quasardance1Mit dem Festival-Schwerpunkt „Nordeuropa“ setzen die Tanztage Linz 2011 auch heuer wieder auf hochkarätigen Tanz. Von 30. März bis 27. April sind drei renommierte Compagnien aus dem Hohen Norden, sowie je eine aus Brasilien und England zu sehen. Im Tanztage-Labor erobern drei oberösterreichische Nachwuchsformationen die Bühne.

Die Quasar Dance Company aus der zentralbrasilianischen Stadt Goiania eröffnet das Festival am 30. März mit der Choreografie „Céu na Boca“ ihres künstlerischen Leiters Henrique Rodovalho. In der Verbindung von Martial Arts Bewegungen (vor allem aus dem Capoeira), Contact Improvisation und populärer, brasilianischer Musik kreiert der Choreograf eine hochartifizielle, anspruchsvolle Tanzsprache.

Qualität ist bei den Tanztagen aber ohnehin immer gegeben. Der künstlerische Leiter Wilfried Steiner mit dem ausgezeichneten Tanz-Gespür sorgt auch heuer wieder dafür, dass das Linzer Publikum dem zeitgenössischen Tanz in seiner besten Form begegnet. Daher zählen auch die drei Compagnien aus Finnland, Norwegen und Island zu den „Best of ...“ des Genres.

Die Helsinki Dance Company unter der Leitung von Kenneth Kvarnström zeigen mit „XPSD. Divided and eXPoSeD“ eine Bühnenproduktion, in der das Zusammenwirken von Choreografie, Licht, Musik und Kostümen eine Geschichte über die Dualität der Zeit erzählt (6. April). Ein Tanz von extremer Intensität, der das Publikum und Tänzer gleichermaßen atemlos macht. Denn laut Auffassung des Choreografen tritt die wahre Persönlichkeit erst hervor, wenn die körperlichen Grenzen erreicht sind.

Das Programm der norwegischen Carte Blanche Company aus Bergen besteht aus zwei Stücken der israelischen Choreografin Sharon Eyal: „Love“ und „Killer Pig“ für die Frauen der Company (14. April). Eyals Tanzsprache ist energiegeladen, hat erotische, androgyne und manchmal groteske, emotionale Untertöne.

Am 15. April bringt die Iceland Dance Company mit „stop station grey" von Alexander Ekman und "Großstadtsafari" von Jo Strömgren zwei attraktive Stücke nach Linz. Mit seinem speziellen choreografischen Stil und absurden Humor begeisterte Jo Stromgren das Publikum, vor einigen Jahren etwa mit seiner „Nussknacker“-Version in der Wiener Volksoper. Der 26-jährige Alexander Ekman gilt als der neue Shooting Star der internationalen Tanzszene. In seinen Arbeiten lotet er witzig und intelligent die Grenzen von Kunst und Entertainment aus.

Die 1988 gegründete Shobana Jeyasingh Comapny hat sich der kulturellen Integration im Tanz verschrieben. Die Gründerin und Choreografin mit indischen Wurzeln und in indischem Tanz sowie Contemporary Dance ausgebildet, hat als erste erfolgreich kulturell unterschiedliche Tanzstile gemischt und auf die Bühne gebracht. In ihren neuen Arbeiten thematisiert sie den Rassenkonflikt. „Bruise Blood“ basiert auf den Rassenunruhen in Haarlem, N.Y. in den 1960er Jahren zur Musik von Steve Reich und des Beatboxers Shlomo. „Faultline“, ebenfalls zur  Musik von Steve Reich, geht der gespannten Atmosphäre nach dem Terroranschlag in London, 7/07, nach. Bei der choreografischen Umsetzung dieser Ausgangsthemen folgt Jayasingh ausschließlich der Bewegungslogik – die Geschichte ist in den dynamischen Tanzstücken daher nicht mehr zwingend erkennbar. Zu sehen sind beide Stücke am 21. April.

Die Arbeiten der jungen österreichischen Choreografenteams, die sich im Tanztage-Labor erproben können kreisen hingegen um konventionellere Themen. Natascha Wöss und Monika Huemer untersuchen in „Anonym“ das Frauenbild, das „in unserer Gesellschaft auf ein Lustobjekt reduziert wird“ (17. März). Beni Altmüller und Yeri Anarika Vargas Sánchaz bewegen sich in ihrer Tanzmalerei ins „Unbestimmte“ (23. März). Ilona Roth und Tanja Brandmayr und ihr neu gegründetes Kollektiv Cie. Schauacker Feat. The Goas und bringen "The Water Pain" (27. April) zur Uraufführung.

Das "Exrtra" dieser Tanztage ist die Buchpräsentation "Hanna Berger. Spuren einer Tänzerin im Widerstand" von Andrea Amort.

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