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rhythmik 1Dieser Titel war das Leitmotiv des Jahres für die Wiener Musik- und Bewegungspädagogik (MBP) / Rhythmik. Unter dieser Bezeichnung veröffentlichte die Studienabteilung an der Universität für Musik und darstellende Kunst ein Buch; das am vergangenen Wochenende veranstaltete Symposium nannte sich ebenfalls „Leben ist Bewegung ist Musik“ und gab Einblicke in pädagogische Zielsetzungen, methodischen Zugänge sowie den künstlerischen und soziokulturellen Kontext der Rhythmik.

Eine Ausstellung, zusammengestellt von Herta Hirmke-Toth, zeichnete die Stationen der Wiener Rhythmik-Ausbildung nach, die hier kurz skizziert werden soll: Die Musik und Bewegungspädagogik der Rhythmik beruht auf der Methode von Émile Jaques-Dalcroze (1865-1950), die dieser Anfang des letzten Jahrhunderts entwickelte und die einen nachhaltigen Einfluss auf die Tänzergeneration des "Ausdruckstanzes" hatte. Der Weg der 1911 als „Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze“ in Hellerau bei Dresden gegründeten Schule führte 1925 ins Schloss Laxenburg bei Wien, wo sie als Schule Hellerau-Laxenburg eine Berufsausbildung in Rhythmischer Gymnastik, Körperbildung und Tanz sowie Sommer- und Laienkurse anbot. Hellerau(-Laxenburg) war bis 1938 ein Synonym für freien Tanz und stark von der damaligen Reformpädagogik, etwa von Maria Montessori, geprägt.rhythmik logo

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wurde die Schule geschlossen und die Rhythmikausbildung ausgesetzt, bis sie 1959 an der Akademie für Musik und darstellende Kunst wieder eingerichtet wurde und eine Ausbildung zur „Lehrbefähigung für Rhythmisch-musikalische Erziehung“ durchführte. (Rosalia Chladek, die von 1952 bis 1970 die Tanzausbildung an der Akademie leitete, unterrichtete in der Rhythmik-Abteilung bis 1977 das Fach „Körperbildung“.) 1970 wurde aus der Akademie eine Hochschule, wodurch sich das Rhythmik-Ausbildungsangebot um die Bereiche Früherziehung und Sonderpädagogik erweiterte. Seit 2002 bietet das Institut für Musik- und Bewegungserziehung unter der Leitung von Angelika Hauser-Dellefant, die auch als Herausgeberin des Buches und Gastgeberin des Symposiums firmierte, ein Bakkalaureats- und Magisterstudium.

rhythmik HauserWas sowohl das Symposium wie auch das Buch „Leben ist Bewegung ist Musik“ nachzeichnen, ist die Ausweitung, die die Rhythmik seit ihren Anfängen, wo sie sich vorwiegend mit Kinderpädagogik befasste, erfahren hat. Zwar mag die Rhythmik der traditionellen Methode von Musik- und Bewegungspädagogik nach Jaques-Dalcorze über weite Strecken treu geblieben sein, doch gleichzeitig ist sie fest in der Gegenwart verankert. Heute ist sie Teil des „Lebenslangen Lernen“-Konzepts und wird in der Erwachsenenbildung ebenso eingesetzt wie in der Gerogogik, in der Therapie oder in der Sozial- und Inklusionspädagogik. Die Beiträge im Buch von Irmgard Bankl, Sibylle Wirth, Christoph Falschlunger, Nora Schnabl oder Monika Mayr wurden beim Symposium in Workshops durch einen praktischen Einblick in die Arbeit in diese unterschiedlichen Gebiete ergänzt.rhythmik studenten

Nach wie vor sind AbsolventInnen der Rhythmik auch als KünstlerInnen erfolgreich, was eine Reihe musikalischer und tänzerischer Interventionen von Studierenden und AbsolventInnen belegte, die zwischen den Workshops, Vorträgen und Keynotes, bei einem Performance-Abend oder beim Empfang im Wiener Rathaus für bewegt-musikalische Abwechslung sorgten. Auffallend war dabei wohl die ungebremste Spiellust und Kommunikationsfreude, mit der die jungen RhythmikerInnen dem Publikum begegneten.

rhythmik wallaDer Austausch mit anderen Wissenschaftsbereichen verankert die Rhythmik in der gegenwärtigen Wissensdebatte. Neben fachspezifischen Vorlesungen zu immanenten Themen der Musik- und Bewegungspädagogik eröffneten UniversitätsprofessorInnen aus den Bereichen der Psychologie, der Musikpädagogik und der Neurobiologie neue Perspektiven auf das weite Gebiet von Musik und Bewegung sowie deren gesellschaftlichen Stellenwert.

Bot das Symposiumswochende neben neuen Inputs für Interessenten und PraktikerInnen auch ein Forum für einen regen Erfahrungsaustausch der internationalen TeilnehmerInnen, so stellt das Buch eine umfassende Bestandsaufnahme der Entwicklungen und Konzepte der Wiener Rhythmik dar. Gemäß dem Titel präsentiert sie sich in dieser Publikation als lebensumspannenden Zugang zu Musik und Bewegung und deren Bedeutung für ein selbstbestimmtes, kreatives Leben.

Das Symposium "Leben ist Bewegung ist Musik" fand von 20. bis 22. Oktober an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien statt.

Angelika Hauser-Dellefant/Eleonore Witoszynskiyj (Hg.) "Leben ist Bewegung ist Musik. Enwicklungen und Konzepte der Wiener Rhythmik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien", Wiesbaden: Dr. Ludwig Reichert Verlag, 2016.

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Leben ist Bewegung ist Musik: Entwicklungen und Konzepte der Wiener Rhythmik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (zeitpunkt musik)