neumeierkoeglerSeine umfangreiche Arbeitsbiographie hat der Tänzer, Choreograf und Ballettdirektor John Neumeier selbst veröffentlicht. „In Bewegung“, ein 5 kg schwerer bebilderter Band über Neumeiers Ära in Hamburg ist 2008 in der Collection Rolf Heyne erschienen. Jetzt hat der renommierte Journalist und Ballettkenner Horst Koegler eine aktuelle autorisierte Biographie des Multitalents Neumeier geschrieben.

Koegler kennt John Neumeier seit mehr als 40 Jahren und ist daher tatsächlich berufen, eine sowohl kenntnisreiche wie auch sehr persönliche Biographie zu schreiben. Wie befreundet die beiden Männer sind, zeigt die Tatsache, dass Neumeier selbst die Bildtexte (zu vielen bisher unveröffentlichten Fotos) verfasst hat. Koegler widmet sich Neumeiers Karriere brav chronologisch und detailreich und nähert sich dem „Enzyklopädisten des Balletts" (Koegler) voll Verehrung. Neumeiers Leben ist Tanz, vielleicht ist Neumeier Tanz, vom privaten John Neumeier abseits von Ballettsaal und Bühne (Direktionszimmer und Stiftungsrat) ist kaum zu lesen. Zu sehen ist der junge Tänzer und der arrivierte Choreograf allerdings auch als gefühlvoller Mensch. Strahlend lachend, bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Hamburg (2007), wenige Monate später innig gedrückt von Prinzessin Caroline von Monaco bei der Verleihung des Herbert-von-Karajan-Preises in Baden Baden. Man sieht ihn als liebevollen Sohn mit seiner Mutter Lucille, mit Prominenz feiern und zu Hause mit der Königin speisen. Also nährt sich auch John Neumeier nicht nur vom Tanz allein.

Doch Koegler beschränkt sich nicht nur auf die biographischen Stationen des Mannes aus Wisconsin, geboren 1942 in Milwaukee, sondern verschränkt Neumeiers choreographischen Weg mit der internationalen Entwicklung in Ballett und Tanz und fokussiert immer wieder auf Neumeiers Vorlieben. Seien es musikalische (Gustav Mahler, Johann Sebastian Bach) oder tänzerische. Der Versuch, Neumeiers Œuvre zu kategorisieren muss scheitern, doch „der Bogen, der tatsächlich das gesamte choreografische Schaffen Neumeiers umspannt, hat bekanntlich einen Namen: Vaslaw Nijinsky“ (Koegler). Neumeiers erstes Ballettbuch, nachdem er als Vierjähriger im Kino bei einem Musicalfilm mit dem Tanzvirus infiziert worden war, war ein Buch über Nijinsky. Damit hatte er ein Thema gefunden, das sein ganzes Berufsleben bestimmen sollte. Und doch hat sich Neumeier erst spät (nach einer kleiner Choreografie „Vaslaw“, 1979) dem Heroen gestellt. Das nahezu dreistündiges Ballett „Nijinksi“ wurde am 2. Juli 2000 zur Eröffnung der Hamburger Balletttage uraufgeführt. Die Kritiken klangen unisono: „Ein Meisterwerk.“ Doch keineswegs das Ende einer Laufbahn. Auch wenn John Neumeier im kommenden Februar 69 wird, denkt er nicht daran das Zepter seines Imperiums (Kompanie, Schule, Museum, Sammlung und Stiftung) abzugeben. Wer wollte das auch! Dennoch muss auch Horst Koegler die bange Frage stellen, wie und ob überhaupt das Lebenswerk John Neumeiers überleben wird.

Und weil genau diese Frage an das Urmenschliche rührt, rückt das Abschlusskapitel des mitunter etwas trockenen Berichts dem erfolgreichen Intendanten und Ausnahmechoreografen etwas näher. Aussagen von Tänzerinnen und dem verstorbenen Tänzer Max Midinet geben der öffentlichen Figur John Neumeier menschliche Konturen. Auch wenn er selbst meint, als Privatperson sei er nicht interessant: „Wer will das alles wissen? Mein Privatleben finde ich nicht so aufregend, dass es ganz viele Leute interessiert“, zitiert Koegler aus Neumeiers Tagebuch. Und damit wollen wir es belassen.

Horst Koegler
John Neumeier. Bilder eines Lebens
Edel:Vita, Herausgegeben von der Stiftung John Neumeier, 2010,
174 Seiten, Hardcover mit zahlreichen Abbildungen
und einer englischen Übersetzung
Format 18,5 x 25 cm
ISBN: 9783941378728

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