Kritiken
Kritiken 2010
Im halsbrecherischen Rhythmus
Im halsbrecherischen Rhythmus
Die eher dem hehren Kunstgenuss geweihte Halle der ehemaligen Landwirtschaftsbörse, des heutigen Odeons, erzitterte ob des Spektakels, das sich ihr auf dem Schachbrett bot. Beim ersten Red Bull Checkmate tanzten acht Breakdance-Gruppen aus fünf Nationen gegeneinander an und verloren unter dem feurigen Gejohle der Zuschauerinnen literweise Schweiß, bis die Sieger ermittelt waren. Als erste Breakdance-Schachmeister wurde schließlich die Crew Top 9 aus Russland gefeiert.
Das Spiel war ebenso aufregend wie spannend. jeweils 5 Boys und auch Girls traten gegeneinander ein, wobei Dancer gegen Dancer kämpfte, für einen hob die dreiköpfige Jury den Daumen. Der andere musste ausscheiden.
Doch ganz so einfach sind die Spielregeln beim Chekmate nicht. Einer in der Crew ist der König und der darf sich seinen Gegner aussuchen. Auch eine Königin (Dame) ist im Spiel. Gewinnt die den Kampftanz, darf sie einen aus der Truppe wieder aufs Spielfeld holen. Auch wenn nur wenige junge Frauen sich auf das Schachbrett wagten – sie konnten im halsbrecherischen Wirbeln und Springen, mit ihren Pirouetten und Kopfständen, rasanten Steps, Flags, Freezes und Saltos durchaus mithalten. Durchaus gute Figur(en) machte auch die Salzburger Crew M.O.T, die natürlich das lautstark mitfiebernde, vornehmlich weibliche Publikum auf ihrer Seite hatte. Übrigens, das Johlen, Kreischen und Klatschen ist in diesem Spektakel durchaus erwünscht. Immer wieder lud der Moderator ein: „Make a Noise!“.
Zum Schauspiel gehört es auch, dass die einzelnen Tänzer (Tänzerinnen) ihre Gegner in Mimik und Gestik psychologisch bekriegen. Herausgestreckte Zungen, abfällige Handbewegungen und direkt auf die gegnerische Linie zuzutanzen, also sollte diese weggefegt werden, ist Teil der temporeichen Darbietung. Am Ende aber herrschte nach jedem Durchgang freundschaftliche Stimmung. Man respektiert den Gegner, umarmt die Verlierer und lockert die Muskeln für den nächsten Durchgang.
Wie beim Schachspiel auf dem Brett wird auch auf der Bühne einiges an Mitdenken erwartet, durch geschickte strategische Züge, kann Terrain aufgeholt werden. Die B-Boys (und –Girls) müssen nicht nur ihre Muskulatur sondern auch ihr Gehirn anstrengen. Der König aus St. Petersburg hat seine Chance genutzt als er am Zug war und den gegnerischen (schwedischen) König geschickt schachmatt gesetzt. Top 9 wurde zum Sieger gekörnt, doch haben auch alle anderen Teilnehmer einen Preis verdient. Für ungebremsten Körpereinsatz, sportliche Eleganz, Fantasie und Kreativität in den immer neu fließenden Bewegungsabläufen.
Der Erfolg dieses ersten Red Bull Chekmate wird sich nicht auf die Premiere allein beschränken. Das tanzsportliche Event, wird seine Fortsetzung finden.
Red Bull Chekmate, Odeon, 16. Oktober 2010.
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