Kritiken
Kritiken 2010
Rätselhafte Zeitreise
Rätselhafte Zeitreise
Zwei Frauen, ein Mann – immer wieder eine aufregende Konstellation. In „Timextension“ von Darrel Toulon tanzen sie vor einer Videowand, die sich nicht nur mit Bildern der Außenwelt füllen, sondern auch die Schatten der TänzerInnen, scharf gestochen und auch mit verschwimmenden Konturen, zeigen. Toulon, Ballettdirektor an der Oper Graz, kann seine Herkunft vom klassischen Ballett nicht verleugnen. In Schläppchen zeigen die Tänzerinnen Arabesque und Plié.
In einer Mischung aus klassischem Spitzentanz, Modern Dance, Jazz- und Gesellschaftstanz zeigen Livia Hyllova, Areti Palouki und Michal Zabavik nutzen den Bühnenraum perfekt und korrespondieren miteinander und auch mit ihren Schatten auf der Leinwand. Immer wieder verschwinden sie ganz im Dunkel und überlassen den Abbildern das Interesse der Zuschauerinnen. Schnell verdoppelt sich das Bild wieder, die Frauen und der Mann tanzen mit ihren Schatten. Dahinter, auf der Leinwand, rast die Welt vorbei und die nervöse Stimme von Rachelle Ferrell fordert Aufmerksamkeit.
Doch dieser konzentrierte Beginn löst sich bald auf der leeren blauen Leinwand auf. Die schönen Damen verschwinden und ein zweiter Man (Bostjan Ivanjsic) erobert die Bühne. Jetzt geht es nicht mehr um den aufregenden „Kampf der Geschlechter“, vielmehr wird jetzt Annäherung und Abweisung, vielleicht auch Gegeneinander und Miteinander getanzt. Zabavik kämpft aber mehr mit dem flatternden rutschenden Sakko, Ivanjsic versucht aus der Dämmerung die unvermittelt auftauchenden Lichtfelder zu erreichen. Die Musik wird immer lauter, immer aggressiver. Bis das Licht ausgeht, sich die Männer gemeinsam verbeugen und die Frauen auch wieder erschienen dürfen.
Darrell Toulon hat „Timextension“ mit der 2006 gegründeten Alphagroup, einer Initiative kreativer KünstlerInnen aus den Bereichen Tanz, Video und Musik, erarbeitet und versucht damit, wie er im Programmheft schreibt, die Zeit – Vergangenheit und Zukunft, getanzt in der Gegenwart – zu thematisieren. Als Referenz führt er Ernest Hemingways Novelle „Der alte Mann und das Meer“ (Der Mann, bei Hemingway immer Synonym für Mensch, lässt sich nicht unterkriegen) und ein Gedicht von John Dowland (Komm Schlaf, du Bild des wahren Todes) an. Ich kann nicht enträtseln wozu und nicht fühlen, was gemeint ist. Den schönen Bildern am Anfang und dem kräftigen Männer Pas de deux im zweiten (längeren) Teil fehlte der warme Hauch des Lebens.
Darrel Touloun: „Timextension“, Österreich TANZT im Festspielhaus St. Pölten, 29. Mai 2010.
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