danskias 3Dans.Kias kann das Klettern nicht lassen. Nachdem Saskia Hölbling 2014 die in Zusammenarbeit mit Laurent Goldring realisierte Trilogie „Squatting Projects“ abgeschlossen hat, lässt sie nun die Tänzer sich auf einer Konstruktion mit flexiblen Bändern durchhangeln und hochhanteln. Auch in „Corps suspendus“ geht die dramaturgische Intention des Untertitels „Ausgeliefert in der Weltmaschine“ in den akrobatischen Kletterübungen unter.

Das Geflecht aus Seilen spannt sich zwischen sechs Säulen im Semperdepot (Bühne und Kostüme: Gudrun Lenk-Wane). Die vier schwarz gekleideten Tänzer hängen in dieser Bänderkonstruktion wie Faultiere in den Ästen und lassen die Schwerkraft ihre Wirkung tun. Nachdem Einer nach dem Anderen in Zeitlupe auf dem Boden gelandet ist, wird das Objekt zum Hindernis, das es zu überwinden gilt. Behände, ja elegant bewegen sich Anna Hein, Ardan Hussain, Jan Jakubal und Leonie Wahl in luftige Höhen, gehen auf den gummiartigen Verbindungen spazieren, stürzen ab, werden geborgen, rangeln miteinander. Die Choreografin spricht vom Ausgeliefertsein einer kleinen „Weltmaschine“, der suggestive Sound von Wolfgang Mitterer lässt auf eine inhaltliche Ebene schließen. Diese ist aber von der Kletterakrobatik überlagert und nur durch die Mimik der Tänzer erkennbar. Da wird es schnell pathetisch, wenn die Tänzer durch Blicke miteinander etwas kommunizieren und gleichzeitig die ganze Aufmerksamkeit dazu brauchen, um sich in diesem Konstrukt zu behaupten und nicht abzustürzen. Futuristische Härte stellt sich dabei auch nicht ein.danskias 2

Das Geflecht im historische Ambiente, die darin agierenden schwarzen Gestalten, die gute Lichtregie von Gerald Pappenberger, das ist alles hochästhetisch und sorgfältig kalkuliert. Doch abendfüllend ist die Kletterei nicht, sie bleibt ein Kampf mit dem Objekt. Choreografisch war jedenfalls ein Solo von Anna Hein auf dem Boden, bei dem sie die Konstruktion einfach ignorierte, weitaus interessanter. In dieser kurzen Sequenz auf sicherem Grund phrasierte sie ihre Bewegung als einen Konflikt zwischen Anziehung und Verweigerung. Doch diese Geschichte wurde nicht weiter erzählt …

Dans.Kias „Corps Suspendus. Ausgeliefert in der Weltmaschine“, eine ImPulsTanz Special Produktion. Premiere am 3. März im Atelierhaus der Akademie der bildenen Künste Wien, Austellungsraum. Gesehene Vorstellung am 6. März. Letzte Aufführung am 8. März 2017.