Giselle Akt2 IntroAufführungen mit Gästen sind spannend. Nicht etwa, weil sie besser wären. Die Wiener TänzerInnen erwiesen sich auch in der  letzte Aufführung der „Giselle“-Serie dieser Saison als durchaus ebenbürtig zu den SolistInnen des  Bolschoi-Balletts Olga Smirnova und Semyon Chudin. Vielmehr boten die beiden eine leicht veränderte Lesart, denn jede Kultur bringt unterschiedliche Nuancen in ihre Erzählung der alt bekannten Geschichten. Bei der bevorstehenden Nurejew-Gala sind sie dann in Werken des 20. und 21. Jahrhunderts zu sehen.

Crowd EstelleHananiaAuf bewegtes Polit-Film-Theater, „The Walking Forest“ von Christiane Jatahy, trifft Gisele Vienne`s nur an der Oberfläche spiegelnde Jugendkulturstudie „Crowd“. Weitgehend unpolitisch verharrt diese bei tanzenden, entrückten Körpern, deren Aggression schon in zerplatzenden Chips-Päckchen verpufft. Soghaft meditativ hingegen steuert Susanne Kennedy ihre Reise durch eine – etwa mit Episoden aus dem Tibetanischen Totenbuch bestückte – Bühnenfassung von Jeffrey Eugenides „The Virgin Suicides/Die Selbstmord-Schwestern“. Dieses Kontrastprogramm war am vergangenen Wochenende im Rahmen der Wiener Festwochen zu bestaunen.

RaymondaBallettklassik auf Hochglanz. Die Story ist simpel: Mitten hinein in die Feierlichkeiten zu Raymondas Namenstag platzt der feurige Sarazenenfürst Abderakhman. Mit der sinnlich-erotischen Urgewalt des Exotisch-Fremden begehrt er die junge Gräfin von Doris zur Frau. Am Ende bezahlt er sein forsches Begehren in einem Schwertduell – der einzigen impulsiven Action-Passage der Choreografie – mit dem Leben.

DieOrestiArminSmailovicFestwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin rückt mit seinem Programm verstärkt (Club)-Musik, Visual Arts und Performance in den Fokus. Aber auch drei Tanzproduktionen werden zu sehen sein – zwei von Boris Charmatz und eine von Gisele Vienne. Die langjährige Ausrichtung des Programms, auf international akklamierte Theater- und Tanz-Produktionen ebenso wie zeitgenössische Opern, hat andere Akzente bekommen. Als Zugeständnis an die Kritik im vergangenen Jahr weist das Programm heuer wieder ein paar Gustostückerln der großformatigen Theaterkunst auf.

Xenos4Mit seiner letzten Solo-Performance hat Akram Khan dem Ersten Weltkrieg ein tänzerisches Denkmal gesetzt. Zwar ist der der 44-Jährige einziger Tänzer, doch der Dialog mit fünf fabelhaften MusikerInnen, das Bühnenbild und das kongeniale Licht- und Sounddesign sorgen für vielfältige Ausdrucksebenen und Interaktionen. Welche Narrativa – vom Soldaten bis zu Prometheus – Khan auch immer in „Xenos“ hineingepackt hat, das Ergebnis ist ein eindringliches und beklemmendes Gesamtkunstwerk.