stherbst amness fumiyoikedaAnders als bei den Wiener Festwochen achtet das Team des Festivals „steirischer herbst“ immer, auch Tanz und Performance in Programm zu integrieren. Schon am Eröffnungstag ist eine Uraufführung zu sehen: Anne Juren zeigt im Dom im Berg ihre neue Choreografie „Happy End“. Am Nachmittag hat Kris Verdoncks absurdes Sprach- und Maschinentheater rund um Texte Daniil Charms in der Helmut-List-Halle Premiere.

Die in Wien lebende französische Tänzerin und Choreografin Anne Juren lässt sich von einer Installation Martin Kippenbergers zu Franz Kafkas Amerika- Roman inspirieren. Kafkas Roman „Amerika“, die Geschichte eines jungen Mannes, der im Land der unendlichen Möglichkeiten umherirrt, ist unvollendet geblieben. Kippenberger (mit 44 Jahren 1997 in Wien gestorben) hat mit der letzten großen Installation, „The Happy End of Franz Kafka’s Amerika“, ein Ende für den Roman gefunden zu haben. Juren und vier weitere Tänzerinnen daran, Kafkas Text und Kippenbergers Ansammlung von Tischen und Stühlen in Bewegung umzusetzen und körperliche Präsenz zu verschaffen. Tanz, bildende Kunst und Literatur fließen ineinander. Objekte und Text werden lebendig.

Das niederländisch-österreichische Performance-Duo united sorry – Robert Steijn und Frans Poelstra – hat ein Ensemble junger internationaler Performer eingeladen, mit ihnen in den Wald zu gehen. „the forest project“ soll eine schamanische Reise zu den Geheimnissen des Waldes werden. Wer in den Wald geht, in dem lüsterne Faune hinter verzweifelten Nymphen her jagen und die Jäger auf der Suche nach dem Einhorn sind, sollte sich nicht begnügen, Frischluft zu tanken, sondern sich auch den inneren Dämonen stellen. united sorry und Freunde helfen dabei.

Seit 2007 entwickelt das italienische Künstlerkollektiv Dewey Dell seine Tanzarbeiten, die durch perfektes Zusammenspiel von Choreografie, Kostümen, Licht und Musik eindringliche, berückende Stimmungen und Räume zu erzeugen vermögen. Für „Marzo“ haben sie sich außerdem mit dem Theatermacher und Dramatiker Kuro Tanino sowie mit dem japanischen Zeichenkünstler Yuichi Yokoyama zusammengetan. Die in „Marzo“ gezeigte Szene in einem Krater, der von seltsamen Wesen bewohnt wird, ist nicht so fern wie es scheint.

Auch Ann Liv Young ist wieder in Graz und zeigt die Fortsetzung ihrer Dornröschen-Interpretation, „Sleeping Beauty“. Außerdem gibt sie in ihrem „Sherry Truck“ als Südstaaten-Schönheit Kosmetik Tips. Sherry, das alter Ego von Anne Liv Young, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt eine Spur gesünder zu machen. Schon 2011 hat Sherry beim steirischen herbst ordiniert. Inzwischen ist Sherry weltweit erfolgreich und kann mit dem eigenem Therapie-Truck anreisen und damit durch die Steiermark touren.

Viele Jahre hat Fumiyo Ikeda in Anne Teresa De Keersmaekers Compagnie „Rosas“ mitgetanzt. Mit der Tänzerin Un Yamada gestaltet sie beim steirischen herbst das Duett „amness“, das vom Saxophon-Quintett B!ndman [sax] aus Brüssel begleitet wird. Gefunden haben die beiden Tänzerinnen die Basis ihrer Performance in einem E-Mail-Austausch, bei dem sie einander täglich ein Wort gesandt haben. Jetzt haben sie ein Vokabular von mehr als 900 Wörtern, die den Ausgangspunkt ihrer Kollaboration auf der Bühne bilden.

Wen auch kein Tanz, so ist Massimo Furlans „Gym Club“ doch eine Performance des überaus präsenten Körpers. Der Italo-Schweizer will zeigen, dass das eigentliche Ziel des Bodybuilding ein ästhetisches ist. Bodybuilding ist für ihn nicht so sehr Kraftsport als vielmehr Körperarbeit, Körpertransformation. Nicht um die Demonstration physischer Stärke geht es in den Bewerben, vielmehr um Schönheit, um eine Choreografie bis zur Perfektion trainierter Muskeln und Körper. Furlan wandelt damit auf den Spuren Arnold Schwarzeneggers, dessen Karriere in einer Kraftkammer im Keller des Liebenauer Stadions in Graz begonnen hat.

Tanz und Performance beim steirischen herbst 20. September bis 31. Oktober 2013, Graz und Umgebung. Das genaue Programm und die Spielorte finden Sie auf www.sterischerherbst.at