tanzwutUnter der Leitung der Tänzerin, Schauspielerin und Choreografin Cornelia Böhnisch erforschen das Toihaus Theater Ensemble sowie externe Gäste das Phänomen des Tanzes in einem einjährigen Projekt. Die Frage „Warum tanzt der Mensch?“ wird künstlerisch, philosophisch, historisch, medizinisch und politisch in acht Etappen verhandelt, wobei die mittelalterlichen Tanzwut-Epidemien der Ausgangspunkt der Recherche sind. Ende Mai findet ein Symposium unter Mitwirkung namhafter ExpertInnen statt.

Das spannende „Tanzwut“-Projekt versucht dem unerklärlichen Phänomen des mittelalterlichen Veitstanzes auf die Spur zu kommen. Untersuchungsgegenstand ist nicht der Bühnen- sondern der real erfahrbare Tanz und das Risiko, das der unkontrollierte Tanz für den Körper bedeutet - bekanntlich forderte die Choreomania auch Todesopfer. Die als „Äcker der Unschuld“ titulierten acht Module umfassen Installationen und Performances, wissenschaftliche und künstlerische Zugänge zu Fragen wie: „Ist Tanz göttlich oder teuflisch? gut oder böse? krank oder heilend? schmerzend oder heilend? schwarz oder weiß?“

Die Bewegungen der als „erblicher Veitstanz“ bezeichneten Nervenkrankheit Chorea Huntington stehen im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung. Eine erste Performance gab es bereits im März dieses Jahres. Im Oktober 2015 kommt das Kernstück des Projekts, die Tanzwut-Abschlussproduktion „Ecclesia Saltans“ mit Musik, Tanz, Video und Projektionen, die mit dem Themenkomplex „Katharsis, Reinigung und Therapie spielen“ (Böhnisch), zur Uraufführung. Erste Eindrücke darüber kann man bereits anhand von Ausschnitten am 28. Mai im Rahmen des Tanzwut-Symposiums gewinnen. Dieses ist der Abschluss einer Zusammenarbeit vom Toihaus Theater Salzburg mit dem Kooperationsschwerpunkt „Wissenschaft und Kunst“ der Universität Salzburg/Mozarteum. Die Lehrveranstaltung unter der Leitung von Sandra Chatterjee (Wissenschaft und Kunst) und Cornelia Böhnisch behandelt die Themenstellung des Projektes aus tanzwissenschaftlicher und künstlerischer Perspektive. Lehrmethoden sind Diskussionen, Lectures, Workshops, die Projektentwicklung und das Symposium. Außer den Lehrenden und StudentInnen werden an dieser zweitägigen Veranstaltung unter Anderen die Tanzanthropologin Andrée Grau von Roehampton Dance London, die Tanzwissenschaftlerin Claudia Jeschke von der Universität Salzurg, die Publizistin Josephine Fenger, oder die Tanz die Toleranz-Leiterin Monica Delgadillo Aguilar teilnehmen.

Tanzwut Unschuld 6: Das Symposium „Begegnung von Kunst uns Wissenschaft in der Tanzwut“ am 28. und 29. Mai 2015 im Toihaus Theater