BLUEMOON01Nach dem großartigen Outdoor Workshop-Programm „Public Moves“ im Sommer, nimmt Impulstanz im Oktober den Performanceteil des Festivals auf. Als einer der erfolgreichsten Choreografen des Landes kann Chris Haring nun auf 15 Jahre kontinuierlicher und konsequenter Arbeit mit seiner Compagnie Liquid Loft verweisen und feiert dies mit einer neuen Produktion. Der Qualität unserer Zeit entsprechend wird dabei keine ausgelassene Geburtstagsfete geschmissen, sondern die Isolation zelebriert.

„Blue Moon you saw …“ ist eine weitere Folge der Serie „stand-alones“. Das kreative Team besteht neben Haring aus den Liquid Loft-Gründungsmitgliedern, dem Musiker Andreas Berger, dem Dramaturgen Thomas Jelinek, der auch für Bühnenbild und Lichtdesign verantwortlich zeichnet und der Tänzerin Stephanie Cumming, aus den langjährigen Liquid-Loft PerformerInnen Anna Maria Novak, Katharina Meves, Luke Baio und Arttu Palmio sowie den seit 2017 dazu gestoßenen Dong Uk Kim, Hannah Timbrell und Juan Dante Murillo. Sie sind ein eingespieltes Team, das die subtilen Cues reibungslos aufnehmen und so den dramturgischen Ablauf weiterspinnen. Im Unterschied zu „Stand-Alones (Polyphony)“, das letztes Jahr für das Ludwig-Museum entstanden ist und in dem jeder Darsteller einen eigenen Raum bespielte (tanz.at berichtete), sind sie nun zwar wieder gemeinsam auf der Bühne, allerdings verfolgt auch hier jeder von ihnen seine eigene Geschichte. Nur selten finden sie zu einem Duo oder gar zu einer Gruppe zusammen. Die Playback-Methode, die die PerformerInnen über einzelne Lautsprecher selbst steuern, stand auch hier im Mittelpunkt des Geschehens. Dennoch sind sie nicht selbstbestimmt, sondern wirken wie ferngesteuerte hybride Maschinenwesen.BLUEMOON03

BLUEMOON02Als Referenzen nennt Haring Alain Resnais‘ Film „Letztes Jahr in Marienbad“ und die Nouvelle Vague, deren, kühle, erstarrte Ästhetik das Bühnengeschehen prägen. Von den Einzelaktionen bleibt nach 65 Minuten allerdings wenig in Erinnerung. Das Konzept, das Haring bereits vor Corona entworfen hatte, ist zur Prophezeiung geworden, denn die Distanz, die unsere Zeit gerade prägt, wird in diesem Stück schmerzhaft deutlich. Die spannende Sinnlichkeit früherer Liquid Loft-Produktionen weicht einer Kälte der Vereinsamung. Lediglich die Einspielungen des Titel-gebenden Songs „Blue Moon“ aus dem Jahr 1934 sowie des Country-Liedes "I'm so Lonesome I Could Cry" von 1949 wecken so etwas wie nostalgische Gefühle und stören die posthumanistische Dystopie.

Zum Jubiläum von 15 Jahre Liquid Loft wird im Anschluss an die Aufführungen von „Blue Moon you saw …“ das mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig preisgekrönte „Posing Project B – The Art of Seduction“ aufgenommen.BLUEMOON05

Liquid Loft / Chris Haring: „Blue Moon you saw …“ am 7. Oktober 2020 im Odeon. Letzte Vorstellung am 10. Oktober, davor „Shiny Shiny“ (Buch- und Plattenpräsentation sowie Konzert). Wiederaufnahme von „Posing Project B – The Art of Seduction“: 13. bis 17. Oktober. www.impulstanz.com