festivalklgfDer Fünfzehnjährige Valentin Pezzei - in der Szene als BboyMogli Valentin bekannt - zählt zu den großen Kärntner Breakdance-Nachwuchshoffnungen. Um sich weiterzuentwickeln braucht er aber eine Infrastruktur, Tanzschulen, Proberäume oder Veranstaltungen wie das internationale Hip Hop und Breakdance Festival Carinthian X Break 2012, das von 21. bis 22. September erstmals in Feldkirchen über die Bühne geht.

Was andernorts bereits gang und gäbe ist, schwappt damit endlich in den Süden. Salzburg gilt seit Jahren als internationaler Top-Treffpunkt mit Events wie Cercle Industry oder Doyobe. In Großbritannien wird Breakdance sogar staatlich gefördert, um adipöse Jugendliche oder Youngsters in sozial benachteiligten Regionen zu erreichen. Das coole Image des Breakdance dient als Icebreaker zwischen unterschiedlichen Kulturen und Generationen.

„Carinthian X Break 2012 soll die Jugendschiene des Kulturforum Amthof ausweiten,“ begründet der Präsident, Dr. Kurt Sick, die Geburt des Festivals. Selbst ein passionierter Tango Argentino-Tänzer bewunderte er zeitlebens das Geschick der Breaker, die auf Gehsteigen der Metropolen performten. Den Ausschlag zum eigenen Festival gab schließlich eine ARTE-Sendung über das renommierte Pariser Hip Hop-Event H2O. „Da wusste ich, was in Feldkirchen fehlt.“ Vor allem die Kombination aus Tanzwettbewerb und Tanz als Bühnenkunstform hatte es ihm angetan. So machte er sich auf die Suche nach Spezialisten mit dem nötigen Know-how.

In Valentin „Knuffelbunt“ Alfery fand er einen kongenialen Partner. Der ehemalige Jugendstaatsmeister in Judo verfiel 2004 als Zwanzigjähriger dem Urban Dance, zu dem auch Breakdance zählt. Seither trainiert er hart, gründete eine eigene Crew, tanzte auf allen angesagten Events, gewann viele Battles und vernetzte sich exzellent. „Mit Carinthia X Break 2012 kommt endlich Internationalität vor die Haustür und die lokalen Kids versumpern nicht länger im Trainingsraum“, freut sich der seit kurzem in Klagenfurt ansässige gebürtige Wiener, der zu Jahresbeginn mit seinem streetlifeMAD-Projekt in der Theaterhalle 11 beeindruckte. Er erstellte das Line-Up des Festivals und übernimmt darin die Rolle des Masters of Ceremony, der die Shows moderiert und dem Publikum ordentlich einheizt. „Ich weiß, welche Crews man einlädt, weil sie gerade alles gewinnen und durch ihren Tanz und ihre Persönlichkeit einen guten Vibe bringen und wen man besser außen vor lässt, weil sie jedes Hotel demolieren.“ Nach  Vorführungen auf Straßen und Plätzen in Feldkirchen treten am 22. September ab 19 Uhr acht international bekannte und acht lokale Crews in 2er-Battles im Amthof Feldkirchen gegeneinander an.

Der blutjunge Bboymogli Valentin ist mit von der Partie. Allerdings im Junior Battle am Abend davor. Es wird sein zweites Battle sein. Vor wenigen Wochen schied er im Salzburger Doyobe in den Anfangsrunden aus. Eine wichtige Erfahrung, die er nicht missen möchte. Als er vor zwei Jahren von Graz nach Klagenfurt übersiedelte, hatte er seine Tanzleidenschaft bereits im Gepäck. „Breaken ist mein Leben!“, sprudelt es aus Valentin heraus. „Ich trainiere überall: zuhause im Keller, an der Bushaltestelle, im Supermarkt, im Jugendzentrum. Mir ist längst egal, was die Leute denken. Ich muss üben. Ständig. Sonst läuft nichts.“

Seit dem Beginn von Breakdance vor 40 Jahren in der New Yorker Bronx sind Zähigkeit und Disziplin die Grundvoraussetzungen, um langfristig zu reüssieren. Zwei Quadratmeter Beton, ein Ghettoblaster und die Lust am Bewegen genügten den afroamerikanischen Jugendlichen, um sich mit haarsträubenden Power Moves, kreiselnden Drehungen am Kopf, Rückwärtssalti oder blitzartigen Roboterbewegungen ihre territoriale Anerkennung zu erkämpfen.

Und die Mädchen? Der Anteil der Mädchen in der burschendominierten Szene war lange gering, ihre Rolle auf die Geliebte beschränkt. Warum, darüber scheiden sich die Geister. Manche vermuten die starke, sportliche Komponente als Ursache, andere geben der selbst gewählten Geschlechtertrennung in der Frühpubertät, in der die meisten zu trainieren beginnen, die Schuld. Seit 10 Jahren ziehen immer mehr Mädchen ihr Ding durch und besiegen zunehmend männliche Kollegen, wie das virtuose, fünfundzwanzigjährige BGirl Sopie Lindner aus Salzburg, die in der Crew m.o.t. um einen Preis kämpfen wird.

„Der Anfang ist schwierig, aber getan“, atmet Kurt Sick tief durch. Man hat viel Herzblut und Freizeit investiert und hofft nun auf zahlreiches Publikum. Sollte die Carinthian X 2012 gut angenommen werden, so könnte sich daraus ein Fixstern am Kärntner Kulturhimmel entwickeln.

Carinthian X Break 2012, das von 21. bis 22. September im kultur-forum-amthof, Feldkirchen

Dieser Artikel ist ein Originaltext der Kleinen Zeitung vom 18. September 2012