jameswilton

„Yes, art is an awarding thing“, lautet die Antwort von James Wilton auf die Frage, ob er jungen Menschen empfehlen würde, Tänzer/Choreograf zu werden. Derzeit erarbeitet er mit Mitgliedern der Tanzkompanie der Oper Graz eine Produktion, die am 22. März auf der Studiobühne ihre Uraufführung im Rahmen des Programms „DEAL.WEST.EAST.“ hat.

James Wilton wuchs in Cornwall auf, und diese großartigen acht Jahre in dieser Landschaft und mit diesen Menschen seien es auch, die prägend waren für all das, was ihn heute ausmacht. So will er, wenig überraschend also, in diesem südwestlichsten Teil Englands einmal für sich und seine Compagnie seine Basis, seinen Lebensmittelpunkt aufbauen. Zukunftsgedanken, die ihm, abgesehen noch vom Wunsch mit live Musikern auf der Bühne zu stehen, im Allgemeinen eher fremd sind: Er lebt fast ausschließlich im Jetzt, und diese Gegenwartsbezogenheit vertritt er auch mit größter Überzeugung. Wiewohl er, und das ist im Grunde auch zukunftsbezogen, gleichzeitig immer ein durchaus Ehrgeiziger war.

Zusätzlich dazu sei eine der wesentlichen mentalen Grundvoraussetzung für einen Tänzer Determiniertheit und ein sehr starker Wille, denn nicht nur die Ausbildung ist eine harte, sondern auch die Zeit, die danach kommt, wenn man einen fixen Job sucht. Seine persönliche, ergänzende Basisqualität sei außerdem immer auch die der Gelassenheit und Ruhe so wie seine Philosophie gewesen, jeder Erfahrung Positives abzutrotzen.

Der Grund dafür, ein Künstler zu sein, liegt für ihn darin, dass Kunst den Standort jedes einzelnen erweiternd verändere beziehungsweise in dem, was Jimmy Hendriks als „arts inspire things“ definiert hat. James Wilton ergänzt das mit seiner persönlichen Überzeugung, dass nämlich die Kunst effektiver als politisches Agieren Probleme an der Wurzel packe, weil sie sich in einer unmittelbar-menschlichen Weise artikuliere.

Sein ursprünglicher Anstoß mit Tanz zu beginnen – er war gerade 15 – lag im Sportlichen, in der dort gegebenen Herausforderung und im meditativ-philosophischen Aspekt des immer wieder „endlosen“ Wiederholens von Bewegungen. Andererseits waren ihm von Anfang an seine choreografischen Ideen ein großes Anliegen: Diese wollte er umsetzten, tanzen – auch wenn er andere Konzepte durchaus respektiert. Die Intention, originär künstlerisches Gedankengut tänzerisch zu realisiere, stand auch im Hintergrund dafür, dass er bereits kurz nach Beenden seiner Ausbildung an der London Contemporary Dance School in London 2009, eine eigene Kompagnie gründete. Seine erste Choreografie für sie, „The Shortest Day“, war nicht nur auf Tourneen in Großbritannien und darüberhinaus zu sehen, sondern gewann auch gleich den Sadler’s Wells „Global Dance Contest“. 2011 erhielt Wilton ein BBC Performing Arts Fellowship. (In Graz wurden bisher bei zwei Tanzgalas Arbeiten von ihm gezeigt: „The Shortest Day“ , und „Drift“.)

Beim Erarbeiten seiner Stücke geht James Wilton auf der Grundlage von Geschichten vor: damit das Wesentliche für den Tänzer direkter imaginierbar und authentisch umsetzbar wird. Für den Zuschauer will er nachvollziehbare Bilder entstehen lassen, die dieser dann zu seiner jeweils individuellen Geschichte montieren soll.

James Wilton ist begeisterter Lehrer, da es ihm ein (spürbares) Anliegen ist, sein Wissen und seine Erfahrungen mit ähnlich Denkenden zu teilen. Bei der Arbeit mit den Grazer KünstlerInnen des Opernhauses liegt ihm viel daran nachhaltig erleben zu lassen, was entspanntes Agieren bewirke und vor allem auch weiter zu geben, was es bedeute, „to concentrate on what it feels like“.

Was er dem Publikum in der am 22. März gezeigten Choreografie vermitteln möchte? Er hat die letzten fünf Jahre in London verbracht, viel erfahren und gelernt, mehr als genug an Lebenshärte beobachten können und müssen: Diese Eindrücke will er in einer sehr körperlichen Umsetzung, in viel Contact Arbeit und Aufzeigen von Zwischenmenschlichem auf die Bühne bringen; Ausgangspunkt ist der Gegensatz High Class – Low Class.

„DEAL.WEST.EAST.“ mit jeweils einer Choreografie von James Wilton und Dong Jie, einem weiteren jungen, erfolgreich die Karriereleiter emporsteigenden Tänzer-Choreografen, der – bei uns noch weitgehend unbekannt –, in seinem Heimatland China jedoch bereits große Beachtung erfährt, wird am 22. März 2012 auf der Studiobühne im Wilden Mann uraufgeführt.

Weitere Vorstellungen: 24. und 31. März, 24., 25., 26. und 27. April 2012. Präsentation der beiden Stücke in der Tanz Nite 7 „Vor der Premiere“ am 14. März 2012

www.oper-graz.at

http://www.jameswiltondance.org.uk