thesymptomsRéka Szabó ist zeitgenössische Tänzerin und Choreografin, Mathematikerin (Oberassistentin an der Technischen Universität in Budapest) sowie künstlerische Leiterin der Compagnie „The Symptoms“. Von der Faszination der Mathematik und des Tanzes beseelt, hat sie die beiden so gegensätzlich scheinenden Bereiche in einem Tanzstück vereinen.

2003 nahm die Idee zu „Chance – A Game of Dance for Science“ („Zufall – ein Spiel über Tanz für die Wissenschaft“) konkrete Formen an: Ödön Váncsó, bereitete den wissenschaftlichen Text als Basis für das Werk vor. Der renommierte Mathematik-Didaktiker an der Universität Budapest tritt selbst als die zentrale (nicht tanzende) Figur in diesem ungewöhnlichen Tanzstück auf. Er verkörpert sich selbst – also einen Wissenschafter, der in Hausschuhen und Weste gemütlich zu Hause einen Vortrag über Zufall und Wahrscheinlichkeit memoriert, während rund um ihn herum die TänzerInnen – vier Frauen und zwei Männer die geniale Verquickung von Tanz und Zufallsmoment in dynamisch-sportive Bewegung übersetzen. Nichts wird dem Zufall überlassen und doch ist alles Zufall.

Von der Presse damals sehr gelobt, wurde dieses Stück seit der Uraufführung immer wieder auf Gastspielen im In- und Ausland gezeigt, auch in Graz war eine Aufführung davon zu sehen. Die beiden Aufführungen am 11. und 12. Jänner im Budapester MU Theater (11./12.Jänner) waren restlos ausverkauft. Ödön Váncsó (alternierend mit László Mérö) und die TänzerInnen Emese Cuhorka, Ákos Dózsa, Lilla Em?di, Júlia Huzella, Zsófia Tamara Vadas, Csaba Varga gelang es dabei sehr überzeugend, diesen Zusammenhang zwischen trockener Wissenschaft und kinästheteischer Umsetzung spannend und mit einem Anflug Humor darzustellen.

Der wissenschaftliche Vortrag kreiste um lebensnahe Themen: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit beim Würfeln welche Augenzahl wie oft zu erringen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit zu erraten hinter welcher der drei Türen der Preis versteckt ist? Dieses Beispiel ist ein beliebtes Element in Fernsehshows, wenn Türen zu öffnen sind hinter denen sich der Preis verbirgt oder die ins Leere führen. Wie viele Kandidaten bleiben bei ihrer Wahl oder ändern nochmals ihre Entscheidung?

Das Publikum wird zum Nachdenken angeregt, soll herausfinden, was warum auf der Bühne passiert. Zum Beispiel, wenn die Tänzer vorher festgelegte Bewegungsabläufe auf die ZuschauerInnen in der ersten Reihe anwenden: je nachdem ob der Tänzer sich einen Mann/eine Frau aussucht, die Beine im Sitzen überkreuzt sind, etc. wird eine bestimmte Sequenz getanzt. Dabei ist es faszinierend mitanzusehen, wie die zunächst synchron agierenden TänzerInnen im Ablauf auseinander driften – je nach dem ausgewähltem „Objekt“ im Publikum. Diese Aktion-Reaktion auf das Publikum lässt jede Aufführung unterschiedlich ablaufen, macht sie auch für die beteiligten TänzerInnen jedes Mal zufällig und spannend. Der Vortrag (es gibt hilfreicherweise englische Übertitel) und der Tanz werden unmittelbar miteinander in Bezug gebracht, korrespondieren miteinander und erläutern sich gegenseitig. Mathematik und Tanz als jeweilige Ergänzung, Bestimmung, Dialog, untrennbare Einheit. Eine ungewöhnliche Sichtweise, die beim vorwiegend jugendlichen Publikum sehr positiv aufgenommen wird.

Im Anschluss an die Aufführung diskutieren die ZuschauerInnen mit der Choreografin und dem Wissenschafter über das gesehene Stück. Als Jugendprojekt gibt es Workshops für SchülerInnen und StudentInnen, bei denen in spielerischer Form zunächst Bewegung erfahren und die Intention des Werkes vorgestellt wird, damit man sich dann nach der besuchten Vorstellung darüber austauschen kann. Die Jugendlichen werden somit zur Kultur geführt (für manche ist das der erste Theaterbesuch), und so nebenher wird wohl auch ein wenig die Angst vor der abstrakten Mathematik genommen.

Von jeher interessierten Réka Szabó ungewöhnlich Sujets, brachte sie bevorzugt Tänzer und Schauspieler gemeinsam auf die Bühne, deren Persönlichkeiten und Kreativität immer Teil des künstlerischen Konzeptes war. Zur Zeit steht die neue Produktion von The Symptoms vor der Uraufführung. „Propaganda!“ ist eine Kreation und Co-Produktion mit dem niederländisch-österreichischem Künstlerduo “United Sorry” (Frans Poelstra & Robert Steijn). In diesem Werk wird die Frage nach Sprache und Aussage von Propaganda aufgeworfen, werden die Gefühle dazu in einer stetig sich verändernden Gesellschaft untersucht. „United Sorry“ und „The Symptoms“ entwickeln dabei neue Formen für Propaganda.

"Propaganda!" Premiere am 24. Februar 2011 im Trafó House of Contemporary Arts, Budapest, Folgevorstellungen am 25. und 26.Februar.