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Während sich die Medizin seit Langem mit der Beanspruchung des Körpers durch Bewegung und mit den positiven und negativen Folgen von Sport auseinandersetzt, so blieb bis vor kurzem der Tanz aus diesen Forschungen ausgeklammert. Seit nur wenigen Jahren hat sich nun eine eigene Disziplin für diese Kunstform etabliert, deren physische Leistungen denen von Hochleistungssportlern gleichen. Die Tanzmedizin ist von einigen ÄrztInnen etabliert worden, viele von ihnen haben nach ihren aktiven Tänzerkarriere den Sprung in die Medizin vollbracht und bringen nun die beiden Aspekte mit eindrucksvollen Ergebnissen sowohl für die Medizin als auch für den Tanz zusammen.
Dr. Liane Simmel hat im deutschsprachigen Raum den Begriff der Tanzmedizin entscheidend mitgeprägt, unter anderem durch Gründung des Vereins TaMeD, Tanzmedizin Deutschland e.V. 1997, die sie seither als Vorstand leitet und international vernetzt hat.
Ihr Engagement geht auf ein persönliches Erlebnis als junge Tänzerin zurück, die auf der Suche nach Hilfe für ihre Schmerzen von einem Arzt den wenig hilfreichen Rat bekam, mit dem Tanzen aufzuhören. „Wenn du weiter tanzt“, sagte er, „landest du im Rollstuhl“. Diese Erfahrung ist sicher kein Einzelfall.
Nun hat sie ein Standardwerk geschrieben, das TänzerInnen zur Selbsthilfe ermutigen möchte und ihnen jene Grundkenntnisse vermittelt, mit denen sie ärztlichen Rat selbstbewusster analysieren und einschätzen können.
Nach einer allgemeinen Einführung in die Anatomie des Körpers geht Simmel auf die von Verletzungen und Traumata besonders betroffenen Körperteile ein - die Wirbelsäule, das Becken, die Hüfte, das Knie und den Fuß. Die Gliederung der einzelnen Sektionen beinhaltet jeweils die Anatomie des Körperteils, die Effekte des Tanzens auf diesen, die of auftretenden Fehler beim Training („Tücken im Tanz“), einen Leitfaden zur Eigenanalyse sowie Tipps und Tricks zur Prävention.
Weitere Kapitel sind den psychischen Aspekten des Tänzerlebens, der Ernährung, der Frage des Wachstums, der Selbsthilfe bei Verletzungen und der Planung des Trainings gewidmet.
„Tanzmedizin“ ist ein umfassender Text mit vielen Abbildungen und Fotografien auf 271 Seiten. Dabei fällt störend auf, dass die Gegenüberstellung von Idealpositionen mit Fehlhaltungen viel zu wenig deutlich gekennzeichnet sind - ein Manko in diesem klar und verständlich aufgebautem Werk, das durch ein elfseitiges Glossar eine schnelle Suchhilfe bietet.

Liane Simmel: Tanzmedizin in der Praxis. Anatomie, Prävention, Trainingstipps
Erscheinungsjahr: 2009
ISBN: 978-3-89487-596-1

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