iptoccupypadminichetturIm Weltmuseum (ehemals Völkerkundemuseum) geraten die Objekte in Bewegung, die TänzerInnen werden zu Objekten, kommen in den Vitrinen zur Ruhe“. Plastisch und prägnant beschreibt der Direktor des Weltmuseums, Steven Engelsman, die Kooperation mit dem Festival ImPulsTanz. „Occupy the museum“ gibt 14 KünstlerInnen Gelegenheit sich mit dem Ort, der Funktion und den Inhalten des Weltmuseums auseinanderzusetzen.

An drei Nachmittagen werden TänzerInnen, MusikerInnen und bildende KüsntlerInnen zeigen, dass ein Museum kein toter Ort sein muss, in dem sich nichts bewegt. Den KünstlerInnen eröffnet Engelsman in Zusammenarbeit mit ImPulsTanz damit neue Räume und neue Überlegungen. „In Museen, werden Objekte ausgestellt, es ist eine Präsentation aber zugleich eine Repräsentation und Performance“, expliziert Ong Kung Sen, künstlerischer Direktor des TheatreWorks in Singapore und zugleich mit Michael Stollhofer Kurator des spannenden Projekts. „Auch Tanz ist Performance und Repräsentation“, sagt er und erwartet sich durch das Experiment eine neues Ziel kultureller Aktivitäten. Anlass für das Eindringen von Tanz und Performance ins Weltmuseum ist die sehenswerte Ausstellung Getanzte Schöpfung – Asien zwischen den Welten“ (Chefkuratorin Jani Kuhnt-Saptodewo) die noch bis 30. September im Weltmuseum zu sehen ist.

Tanzende Objekte. Die Repräsentationen der beteiligten KünstlerInnen (das Interesse an dem Projekt war größer als die Möglichkeiten erlaubt haben) sind überaus unterschiedlich und überraschend. So hat Amanda Piña, geboren in Chile mit mexikanischen Wurzeln, das Prunkstück des Weltmuseums, den Penacho (ehemals und fälschlich „Federkrone des Moctezuma“ genannt) als Faksimile hergestellt, um gemeinsam mit Daniel Zimmermann („nadaproductions“) und Rapa Nuis (Nachkommen der Urbevölkerung Polynesiens) eine Führung ins Depot des Museums aus der Sicht der Ureinwohner zu organisieren. Zugleich soll der Penacho zu Leben erweckt werden.

Magdalene Chowaniec kommt mit ihrer Punk Band „The Mob Fixing Freedom“ und wird mit den BesucherInnen live ein Musik Video schaffen. Inspiriert wurde sie durch ein Bild aus Kambodscha, das eine Gruppe von Frauen zeigt, die vor oder nach einem musikalischen Auftritt in einem Tempel zu sehen sind. „Die Frisuren der Frauen schienen mir total punkig. Diese einfache Entsprechung von Stil und Ästhetik, ließ mich über die Funktion meiner Musik in Zusammenhang mit dem Konzept eines ethnologischen Museums nachdenken.“

Nur zwei Beispiele der unterschiedlichen Zugänge, die nicht nur die Verbindungen zwischen starren Objekten aus einer fremden Welt ausloten, sondern auch die choreografischen Möglichkeiten zwischen den strengen Beschränkungen und der Bewegungsfreiheit in einem Museum. iptoccupyobjekt

Die Begegnung von Tanze und Performance mit dem Museum und seinem Inhalt kann vom Publikum an drei Tagen, drei Stunden lang, in einer Multiperformance beobachtet werden.

East-West Meetings. Als Bühne öffnet sich das neu gestaltete Weltmuseum auch  für ein „Meeting zwischen Ost und West“. Asiatische Künstlerinnen treffen in der prächtigen Säulenhalle des Weltmuseums auf westliche Tanzschaffende. In den drei unterschiedlichen Abendvorstellungen ist Bekanntes (Jérôme Bel: „Pichet Klunchun and myself“) und Neues (Clara Furey & Michikazu Matsune: „Night Will Come“ und Padmini Chettur : „Beautiful Thing 2“, gemeinsam mit David Hernandez: „Divertimenti“) zu sehen. An zwei Mal drei Abenden werden Brücken von Ost nach West geschlagen und sichtbar machen.

Weg mit dem Edlen Wilden. Noch einmal sei Ong Keng Sen zitiert, der über die Macht des Repräsentierens im Museum sinniert und das neue Verständnis der Museumskultur in drei Thesen festhält. „Museums are not about showing but they are about doing. Museums are not demonstrating but they are performing. Museums are not presenting but they are representing.“ Die in fernen Ländern gefundenen (oder auch geraubten) Objekte, überlegt Ong Keng Sen, seien ja nicht als Ausstellungsstücke für Museen hergestellt worden, sondern erst durch die neue Einordnung dazu geworden. Ihre ursprüngliche Bestimmung ist nicht mehr vorhanden. Und genau deshalb, weil viele Objekte im Weltmuseum einst einen völlig anderen Wert hatten, zum Gebrauch oder als Kultgegenstand, als Schmuck oder Abbild einer Gottheit hergestellt wurden, erlaubt Direktor Engelsman den KünstlerInnen, sich die Ausstellungsstücke zu eigen zu machen und an einem Museum der Zukunft mitzubauen. Über den „Edlen Wilden“ wird nicht mehr gestaunt werden.

„Occupy the museum“, 14 KünstlerInnen übernehmen das Weltmuseum, im Rahmen von ImPulsTanz , 3., 4., 6. August, Weltmuseum, Neue Burg.

East-West Meetings: Programm und Beginnzeiten auf ImPulsTanz.com