mag elgranerNoch probt der junge Choreografie-Star Jefta van Dinther im Graner, der Scheune, in Barcelona. Die Uraufführung des erarbeiteten Stückes „As It Empties Out“ wird im Tanzquartier in Wien stattfinden. Ein Beispiel für das Projekt “Modul-dance“ im Europäischen Tanzhaus-Netzwerk. 20 Tanzhäuser sind im EDN vereint und erleichtern Tanzschaffenden das Entwickeln von Projekten, geben Proben-, Aufführungsmöglichkeiten, laden zu Residenzen ein und unterstützen die Forschungsarbeit.

Innerhalb weniger Jahre hat sich der in Berlin und Stockholm lebende Tänzer und Choreograf Jefta van Dinther in Europa einen Namen gemacht. Nach dem Erfolg von „Plateau Effect“ im Vorjahr, kommt van Dinther mit acht Tänzern nach Wien, um die Uraufführung des neuen Stückes „As Is Empties Out“ zu feiern. Erarbeitet hat er die Choreografie zum Großteil in Barcelona, wo die Probenmöglichkeiten im „Graner“ exzellent sind. Was zahlreiche andere Tanzschaffende bestätigen. Hofes Shechter etwa, Akram Khan oder der Flamencotänzer und Choreograf Israel Galvàn. Sie alle arbeiten gern im Graner, weil die Arbeitsbedingungen “super” sind. mag graner1

Das Dorado für Tanzschaffende ist in der umgebauten ehemaligen Philips-Glühbirnenfabrik untergebracht. Nicht nur vier Probenräume, die auch technisch alle Stücke spielen, stehen zur Verfügung sondern auch Arbeits- und Aufenthaltsräume, eine kleine Küche und sogar Schlafzimmer für zur Arbeit angereiste Gäste. Die Nutzung des “Produktions-Zentrum für Körper und Bewegung” ist vielfältig, neben der individuellen Arbeit an neuen Projekten, werden Kurse veranstaltet, Künstler-Residenzen angeboten und Forschungsarbeit geleistet. Lokale Aktivitäten stellen den Kontakt mit den Bewohnern des Viertels her. El Graner ist ein Luxusspeicher mit gläsernen Wänden, einer freundlichen Empfangshalle, Terrassen mit Blick auf einen Park, der an das ebenerdig gelegene öffentliche Café anschließt. Verwaltet wird der bei katalanischen und internationalen Tanzschaffenden beliebte Graner vom Tanzhaus „Mercat de les Flors“, wo sie auch Auftrittsmöglichkeiten finden. Beide Häuser sind Mitglied im europäischen Tanzhäuser-Netz, dem auch das Tanzquartier in Wien angehört. Die Bedingungen für TänzerInnen, ChoregrafInnen, Lernende und Forschende sind in Barcelona allerdings etwas großzügiger als in Wien. Nicht nur wegen der Arbeits- und Auftrittsmöglichkeiten sondern auch wegen der Beteiligung der katalanischen Hauptstadt, der Körpersprache und Ausdruck ein Anliegen ist, das nicht nur in Sonntagsreden vorkommt sondern auch tatkräftig unterstützt wird.
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Das Tanzhaus, ein Theater, das allein Tanz und Performance gewidmet ist, hat eine lange Geschichte. Allein das Gebäude ist, auch wenn Tanzgrößen wie Wim Vandekeybus / Ultima Vez oder Akram Khan gerade nicht auftreten, sehenswert. Erbaut auf dem Montjuïc als Landwirtschafts-Pavillon für die Weltausstellung 1929, hat das prächtige Jugendstilgebäude mehrere Verwendungen erdulden müssen. Blumenmarkt, Magazin und Waffenlager bis zum Verfall. Dann kam Regisseur Peter Brook und suchte ein ganz anderes Theater für seine „Carmen“-Produktion, fand das leerstehende Gebäude mit der großen Kuppel über der Eingangshalle, den ehemaligen „Mercat de les Flors“ und erweckte es zum Leben. Das war 1983 und die Stadtverwaltung reagierte schnell, renovierte und revitalisierte das Haus, erhob es 1985 zum städtischen Theater. Für die Premiere war Initiator Brook mit “Mahabarata” geladen. Brook blieb nicht der einzige Gast, von Luca Ronconi über Patrice Chéreau bis Peter Stein, von La La La Human Steps bis Rosas, wurde den Katalanen alles geboten, was auf den Brettern Rang und Namen hat. Bald war der Mercat zu klein, also wurde er 1990 noch mal umgebaut und erweitert und allein „Tanz und Bewegung“ gewidmet. Von den vier Aufführungssälen ist einer, die „Sala Pina Bausch“, der verstorbenen Choreografin gewidmet. Der „Mercat“, wie das Tanzhaus genannt wird, steht, umgeben von unterschiedlichen Theaterhäuser inmitten des der lebendigen „Ciutat del Teatre“. In das offene Areal des Mercat ist auch das theaterwissenschaftliche Institut und auch die Tanzausbildung aller Sparen (von klassischem Ballett bis zum Flamenco) eingebunden, sodass die gesamte Tanzwelt an einem Ort konzentriert ist und nicht nur des abends reges Kommen und Gehen herrscht.

Zum Vergleich: Das sogenannte Tanzquartier in Wien, eröffnet 2001, steht nicht in einem Theaterzentrum sondern inmitten von Museen, Probenräume mit ausreichendem technischen Equipement gibt es keine, nicht mal einen eigenen großen Aufführungsraum, die Hallen G oder E müssen angemietet werden; von Betten und anderen Annehmlichkeiten für „residierende“ KünstlerInnen ganz zu schweigen. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten  genießt auch das Tanzquartier hohes Ansehen bei Tänzerinnen und Choreografen und im europäischen Netzwerk der Tanzhäuser.

Mercat des Flors – Dansa i Moviment,
El Graner – Centre dl Creatió del Cos i del Movimento 
EDN – Europäisches Tanzhaus Netzwerk.
Modul-dance, mehrjähriges Kooperationsprojekt mit 20 europäischen Tanzhäusern. http://www.modul-dance.eu/project/
Jefta van Dinther: „As Ist Empties Out“, 17., 18. Oktober 2014, Tanzquartier.