petersrohseDas Buch ist ein „Must Read“ für alle TanzpädagogInnen! Und eigentlich auch für alle Eltern, denn „Das Kind und der Tanz“ ist eine kluge Auseinandersetzung mit der kindlichen Gesamtentwicklung und daher ein großes Lesevergnügen. Gisela Peters-Rohse geht es um weit mehr als um Körper- und Bewegungsbildung. Ihre pädagogische Methode verbindet sie mit außerordentlicher Empathie und Verständnis für Kinder.

Die schwarz-weiß Fotos können irreführend sein: gekörnt, hart und kontrastreich entwickelt sind sie. Sie dürften aus den 1970er Jahren stammen, als Gisela Peters-Rohse bereits zwei Bücher über ihre Arbeit publiziert hat. In ihrer altmodische Art und Weise, haben die Bilder von Annelise Löffler dennoch eine besondere Qualität, denn sie vermitteln unmittelbar das Engagement der Kinder im Unterricht.

In jedem Fall sind  der humanitäre pädagogische Ansatz und die Methode, mit der Gisela Peters-Rohse den Kindern über den Tanz ein so vielfältiges, buntes und abenteuerliches Fantasieland eröffnet, zeitlos und ungemein spannend. Sie taucht ein in die Welt der Kinder, holt sie dort ab, wo sie sich gerade befinden. Sie weiß um die möglichen Sorgen und Erwartungen, wenn die Kinder zu ihr in den Unterricht kommen. Doch was sie wirklich interessiert, ist, wie sie sie (manchmal: trotzdem) motivieren und begeistern kann, sich mit ihrem Körper und dessen Bewegungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Daher ist der Beginn der Stunde von immanenter Bedeutung. Peters-Rohse nennt diese Aufwärmphase die „Einstimmung“. Dabei geht es ums gegenseitige Kennenlernen, um die Bildung einer Gruppe aus Kindern, die einander das erste Mal begegnen.  Doch der Unterricht beginnt schon vorher, in der Garderobe, wo das Verhalten der Kinder schon Aufschluss über ihre Befindlichkeit gibt.

Peters-Rohse sieht ihre Aufgabe als viel umfassender als sie üblicherweise von TanzpädagogInnen wahrgenommen wird, denn für sie ist Tanzunterricht eben als essenzieller Baustein in der Entwicklung des Kindes zu begreifen. So umfasst ihre Liste von grundlegenden Lehr- und Lernzielen nicht nur die Elemente der Körperbildung und Bewegungsqualitäten, des Raumes und der Zeit, sondern auch „die Anregung der Vorstellungskraft“, „Stärkung des Selbstwertgefühls, „Entwicklung der sozialen Kompetenz, der Handlungskompetenz oder Entscheidungskompetenz“. Bis hierhin könnte man noch argumentieren, dass diese Lernziele zwangsläufig mit einer künstlerischen Erziehung einhergehen. Um dieses Eigenschaften jedoch positiv und gezielt zu fördern, hat Gisela Peters-Rohse ihre Methode entwickelt und diese hat ein weiteres,  weit über den Tanz hinausgehendes Ziel: „Neugier herausfordern, also Lernwillen erreichen“.

In ihren Erläuterungen der „Bewegungstechnik und Körperbildung“, „Bewegungsentwicklung und Bewegungsgestaltung“ wird der ganzheitliche Ansatz ihrer Methode immer wieder thematisiert. Immer ist der Lernprozess lustvoll, spielerisch, motivierend. Immer ist die Lehrerin auf Augenhöhe mit den Kindern. Für die Unterrichtsthemen (Peters-Rohse nennt sie „Lernvorhaben“) fasst sie eine Art „Lehrplan“ tabellarisch zusammen. Ein ergänzendes Faltblatt gibt einen Überblick über altersentsprechende Bewegungsvorgänge ab viereinhalb bis zehn Jahre. Kommentierte Bildtafeln am Ende des Buches geben Einblick in einige Choreografien, die die Autorin mit Kindern kreiert hat.

In einem Kapitel geht Gisela Peters-Rohse auch näher auf die Möglichkeiten für die Weiterführung tänzerischer Bildung nach dem Vorschulalter ein, im modernen Tanz (nach den Grundprinzipien der Labanschen Raum- und Bewegungslehre), im klassischen Ballett oder Folkloretanz, in Rhyhtmik und Musikalität. Während der „Eingang in das noch unbekannte weitere Feld des Tanzes“ eröffnet wird, soll jedoch die „Spontaneität der kindlichen, freien und phantasievollen Bewegung … unbedingt erhalten bleiben“.

Gisela Peters-Rohse genießt in Deutschland einen legendären Ruf und ist heute weltweit eine Autorität für Tanzpädagogik für Kinder. Gastdozenturen führten die 1938 in Stade, Deutschland geborene und an der Lola Rogge Schule in Hamburg ausgebildete Tänzerin und Tanzpädagogin nicht nur in viele Städte in ganz Europa, sondern auch nach Asien und Südamerika. Ihren Lebensmittelpunkt hat sie in Köln, wo sie nach ihrer Heirat mit dem Tanzpädagogen und –kritiker Kurt Peters (1915-1996), den Gründer des Deutschen Tanzarchivs, in ihrem eigenen Tanzstudio, an der Rheinischen Musikschule Köln und an der Hochschule für Musik und Tanz tätig war.

Herausgeber von „Das Kind und der Tanz“ ist das Deutsche Tanzarchiv Köln. Dessen Leiter Frank-Manuel Peter betitelt seine einleitenden Anmerkungen mit: „Triffst du nur das Zauberwort“. Das trifft die Autorin zielsicher und wohl (fast) immer. Ihr Buch beschließt sie mit einer berührenden Geschichte über eine ehemalige Schülerin, die noch einmal ihre zutiefst humanistische Einstellung illustriert. Mehr sei darüber nicht verraten, außer der Conclusio von Gisela Peters-Rohse: „Und so lautet mein Credo: Der Kindertanz ist nicht begrenzt auf ein Gebiet, er schließt andere Formen der Kunst und des Lebens mit ein, und dazu gehört auch – was besonders wichtig ist – der ganze Mensch.“

Gisela Peters-Rohse: „Das Kind und der Tanz“, Florian Noetzel Verlag, Heinrichshofen-Bücher, Wilhelmshaven, 206 Seiten

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