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Waechter1Alexander Waechter ist, was man altmodischerweise wohl einen Vollblutschauspieler nennt, einer, der sich sogar ein eigenes Theater schafft, um sich in Solo-Stücken mit großen Texten der (zumeist österreichischen) Literatur auseinanderzusetzen. Nun hat er sich mit Elfriede Jelineks „Der Wanderer“ ein Stück gewählt, das aufgrund seines unfassbaren Textes eine besondere Herausforderung darstellt - auch für das Publikum.

Während Jelineks Mutter durch „Die Klavierspielerin“ allgemeine Bekanntheit erreichte, ist über ihren Vater wenig bekannt. Und doch spielt er, der in mehreren Stücken einen Monolog spricht, vielleicht in ihrem Werk die wichtigere Rolle,. In „Der Wanderer“ versucht die Autorin in die Welt des Demenzkranken Friedrich Jelinek einzudringen. Das Ergebnis ist ein Text, der von Gedanke zu Gedanke springt. In einer Endlosschleife ist immer wieder von einem halbfertigen Haus die Rede, von einer Wohnung, die er verlassen musste, vom wandern, von Semperit … Dann wieder luzide Momente, in der er sich des Gefangen-Seins in einer Anstalt bewusst wird und versucht die Türe zu öffnen. „Wo ist denn der Schlüssel zu mir?“, heißt es an einer Stelle – ein Schlüsselmoment in dem wirren Selbstgespräch.waechter2

Es ist ein anstrengender Theaterabend, denn eine Geschichte, ja nicht einmal eine Assoziationskette entsteht aus diesen Satzfetzen in keinem Moment. Etwa 80 Minuten lang beobachtet man, wie Alexander Waechter sich bemüht, in dieses Wortchaos die passenden Akzente zu setzen. Er knurrt, er knarrt, er piepst wie ein Supermarkt-Scanner, versucht über Tisch und Stühle den imaginären Kolbeterberg zu ersteigen. Und er singt – als wollte er die Erinnerung durch Töne einzuholen. Er verzweifelt, wird zornig, versucht seine Würde zu verteidigen – selbst in dem kleinen Krankenhauszimmer, in dem er seine Notdurft in einem Eimer verrichten muss.

waechter4Die Ehegattin, „meine Frau Loni“, kommt dabei öfter vor als die Tochter. Diese ist als kleines Mädchen an der Hand seines Vaters im Bühnenbild präsent – inmitten von Textfragmenten. Wenn er am Ende auf dem Boden liegt, mit dem Rücken zum Publikum und mit dem Gesicht zur Zeichnung , scheint er Elfriede doch noch direkt anzusprechen: „Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut“, singt er.

Alexander Waechter: „Der Wanderer“ von Elfriede Jelinek am 15. Oktober 2019 im Theater Franzjosefskai21. Weitere Vorstellungen noch bis 30. Oktober

 

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