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Welche Rolle auch immer Eno Peci auf der Bühne tanzt, er gibt ihr ein neues Profil. Nach dem stolzen Torero Espada in der Erfolgsserie von „Don Quixote“ in der Staatsoper und dem leicht verrückten doch hochverdächtigen TV-Choreografen in der Volksopernaufführung von „Le Concours“ ist er jetzt der Ehemann, der ein Auge auf die hübsche Ballerina geworfen hat. In der dreiteiligen „Hommage an Jerome Robbins“ tanzt und spielt Peci in „The Concert“ wieder mal einen pointierten Charakter.

Nur weil der Solotänzer des Wiener-Staatsballetts in den komischen Rollen besonders brilliert, will er nicht sagen, dass ihm diese lieber sind. „Ich versuche jeder Rolle eine Persönlichkeit zu geben. Vor allem beim klassischen Ballett, da ist die Technik doch keine Frage mehr, Schritte und Sprünge, 5. Position und Double Tour, das hat man doch alles im Körper. Und das ist ja festgeschrieben, immer gleich. Mir kommt es darauf an, diesen Rollen auch ein Prifil zu geben.“ So gelingt es Peci sogar den düsteren Tybalt in John Crankos „Romeo und Julia“ ein menschliches Antlitz zu verleihen und sein Lenski im Cranko-Ballett „Onegin“ lässt den Zornesausbruch aus Eifersucht ganz verständlich erscheinen. Wenn er den Hausfreund Ulrich in Roland Petits „Fledermaus“ tanzt, dann ist er ein echter Wiener Schlawiner, der mit operettenhafter Leichtigkeit nicht nur die Damenwelt um den Finger wickelt und sein Colonel in MacMillans „Mayerling“ ist kammerspielreif. Jetzt also „Der Ehemann“ in „The Concert“, einem überaus komischen Ballett zur Klaviermusik von Frédéric Chopin, vom amerikanischen Choreografen Jerome Robbins 1958 für das New York City Ballet ersonnen.

„Es gibt da keine eigentliche Handlung. Die Situation ist eben vor dem Konzert, wenn die Besucher langsam kommen und ihre Sessel suchen. Alles ist sehr komisch, die verschiedenen Typen von Besuchern werden da als Karikatur gezeichnet. Am Schluss tanzen lauter Schmetterlinge herum, der Pianist verlässt sein Klavier und versucht sie mit dem Netz einzufangen. Wirklich sehr komisch. Ich bin der Ehemann, der von seiner Frau (Franziska Wallner-Hollinek) in dieses Konzert gezerrt wird, es interessiert mich eigentlich gar nicht. Aber dann kommt die Ballerina (Irina Tsymbal) und die interessiert mich sehr.“ Peci mag es, wenn er in der Rollengestaltung genügend Spielraum hat, was natürlich bei den komischen Rollen eher der Fall ist. So durfte er in Maurice Béjarts Satire „Le Concours“ auch den Text selbst gestalten und sandte dabei stolz einen liebevollen Gruß an seine kleine Tochter Lea. „Monsieur d’At, der Probenleiter, der selbst bei Béjart getanzt hat, hat mir die die Rolle ungefähr geschildert und dann gemeint, ich darf machen was ich will.“ Eno Peci ließ seiner Spielfreude und seinem Witz freien Lauf.

Mit Jerome Robbins Choreografien kommt er, wie sicher viele KollegInnen aus der Compagnie, zum ersten Mal in Berührung. „Das ist schon etwas anderes, ich meine etwas schwungvoller, so wie am Broadway eben. Robbins hat viel für den Broadway choreografiert und inszeniert, jede Menge Musicals. Das spürt man.“ In der dritten Vorstellung der Serie, am 7. Mai, überkommt Eno Peci die Leidenschaft, er tanzt nicht nur die komische Rolle des Ehemanns sondern mit Nina Poláková den Pas de deux des feurigen Liebespaares im Sextett „In the Night“. Zu Nocturnes von Chopin lässt Robbins drei Paare auftreten, die drei Aggregatzustände der Liebe verkörpern. Zwischen Peci und Poláková schäumen die Emotionen über, fast möchte man sagen, „es fliegen die Fetzen“. „Aber am Ende ist alles in Ordnung, die Frau kniet vor ihm nieder.“ Ich bin empört. Peci lacht: „Das ist die Choreografie.“ Er ist in seinem Element, kann er doch mit der Sprache seines Körpers, mit Mimik und Gestik seiner Rolle, die im Programmheft „Tänzer 3“ genannt wird, Leben einhauchen.

Eno Peci, der seine Ausbildung an der Ballettakademie in Tirana (Albanien) und an der Ballettschule der Wiener Staatsoper erhalten hat und seit 2000 Mitglied der Compagnie und seit 2009 Solotänzer ist, erlebt nun bereits den dritten Ballettchef. „Ja, Renato Zanella, Gyula Harangozó und jetzt Manuel Legris. Der Renato hat mich ja geholt, der hat erkannt, was in mir steckt und versucht alles heraus zu holen. Bei ihm habe ich meine erste Hauptrolle, Spartacus in seiner Choreografie des gleichnamigen Balletts, getanzt. Das kann ich nicht vergessen. Im Sommer werde ich in einer neuen Choreografie von ihm in Griechenland tanzen, ‚Medea’, zur Musik von Mikis Theodorakis, eine Welturaufführung.“ Das „Das Festival der Ägäis“ findet alljährlich auf der Insel Syros statt; Zanella ist als künstlerischer Leiter für den Tanz zuständig. Das klingt nach Urlaub. Peci schüttelt energisch den Kopf:  „Meine Frau, Dagmar Kronberger, muss mit der Lea zu Hause bleiben. Die ist noch zu klein. Dort ist es zu heißt im Hochsommer und das Essen … Nein, vielleicht in einem anderen Jahr.“ Peci ist nicht nur ein liebender sondern auch ein fürsorglicher Papa.

Zurück zum Thema: „Der Gyula, der war gemütlich. Und jetzt Legris! Ich denke jeder Tänzer muss davon träumen mit Manuel Legris zu arbeiten. Er ist immer da und er lässt uns alle tanzen. Da gibt es keine Bevorzugung und wir spüren, dass er für uns das Beste will und an uns glaubt. Er ist das, was ich mir wünsche, ein heutiger, ein moderner Tänzer, selbst wenn er klassische Ballette tanzt. Wir sind alle Künstler, die etwas gestalten wollen und ich möchte auch die klassischen Rollen modern, also heutig zeigen. An den Schritten ist nichts zu ändern, an die Technik muss man auch nicht mehr denken, aber ich bin keine Tanzmaschine.“

Seine Vorstellungen verwirklichen kann Eno Peci noch vor den Ferien an der Staatsoper: „Am 24. Juni tanze ich mit Liudmila Konovalova den Albrecht in ‚Giselle’.“ Wieder eine Gelegenheit einen Charakter sehr differenziert, anders als gewohnt anzulegen. „Man muss ja nicht moderne Gewänder anziehen oder andere Schritte machen, man muss nur denken, wie sähe so eine Geschichte heute aus.“ Richtig: Standesunterschiede gibt es immer und Männer, die feige nicht zu ihrer Liebe stehen auch. „Ich will dem Publikum etwas geben, sei es als lustige Figur oder als Prinz, immer sollen die Leute spüren, dass da Menschen auf der Bühne gezeigt werden, die lebendig sind, mit denen sie etwas zu tun haben könnten. Die klassische Technik ist Basis, aber das genügt nicht, für eine Rolle braucht man Persönlichkeit. Ich kann zwar auch in den klassischen Rollen Persönlichkeit zeigen. Aber ich will mehr.“ Deshalb tut es ihm besonders leid, dass es nicht gelungen ist, Roland Petits Chef d’œuvre „Le jeune homme et la mort“ (zur Musik von J. S. Bach, nach dem Libretto von Jean Cocteau) nach Wien zu holen. „Das würde ich sehr gern tanzen.“ Ein dramatischer und inniger Pas de deux in zwei Akten. Der unglückliche Jüngling tanzt über den Dächern von Paris in den Armen des Todes, der in Frankreich weiblich ist. Wer würde das nicht gerne sehen!

Hommage a Jerome Robbins, Premiere 3.Mai 2001, Staatsoper.

Weitere Vorstellungen 5., 7., 14., 29. Mai, 1. Juni 2011