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BAK2Mit einiger Verspätung hat der Bericht der Sonderkommission der Ballettakademie nun doch zu personellen Konsequenzen geführt. Simona Noja, geschäftsführende Direktorin der Ballettakademie wurde ebenso wie Manuel Legris, Künstlerischer Leiter, aus ihrer Funktion an der Ballettakademie abberufen. Zur interimistischen Leiterin wurde die kaufmännische Leiterin des Wiener Staatsballetts Simone Wohinz bestellt.

Der Chef der Bundestheaterholding, Christian Kirchner, hat ein Machtwort gesprochen, Kulturminister Alexander Schallenberg ist froh, dass nun ein Schlussstrich gezogen wurde und damit der Weg für einen Neuanfang frei sei. Die neue Leitung soll vom neuen Staatsopernchef Bogdan Roščić per September 2020 eingesetzt werden. Bis dahin liegt die künstlerische Leitung ausschließlich bei der Direktion der Wiener Staatsoper und Simone Wohinz wird für einen geordneten Ablauf in der Schule sorgen. Manuel Legris bleibt Direktor des Wiener Staatsballetts.

Beschrieb die Unabhängige Sonderkommission der Ballettakademie vor allem Defizite in Hinblick auf das Kindeswohl und die Verantwortungs- und Führungsstruktur der Schule, so geht es bei diesem Neuanfang auch um ballettpädagogische Konzepte.

Im Zuge der Aufdeckung von Missständen und das Verhalten der Verantwortlichen darauf, fühlt man sich unwillkürlich an das „Organisations-Statut für die Ballett-Tanzschule am k. k. Hof-Operntheater“ 1870 erinnert, laut dem das wesentliche Ziel der Ausbildung war, „SchülerInnen für Dienstleistungen des Opernbetriebs vorzubereiten“ (siehe auch den Artikel über das Wiener Kinderballett auf tanz.at). Das ist natürlich heute nicht mehr das wesentliche Ziel, obwohl die Vorkommnisse der letzten Monate sehr nach einer pädagogischen Auffassung aus dem 19. Jahrhundert rochen.

Heute jedenfalls muss die Ausbildung der hochbegabten Kinder einerseits ihre (körperliche und seelische) Gesundheit achten und sie andererseits auf internationale Tänzerkarriere vorbereiten. Und dafür bedarf es radikaler Veränderungen,

Unabhängigkeit von der Oper könnte hier das Zauberwort sein, denn eine Ausbildung darf nicht an die Vorlieben des jeweiligen Ballettdirektors an der Staatsoper gekoppelt sein. „Es ist müßig, hier die Notwendigkeit und Verpflichtung künstlerisch-pädagogischer Eigenständigkeit und Unabhängigkeit in der künstlerischen Ausbildung – ob Musik oder Tanz – darzulegen und am Modell der berühmtesten Ballettakademien der Welt zu begründen“, sagte dazu Martin Puttke im tanz.at-Interview.

Gleichzeitig ist eine enge Verbindung zur Oper unabdingbar, denn: „Eine Partnerschaft mit einem Opernhaus ist elementar für die Ausbildung und eine Schule würde ihr Renommee erheblich beschädigen, dürften ihre Eleven sich nicht laufend vor Publikum, auf der Bühne und auch in realem Kontakt mit den Profis ausprobieren und bestätigen.“

Und diesen Spagat muss das neue Konzept ebenso schaffen wie sich dazu zu verpflichten für die besten Trainingsmethoden und LehrerInnen zu sorgen. Es geht um Kinder, um angehende TänzerInnen und KünstlerInnen, die im Kulturland Österreich ungleich viel mehr Respekt und Sorgfalt verdienen als bisher.

Einige Medienberichte zur Abberufung:

Kleine Zeitung

Kurier

New York Times