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gofigureIst die Welt Heimat oder ist Heimat die Welt? In diesem Jahr hat die künstlerische Leiterin Hannah Crepaz im Programmheft Texte von Heinrich Heine bis Maja Haderlap vorangestellt, als Beispiele der unterschiedlichen Lesarten. Tanz, alte und neue Musik, Filme, Lesungen und Gespräche – der Einblick, den das Osterfestival Tirol von 5. bis 21. April in den emotional aufgeladenen Begriff bietet, eröffnet sicher neue Welten.

Fünf Tanz- bzw. Performanceproduktionen, allesamt Erstaufführungen im deutschsprachigen Raum, bilden den Schwerpunkt des heurigen Festivals. Wim Vandekeybus und seine Gruppe Ultima Vez bringen zwei Stücke nach Tirol. „Go Figure Out Yourself“ (7. April) stellt die fünf TänzerInnen und das Publikum in einen gemeinsamen Raum. Durch die freie Bewegung im Salzlager Hall wählen die ZuseherInnen ihre Perspektive, ihren Zugang, ihre Beziehung zu den DarstellerInnen – eine Aufforderung zur Selbstbestimmung im Theater.traptown

In „Trap Town“ begibt sich Vandekeybus auf Spurensuche in archaische Welten und schafft mit dem aufregenden, überaus körperlichen Tanz, mit Musik, Text und Film eine neue, bildgewaltige Mythologie (16. April).

Panorama2Das radikale, multimediale, italienische Künstlerkollektiv Motus ist mit „Panorama“ zu sehen (12. April). Die zehn PerformerInnen sind Mitwirkende der multi-ethnischen Great Jones Repertory Company aus New York. Die MigrantInnen – aufgrund ihrer künstlerischen Entscheidungen – thematisieren Nomadentum als grundlegenden Aspekt, der sich in allen Lebensbereichen widerspiegelt. „Eine Hymne an Lebensformen ohne Grenzen und Vorurteile“, verspricht das Programmheft.spell

„I put a spell on you“ ist die erste choreografische Arbeit von Ehsan Hemat, der seine künstlerische Arbeit als Schauspieler in Shiraz, Iran, begonnen und in Europa den Tanz als künstlerische Heimat entdeckt hat, zum Beispiel bei William Forsythe. Heute pendelt Hemat zwischen dem Iran und Belgien. Seine Choreografie erzählt von drei Individuen, die einer totalitären Autorität und einem System der ständigen Kontrolle ausgesetzt sind. (14. April)

27perspectivesDen Abschluss des Osterfestivals 2019 bildet die „Twenty-seven perspectives“ von Maud Le Pladec. Ausgehend von Schuberts „Unvollendeter“ schafft die Choreografin zusammen mit dem Komponisten Pete Harden eine geisterhafte Partitur, aus der der Tanz entsteht und ihn trägt. (21. April).

Das musikalische Programm vereint wie jedes Jahr zeitgenössische und alte Musik. Zemlinsky, Schönberg, Berg und Webern stehen auf dem Programm des Eröffnungskonzertes unter dem Titel „Heimatsuche – Emigration“ mit Het Collectief unter der Leitung von Reinbert de Leeuw (6. April). Das Ensemble Recherche aus Freiburg spielt aus verschiedenen Weltkulturen inspirierte neue Musik unter dem Titel „Fliegende Leere“ (9. April).gofigure2

„Am Fuße des großen Kreuzes“ heißt das Programm mit Lamentationen und Passionsmusiken aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit der Sopranistin Mariana Flores und dem Lautisten Hopkinson Smith (13. April). Mit „Lamentatio Jeremiæ Prophetæ“ erschließt das Ensemble Scherzi Musicali unter Nicolas Achtern am 17. April die weitgehend unbekannte, wunderbare Musikwelt des belgischen Komponisten Joseph-Hector Fiocco (1703-1741).

Traptown2Olivier Messiaens Musik ist in diesem Jahr prominent vertreten: „Vison de l’Amen“ wird von Igor Levit und Markus Hinterhäuser an den Klavieren interpretiert (18. April). Windkraft – Kapelle für Neue Musik unter Kasper de Roo spielen am 20. April unter dem Titel „Aus der Tiefe“ außerdem Werke von Scelsi, Ustvolskaya und Varèse. Als Vorbereitung dazu bietet die Serie OrgelSpiel von 16. März bis 13. April fünf 30-minütige Konzerte mit , in deren Mittelpunkt Messiaens Zyklus „Les Corps Glorieux“ sowie Werke von Johann Sebastian Bach stehen.Panorama

Im Innsbrucker Leokino sind die Filme „Das weiße Band“ von Michael Haneke, „Macondo“ von Subadeh Mortezai sowie „Il Vangelo Secondo Matteo“ von Pier Paolo Pasolini zu sehen. Roberta Dapunt und Irena Brežná beleuchten am 15. April das Thema Heimat noch einmal ausführlich: „Begegnung: Heimat als Utopie“ heißt das Gespräch der beiden.

27perspectives2Das Osterfestival stimmt sein Programm immer in Hinblick auf die christliche Tradition ab. Dazu gehört auch die Karfreitagsliturgie (19. April) sowie tags darauf die Trauermette in der Herz-Jesu-Basilika in Hall/Tirol, bei denen die Cantori Gregoriani Milano singen werden. Und im Vorfeld des Festivals läuft ab 6. März die Aktion „40 Orte“, an denen die PassantInnen jeden Tag eingeladen werden 20 bis 30 Minuten des Innhaltens zu praktizieren.

31. Osterfestival Tirol von 5. bis 21. April in Hall in Tirol und Innsbruck.