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rentschDer Einfluss höflischer Werte auf die Kompositionspraxis der Instrumentalmusik ergibt sich auch aus der Aufführungspraxis des 16. bis zum frühen 18. Jahrhunderts. Die Musikwissenschafterin Ivana Rentsch erforscht die musikalische Formgebung mit einem kulturanthropologischen Ansatz und setzt sich dabei besonders auch mit den tänzerischen Grundlagen der Instrumentalmusik auseinander.

Rentsch findet besonders zwei beliebte Referenzpunkte musikalischer Sinnstiftung in der Instrumentalmusik, nämlich die Fantasie, die ohne formalen Zwang auf den Menschen und seine Innenwelt rekurriert und den Tanz. Tanzsätze gehörten, so Rentsch, „bereits im 16. Jahrhundert zu den beliebtesten instrumentalen Formen“.  Sie zitiert Richard Wagner („Die im voraus fertige, ihrem Wesen nach aus dem Tanz gewonnene Melodie“) um sich mit den eng mit dem Tanz in Verbindung zu bringenden Verhaltensidealen auseinanderzusetzen. Es steht für sie „keine Formgeschichte“ zur Debatte, „sondern  gleichsam eine instrumentalmusikalische Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit“.

Rentsch beschreibt ihr Forschungsgebiet in ihrem 2012 beim Bärenreiter-Verlag herausgegebenen Werk „Die Höflichkeit musikalischer Form. Tänzerische und anthropologische Grundlagen der frühen Instrumentalmusik“ als bisher stiefmütterlich behandelt . Sie sieht in den reichen Möglichkeiten der Instrumentalmusik der Frühen Neuzeit einen Grund dafür, dass in der musikwissenschaftlichen Forschung nicht allzu häufig eine übergreifende Betrachtung angestrebt wurde. Sie fokussiert in ihrer Arbeit weltliche Instrumentalmusik, da diese an den „Kern des Musikideals der Frühen Neuzeit“ rührt. Die Herausforderung für einen Komponisten von Instrumentalmusik sieht sie darin, dass nicht auf eine Textebene Bezug genommen werden kann, sondern „nur mit Tönen“ eine eigenständige kompositorische Form generiert werden muss.  Rentsch beschäftigt sich einleitend auch mit dem „Menuetgen“, mit dem höfischen Tanz in Frankreich und Italien und dem Tanz und seinem Verhältnis zur Musiktheorie.

Im zweiten Teil ihrer Arbeit wendet sie sich vom höfischen Tanz zum Gesellschaftstanz und setzt sich u.a. mit der Funktionalisierung tänzerischer Ordnung auseinander. Im dritten Teil fokussiert sie Tanz und Musik im Weltbild des  16. und 17. Jahrhundert und im vierten Teil das musikalische Geschmacksurteil. Der fünfte Teil wendet sich der musikalischen Ordnung, dem Tanz in der Instrumentalmusik, dem Taktgefühl, der Kadenz und der Periodik zu.

Ivana Rentsch „Die Höflichkeit musikalischer Form. Tänzerische und anthropologische Grundlagen der frühen Instrumentalmusik“, 2012 Bärenreiter-Verlag Karl Vötterle GmbH & Co KG, Kassel, ISBN 978-3-7618-2273-9

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