stpierrePolitisches jenseits von Politik. Was kann Kunst zu gesellschaftlichen Entwicklungen beitragen? Für Walter Heun, den künstlerischen Leiter des Tanzquartier Wien, bewegt sich Kunst zwischen Forschung und Theorie - mit Potential zur Bewusstseinsbildung. Jenseits rein merkantilen Strebens kann sie Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Das Tanzquartier eröffnet am 29. September mit „It is not (a)fair“ des belgischen Regisseurs Cis Bierinckx. Eine internationale Künstlergruppe (Rabih Mroué, Toxic Dreams, Paul Wenninger und andere) macht das Tanzquartier zu einem öffentlichen Raum der Reflexion und des Austausches. Ebenfalls am Eröffnungstag wird Cie. Willi Dorner mit „fitting“ den Stadtraum zur Bühne machen.

Forced Entertainment wird Anfang Oktober mit „The Coming Storm“ – erstmalig auch mit Live Musik – eine überbordende epische Saga mit viel schwarzem Humor und in gewohnt anarchischem Performance-Stil erfinden. Laurent Chétouane (12. bis 13. Oktober 2012) wendet sich Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ zu und fragt dabei, wie man Fremden begegnen kann, ohne sie ihrer Andersartigkeit berauben zu wollen.

Die österreichische Performancegruppe The Loose Collective wendet sich mit ihrer Uraufführung am 19. Oktober dem Alten Testament zu – ein künstlerisches Projekt, bei dem sie auch an einer Erweiterung des zeitgenössischen Tanzes arbeitet. Am 31. Oktober  kommt das Ensemble für zeitgenössische Musik Phace mit einer Gruppe von renommierten Künstlern zusammen: dem mexikanischen Komponisten Arturo Fuentes, dem österreichischen Choreografen Chris Haring – und dem Vertreter des Wiener Aktionismus Günter Brus.

Dave St-Pierre wird 15. bis 17. November seine „New Creation 2012“ zeigen – den letzten Teil seiner Trilogie über menschliche Utopien. Das 'enfant terrible' der gegenwärtigen Tanzszene zeigt die Gesellschaft in ihrer Oberflächlichkeit und mit ihren Schwächen und reizt mit Blut, Schweiß und Nacktheit wie gewohnt Extreme aus.

Ein Highlight im Dezember (7. bis 8. Dezember) wird die österreichische Erstaufführung der Forsythe Companys „Sider“ sein. Ein Stück, das von der Theatertradition der Zeit Shakespeares inspiriert wurde. Und zu Beginn des neuen Jahres werden Superamas hinter der Illusion des Politischen die Komödie und das Drama finden und sich damit auch auffällig der politischen Realität unserer Tage annähern.

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