hushDas Tänzerehepaar Kirill Kourlaev (Produktionsleitung) und Olga Esina (künstlerische Leitung) hat es sich zur Aufgabe gemacht, in der Kultur- und Musikstadt Wien, die längst auch Ballettstadt ist, eine Ballettgala mit internationalen Gästen aus renommierten Compagnien einzuladen, um die vielen Facetten von klassischem Ballett bis zu zeitgenössischem Tanz zur Aufführung zu bringen, heuer bereits zum zweiten Mal und an zwei Abenden.

Dieses Mal gastierten u.a. Tänzerinnen und Tänzer vom Bolschoi Ballett, dem Ballett der Pariser Oper, dem Ballett des Mikhailovsky Theater St. Petersburg, dem Berliner Staatsballett, dem Holländischen Nationalballett und dem Ungarischen Nationalballett; natürlich durften auch die Kolleginnen und Kollegen vom Wiener Staatsballett nicht fehlen.

Die Weltstar-Gala präsentierte arrivierte Künstler, die weltweit auftreten ebenso wie aufstrebende junge Talente, die noch am Anfang ihrer internationalen Karriere stehen. Zu sehen waren klassische Gustostückerln ebenso wie hierzulande noch weniger Bekanntes. Auch eine Uraufführung bereicherte das Programm, stellte doch Solotänzer Eno Peci vom Wiener Staatsballett seine neueste Choreografie vor, in der er gemeinsam mit der Ersten Solistin Olga Esina auftat: „Hush“ ist ein seelenvoller Pas de deux um eine Mann-Frau-Beziehung.corsaire

Als atemberaubend hoch springender und präzise drehender Tänzer mit schöner Linie begeisterte Young Gyu Choi, Principal Dancer vom Holländischen Nationalballett. Der gebürtige Südkoreaner gewann bereits mehrere Wettbewerbe (u.a. New York 2017, Varna und Boston 2010) und erhielt im Vorjahr den Alexandra Radius Award. Zunächst reüssierte er mit Liudmila Konovalova (Erste Solotänzerin im Wiener Staatsballett) im Pas de deux aus „Le Corsaire“ (Choreografie: Marius Petipa) um dann auch als letzte fulminante Nummer des Abends gemeinsam mit der quirligen Kiyoka Hashimoto (Erste Solotänzerin Wiener Staatsballett) im Pas de deux aus „Satanella“ erneut die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Liudmila Konovalova und Solotänzer Jakob Feyferlik vom Wiener Staatsballett zelebrierten daraufhin elegische Stimmigkeit im Pas de deux „With a Chance of Rain“ von Liam Scarlett, am Klavier gefühlvoll begleitet von Igor Zapravin.

DornroeschenAufhorchen ließ Julian McKay. Der gebürtige Amerikaner studierte an der Moskauer Staatlichen Ballettakademie. In seinem Abschlussjahr 2015 gewann er den Prix de Lausanne und machte auf der Deutschland-Tournee mit dem Russischen Staatsballett auf sich aufmerksam. Nun ist er Erster Solotänzer im Ballett vom Mikhailovsky Theater St. Petersburg und gab sich beim Wiener Einstieg ganz klassisch als eleganter Prinz mit Olga Esina im Pas de deux aus „Dornröschen“ (Choreografie: Peter Wright), um danach mit seinem jungenhaften Charme und großer Geschmeidigkeit auch außerordentlich gut mit seinem Solo als „Kubanischer Nussknacker“ (Choreografie: Alisher Hasanov) zu gefallen.

Dinu Tamazlacaru (Erster Solotänzer im Staatsballett Berlin) punktete mit dem rasanten Solo mit Geigenbogen „Caprice 24“ von Mauro De Candia zur gleichnamigen Komposition von Niccolo Paganini. Nach der Pause war er dann für Maria Eichwald im Fanny Elßler-Pas de deux ein gefühlvoller Partner. Im melancholichen Sinnen bleibt er allein zurück nachdem sie ihm entschwebt – ebenfalls mit Maestro Zapravdin am Klavier.

„Subject“ – eine weitere Kreation von Eno Peci – wurde für die heurige Gala in Luxemburg geschaffen und jetzt auch hier in Wien aufgeführt. Vor der Projektion einer Sonnenfinsternis (statt des oft üblichen Vollmond-Sujets) geht es wieder um eine moderne Paarbeziehung, Mila Schmidt (Wiener Staatsballett) ist hier seine Partnerin. giselle

Dorothée Gilbert (Étoile im Ballett der Pariser Oper und ebenfalls mehrfache Preisträgerin) stellte mit István Simon ihre Vielseitigkeit mit dem leidenschaftlichen Pas de deux aus „Manon“ (Choreografie: Kenneth MacMillan) sowie mit dem Pas de deux aus „Giselle“ in romantischer Ästhetik eindrucksvoll unter Beweis.

CarmenAna Turazashvili und Denis Savin (beide vom Bolshoi Ballett; Solistin bzw. leading Soloist) zeigten spanisches Temperament mit einem Ausschnitt aus „Carmen-Suite“ (Choreografie: Alberto Alonso) und als weiteren Beitrag des breit gefächerten Rollenspektrums zarte Poesie im Adagio aus „Sagalobeli“ zu georgischer Volksmusik (Choreografie: Yuri Possokhov).

Originell das Solo mit rotem Hut „Lost ans found“, das Trevor Hayden kreiert hat und mit dem sich Francesco Costa ebenso lässig wie flott vorstellt. Sprungstark präsentierte sich Evgeniy Lagunov (Ungarisches Nationalballett) mit dem Gopak aus „Taras Bulba“ (Choreografie: Rostislav Zakharov)

Die erlesene Schar an Tänzerinnen und Tänzern und das vielfältige wie abwechslungsreiche Programm rissen das begeisterte Publikum zu heftigen und lang anhaltenden Applaus hin.

"Weltstar Gala" am 13. Oktober 2018 (Folgevorstellung am 14. Oktober) im Volkstheater