Hoelle iconSeit 2010 bietet die revitalisierte Version des jüdischen Kabaretts in der „Hölle“ im Souterrain des Theater an der Wien intelligent-witziges Entertainment. Für seine 10. Jubiläumsshow hat sich das Team um Georg Wacks auf die historische Recherche „Im Schatten der Venus“ begeben, und nimmt das Publikum auf eine (metaphysische) Zeitreise vom frühen 20. Jahrhundert ins aktuelle Österreich. 

Elena Schreiber, die zweiarmige Venus hinter einer Riesenmuschel, zählt ihre Liebhaber auf, die in enger Beziehung zu ihrem reichen Freund stehen (Georg Kreisler „Ich will nicht dein Geld“). Christoph Wagner-Trenkwitz personifiziert die Loreley auf wienerisch (zur Musik von Gershwin und mit einem Text-Medly von Heinrich Heine bis Georg Wacks). Martin Thoma ist zwar „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, aber nicht so, wie sich das Zarah Leander dereinst wohl vorgestellt hat (Text: Louis Taufstein). Stefan Fleischhacker macht als Egon Schiele verkrampfte Figur, ist aber auch für die fantastische Dekoration verantwortlich, zum Beispiel bei der Modenschau, in der die „Masken“ von Peter Altenberg auf den Catwalk geschickt werden. Teile des Jubiläumsprogramms, wie immer von der Armin Berg Gesellschaft produziert, verorten sich also in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Hoelle Superman

Doch dann geht es im „Großen Jubiläumsquiz“ (sprich: Kwitz) um aktuellere (Film-)Geschichte. Superman (Wagner-Trenkwitz) fliegt zur Rettung einer Jungfrau ein, die mittlerweile aber schon einem anderen Galan gefolgt ist. Irgendwie ein armer Teufel, denn er sei ja auch ein Ausländer von einem anderen Planeten – ein „Krypto-Tschusch“ sozusagen, und nicht mehr so schnell in seinem Alter. Und nun wird ihm vom „Ohrwaschel-Tarzan im Stimmbruch“ auch noch die Mindestsicherung gekürzt.  

Apropos Galaxien: NSA- oder BVT-Skandale sind unbedeutend gegen das Abhörmanöver, das in der Atacama-Wüste stattfindet, wo man nicht weniger als das gesamte Universum abhört: Georg Wacks leitet den sechs(!)stimmigen Publikumschor, der kunstvoll die Geräusche des Weltraums intoniert. Und Whistleblower Stefan Fleischhacker pfeift als Eleonore von Pfiff danach das Leben einer Chinesin.

Hoelle HippiesWeitere Höhepunkte an diesem vergnüglichen Abend: das Alt-Wiener Hetärenlied „Behüt Dich Gott, es wäre so schön gewesen“ oder „Das Paradies“, ein Text von Fritz Grünbaum. Und nicht zuletzt Georg Wacks, der in seine Conférence immer wieder diabolisch Seitenhiebe auf die aktuelle Politik platziert – fast beiläufig als Understatement, aber mit größter Süffisanz. Das wunderbare Ensemble „Albero Verde“ gibt auch diesmal die musikalische Stimmung vor und begleitet die liebenswürdigen Schauspieler / SängerInnen kongenial ins Finale dieser Jubiläumsshow, einem „Fest der Liebe“, mit dem sie sich in bester Hippie-Manier vom begeistert-animierten Publikum verabschieden.

„im Schatten der Venus“ in der Hölle im Theater an der Wien am 27. November 2018. Letzte Vorstellungen am 1., 3. und 4. Dezember