jennifer Tipton unterstützt.
William Forsythes „The Vertiginous Thrill of Exactitude“ für drei Tänzerinnen und zwei Tänzer ist eine Herausforderung der besonderen Art. Jede Note im 4. Satz von Schuberts Symphonie in C-Dur entspricht einer Bewegung - und die Musik kommt im Turbo-Tempo aus dem Orchestergraben. Stephen Galloway hat die Tänzerinnen mit grünen scharfkantigen Tellerröcken und die Tänzer mit lila Trikots, beide mit freiem Rückendekolletees, ausgestattet. Die Damen, Liudmila Konovalova, Franziska Wallner-Hollinek, Kiyoka Hashimoto schlagen sich dabei wacker. Die Herren, der Corps-Tänzer (!) Masayu Kimoto und Solist Denys Cherevychko scheinen bei dieser Choreografie so richtig in ihrem Element – großartig!
Auch wenn es an diesem Abend noch die eine oder andere Unsicherheiten und Ungenauigkeiten gab, kleine Patzer passierten, so ändert das nichts am Gesamteindruck des Abends: Das Wiener Staatsballett präsentierte sich bei dieser fordernden Premiere als ambitionierte Truppe, die alle Erwartungen übertroffen hat. Mehr geht nicht.
Wiener Staatsballett: Juwelen der Neuen Welt, Wiener Staatsoper am 24. Oktober 2010
Weiter Vorstellungen: 26. Oktober, 1., 5., 7., 10., 13., 18. und 21. November
Besetzung und Karten: www.wiener-staatsoper.at
* PS: Dank einer Leserin eine Richtigstellung: "'Rubies' wurde vor einigen Jahren anläßlich eines Gastspiels der Pariser Opéra im Rahmen von IMPULS TANZ mehrmals an der Wiener Staatsoper gezeigt, Manuel Legris tanzte den Solopart unglaublich virtuos,seine Partnerin war Aurélie Dupond."
Neu ist das Stück allerdings im Repertoire des Balletts der Wiener Staatsoper, dem nunmehrigen Wiener Staatsballett.
- Ein vielversprechender Beginn
- Verhaltene Liebe
- Wiener Staatsballett 2010/2011
- Wie im Märchen
- Die Kunst der Tanzkomödie
- Oberflächliches Funkeln und Glitzern
- Niemand ist der Beste
- Wiener Ballettchef geehrt
- Brillanter Auftakt und zwei Löwen
- Abschied in Mayerling
- Ein Tänzchen zum Abschied
- Gelungene Überraschung
- Avancement für Shishov und Lazik
- Junge Talente
- Zwischen Schatten und Schicksal
- Liebe zu tanzen ist schwierig
- Frisch erzählt, elegant vorgetragen
- Das Streben nach Schönheit
- Ich will keine Kopie sein
- Denys Cherevychko: Jede Rolle ist gut
- Blick in eine rosige Zukunft
- Schwer erarbeitete Leichtigkeit
- Der Direktor tanzt
- Berliner tanzen im Hauptbahnhof
- Halbsolist Masayu Kimoto
- Leiche im weißen Tütü
- Glanz und Gloria
- Wiener Ballettwunder
- Suspekt und sehr komisch
- Wiener Staatsballett auf Reisen
- Ich bin keine Tanzmaschine
- „Cool“ und klassisch
- Begeisterung für Jerome Robbins
- Prix Benois de la Danse 2011
- Ätherische Dimensionen
- Plejaden von Étoiles
- Begeisterung geweckt
- Avancements Wiener Staatsballett
- Er ließ den Zeitgeist tanzen
- Avantgarde in der Klassik
- Spitzentanz im Schottenrock
- Romantischer Kulturschock
- Unfassbar schwebendes Wesen
- La Sylphide mit alternativen Besetzungen
- Halbsolist Davide Dato
- Spurensuche
- Die Prinzessin weiß, was sie tut
- Dornröschen probt das Umfallen
- Three Dancers from the Day before Yesterday
- Verschlafenes Märchen
- Wachgeküsst
- Die dritte Braut
- Solotänzer Shane A. Wuerthner
- Sylphide mit Reibungsfläche
- Fast eine Premiere
- Tanzen ist leben
- Bewegungen erfinden
- Irgendetwas in meinem Kopf fängt an zu tanzen
- Drei Stücke und ein Star
- Triumph für Denys Cherevychko
- Erste Flugversuche
- Musikalisch ein Hochgenuss
- Kein Interesse am Pirouettenwettbewerb
- Perfekt im tragischen Dreieck
- 2012/13 Märchenhaft modern
- Der Speed der Neuen Welt
- Wiener Staatsballett in Japan
- Der harte Weg zum Traum
- Goldener Löwe für Guillem
BÜRO GESUCHT
Tanzprojekt sucht dringend Büroräume in 1160: Gesucht werden ca. 40 m2 für 3 PC-Arbeitsplätze und eine kleine Lagermöglichkeit für Kostüme und Requisiten. Optimal wäre eine Lage in Gehdistanz zum Yppenplatz/Brunnenmarkt. Über jeden Hinweis freuen wir uns. Kontakt: beate.bauer@caritas-wien.at; T: 0664/8427669AUSSCHREIBUNG
für das FESTIVAL DER REGIONEN 2013 / UMGRABEN in Eferding von 7. bis 16. Juni 2013 werden Projekte aus allen künstlerischen Bereichen und Genres gesucht. Bei aller Offenheit werden Vorhaben für ortsspezifische Arbeiten bevorzugt, Ambitionen, die sich mit Gesellschaft und Geschichte der Stadt Eferding beschäftigen und möglichst Bevölkerungsgruppen oder einzelne gute Kräfte einbeziehen. Weit gefasste Beziehungen zum Festival-Motto UMGRABEN werden ebenfalls berücksichtigt.
Alle Informationen zur Teilnahme am Wettbewerb auf http://www.fdr.at
Bewerbungsschluss ist der 16. Mai 2012!
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