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Daniel IconUnendlich traurig, schockiert und betroffen haben wir soeben vom frühen Tod unseres Freundes, Mitstreiters und Komplizen, des Künstlers Daniel Aschwanden erfahren.  Er verstarb am frühen Abend des 8. Juli. Seine kurze und schwere Krankheit behandelte er diskret, was den überraschenden Verlust für viele umso unbegreiflicher macht. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Frau, seinem Sohn und seinen Angehörigen.

Wir können nichts anderes als versuchen, die Anliegen, für die er sich sein Leben lang leidenschaftlich künstlerisch und kulturpolitisch eingesetzt hat, weiter zu verfolgen. Wir werden versuchen, seinen Geist und seine Überzeugungen zu vertreten und sein Engagement für uns und unsere Sache nicht vergessen.

Wir sind ihm unendlich dankbar für seine Visionen, seine Kunst, seine Gedanken und sein Engagement in dieser Stadt.

Daniel war ein wichtiger Künstler der Wiener Szene und hat diese maßgeblich über Jahrzehnte geprägt, auf vielfältigen Ebenen.

Dieses (Um)Feld, in dem wir unsere Kunst umsetzen, ist prekär, fragil und manchmal gefährlich.

Wir müssen lernen uns zu unterstützen, solidarisch zu agieren und aufeinander aufzupassen.

Daniel Aschwanden war Performer, Choreograf und Urban Practitioner im Feld von zeitgenössischer Performance und Tanz. Häufig war er den Entwicklungen voraus, wie zum Beispiel mit seiner kollaborativen Performancepraxis mit Performer:innen mit besonderen Bedürfnissen oder in der Kunst als Form der aktiven Stadt(mit)entwicklung, wie unter anderem mit dem Zwischennutzungsprojekt Aspern Seestadt PUBLIK.

Daniel Aschwanden, geboren 1959 in der Schweiz, kam 1984 nach Wien um am Dramatischen Zentrum Experimentelles Theater zu studieren. Nach seinem Japan-Aufenthalt auf der Body Weather Farm des japanischen Tänzers Min Tanaka initiierte er das Forschungs- und Performance-Kollektiv Körperwetter Wien (1986–1990). 

!988 gründete Daniel Aschwanden die „Tanzsprache“ im WUK, das erste  Tanz/Performance Festival der freien Szene in Wien und leitete dieses bis 1994. Mit dem ersten österreichischen mixed-abled Tanzensemble „Bilderwerfer“ – einem kollaborativen Projekt von behinderten und nichtbehinderten Performer:innen – erarbeitete er sich eine Expertise an der Nahtstelle von Kunst und Sozialem und erhielt dafür den Staatspreis des Österreichischen Bundesministeriums für Kunst für innovative und richtungsweisende Leistungen. 

Nach der Zeit mit „Bilderwerfer“ arbeitete Daniel zu Fragestellungen von (darstellender) Kunst im öffentlichen Raum mit partizipatorischen Ansätzen, aber auch zu Fragen nach der Rolle von Kunst in urbanen Entwicklungsprozessen. Von März 2016 bis März 2017 performte er mit Goldberg 365 ein Jahr lang täglich im Wiener Stadtraum und in anderen Städten. Er tanzte dabei in 365 Performances zur Musik von Bach und protokollierte zugleich seine urbanen Beobachtungen. Anschließend begann er mit Dog_men zwischen Peking und Wien mit neuen urbanen Mythologien entlang des Jahrtausende alten P´an Hu Kultes von Minderheiten in China wie z.B. den Yao oder Miao Stämmen zu experimentieren.

Eingebunden in unzählige unterschiedliche Arbeitspartnerschaften, Plattformen und Kollektive realisierte er transdisziplinär angelegte Aktionsformen, hybride Ausstellungsformate und Projekte in China (Peking, Shanghai u.a.), Afrika (Accra, Addis Abeba) und in Europa, etwa in Schweden, Norwegen, Russland, Frankreich (Lyon), Spanien (Gijon) und Österreich als experimentelle Befragungen des kollektiven Gedächtnisses und Ausloten der Grenzen von Privatem und Öffentlichem.

Seit 2009 war Daniel Aschwanden als Dozent und Senior Artist an der Universität für angewandte Kunst Wien vielen Studierenden ein wichtiger künstlerischer Impulsgeber. Seit 2013 war er dort geladener Experte mit Schwerpunkt Performance im Bereich Social Design, wie auch Mitinitiator des neugegründeten Angewandte Performance Labs. 

Daniel Aschwanden war Jahrzehnte lang Mitgründer vieler kulturpolitischer Gremien und Initiativen und zeit seines Lebens aktiv und engagiert für die Kunst und für alle tätig. Ende der 90iger Jahre war er Mitglied der Choreograf:innen Plattform Wien, die sich für die Realisierung eines Tanzhauses (Tanzquartier Wien) und somit für die Anerkennung und Institutionalisierung von Tanz und Performance in Wien einsetzte, wie auch Mitinitiator und künstlerischer Leiter des Kabelwerks (heute Werk X), wie auch aktiv in der 2017 gegründeten Künstler:innen Plattform Wiener Perspektive, um hier nur einige Beispiele zu nennen. 2020 erhielt er das goldene Verdienstzeichen für Kunst und Kultur der Stadt Wien für seine künstlerische Lebensleistung. 

Zum Nachlesen: Daniel Aschwanden „anders denken“ auf IG Kultur (2019) 

Und seine Website: urban art | daniel aschwanden (art-urban.org)

Die Autorin Claudia Bosse ist künstlerische Leiterin von theatercombinat. 

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