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overtigo_ginettelaurinDer Frühling naht und auf den Bühnen ist die saisonale Halbzeit erreicht. Im Tanzquartier wird kurz Zwischenbilanz gemacht und freudig nach vorn geblickt. Die kaufmännische Direktorin, Ulrike Haider-Lintschinger, ordnet zufrieden ihre Zahlenreihen und Statistiken. Auslastung: gestiegen; Veranstaltungen: vermehrt; Publikumszustrom: gewachsen. Auch das Resümee des Intendanten, Walter Heun, hat frohlockende Untertöne. So darf es weiter gehen.

Die rege Koproduktionstätigkeit (unter anderen MUMOK und Tate Modern London, brut und Dschungel Wien, Wien Modern, netzzeit out of control Festival 2011 und Wiener Festwochen) gibt dem Tanzquartier eine neue Dimension und schon ist auch das Programm für die dritte Woche der „Scores“ fertig. Auch wenn das Motto diesmal „uneasy going“ heißt, sollte es nicht schwer sein, den Weg auf dem künstlerisch-theoretischen Parcours zu finden. Was immer da in der Woche vom 5. bis 9. April diskutiert, performiert, dialogisiert und experimentiert wird – der Körper steht im Mittelpunkt. Der Körper der Tanzpraktikerinnen und Tanztheoretikerinnen inmitten des gesellschaftlichen Körpers. Am ersten März ist das Programm festgeschrieben und auf der Website des Tanzquartiers zu finden.

Eine Aufzählung der einzelnen Programmunkte bis Saisonende im Juni erübrigt sich, weil ein Besuch auf der Website ohnehin mit ausführlicher Auskunft belohnt wird. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Wiener Festwochen heuer nicht nur die Hallen des Tanzquartiers für ihre Zwecke nützen, sondern auch Tanz zulassen. Mehr noch – auch mitproduzieren. „Signed, Sealed, Delivered“ nennt sich die Serie von Choreografien und Performances, die das Tanzquartier in Koproduktion mit den Wiener Festwochen Anfang Juni zeigt. Erarbeitet wurden die Uraufführungen von fünf jungen KünstlerInnen und Künstlerkonstellationen aus Wien sowie der Tänzerin und Choreografin Rosalba Torres Guerrero von les ballets C. de la B. Die sechs Arbeiten sind an fünf Tagen in der Halle G und in den Studios des Tanzquartier Wien zu sehen.

Walter Heuns Versprechen, das Haus zu öffnen, den Zugang zu neuen Formen des Tanzes zu erleichtern, erfüllt er auch bei dieser Uraufführungsserie: An drei Tagen darf das Publikum nach der Vorstellung, Fragen stellen, Meinung sagen, Auskunft heischen. Auch die Einführungsgespräche vor vielen Vorstellungen, offene Proben, Filmvorführungen, Hausführungen und die Vermittlungsprogramme für spezielle Gruppen werden fortgesetzt. Das Vorhaben „ein offenes Haus“ anzubieten, in das die BesucherInnen gerne kommen, hat sich bewährt. An der Zunahme der Trainings- und Workshopstunden ist auch erkennbar, dass die Öffnung nicht nur nach außen sondern auch nach innen funktioniert. Und so entwickelt sich dann in freundlicher Atmosphäre aus einem Stückwerk ein Werkstück. Diese Werkstücke werden Mitte Juni in den Tanzquartier Studios präsentiert. An zwei intensiven Auswahltagen im vergangenen Herbst, haben die jungen Künstler/innen die eingereichten Projekte persönlich präsentiert; fünf davon sind zur Veröffentlichung ausgewählt worden. Die Kurzstücke bewegen sich in einem weiten Feld, reichen von Performance über Lecture bis Installation. Zur Reife werden sie in Zusammenarbeit mit Philippe Riera, Mitglied des Kollektivs Superamas, gebracht.

Aus dem üppigen Performance-Programm in der Halle G und den Tanzquartier Studios sei nur das unmittelbar Bevorstehende genannt: Aus Kanada reist die Kompanie O Vertigo an und zeigt in der Choreografie von Ginette Laurin „Onde de choc“ . Zur Musik von Michael Nyman und elektroakkustischen Kompositionen von Martin Messier will Laurin in der „Schockwelle“ erforschen, wie die elementaren Funktionen des Körpers (der Herzschlag, das Fließen des Blutes oder des Atems) mit den Emotionen in Verbindung stehen und wie man diese sicht- und hörbar machen kann. Acht TänzerInnen werden Vibrationen und Schwingungen, Pulsieren und Rhythmus auf Herz und Nieren untersuchen, die unsere Gefühle von beklemmender Angst bis zu wilder Fröhlichkeit begleiten oder hervorrufen. O Vertigo wird mit „onde de choc“ am 4. und 5 März im Tanzquartier faszinieren.