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boids1Zukunftsvisionen. Ein weißer Raum voller Nebel. Darin drei bemerkenswerte Bewegungsperformer – allesamt höchst biegsam-körperkontrolliert und stets auf superleisen Sohlen. Aus dem Hintergrund live begleitet von dem Electronic-Musik-Duo Günther Lause (Maxim Wolzyn & Konrad Wehrmeister): Das ist „Boids“. Eine knapp 70-minütige Tanzuraufführung des Münchner Tänzers und Choreografen Moritz Ostruschnjak und Daniela Bendini, stellvertretende Ballettdirektorin des Staatstheaters am Gärtnerplatz.

Wie ein Gemälde monochromer zeitgenössischer Kunst fordert „Boids“ den Betrachter heraus. Ganz im Sinne des Kunstworttitels, der Natur (Bird/Vogel) und Informatik (oid = Object Identifier) in sich vereint. Passend, wie man hinterher feststellt, zu dem inhaltslosen, in motivischen Mustern und Wellen dahinfließenden Stück.

Es dauert seine Zeit, Geschmack zu finden an der zukunftsvisionären Choreografie ziel- und emotionsfremder, laut Programm künstlich generierter Schwarmbewohner, die sich erst langsam, später virtuoser durch eine irgendwie antiseptische Wolkenlandschaft aus Trockeneis, Sound und Licht tasten. Denn Ostruschnjaks unaufgeregte Flaneure einer Sciene-Fiction-Welt wirken entweder verloren oder wie ferngesteuerte, nur bedingt ihre Richtung innerhalb der Gruppe selbstbestimmende Wesen.boids2

Nichts treibt Gaetano Badalamenti, Darren Devany, Chiaki Horita, Isaac Spencer und Nuria Giménez Villarroya um außer die immerwährend miteinander verbundene Konstellation. Selbst in ihren zurückhaltenden Umarmungen flackert keinerlei Gefühl auf. Und dann eine Sequenz, wo die Füße plötzlich am Boden kleben bleiben. Doch breitbeiniges Zucken und Rutschen bringt das Gleiten, Driften und Balancieren der komischen Vögel wieder in Schwung.

boids3Zum Ende hin steigert sich die Choreografie. Die Münder leicht geöffnet mutiert die kleine Company zu schlaftrunkenen Gestalten – eindeutig nicht von unserer Welt. Das begreift man. Viel mehr aber auch nicht. Als Einlage für einen Horrorstreifen wäre diese Passage perfekt. Fazit: In seiner Grundsubstanz gleicht „Boids“ einer zähen Suppe, der man dennoch bereichert den Rücken kehrt.

„BOIDS“ von Moritz Ostruschnjak, Generalprobe am 27. September (Uraufführung am 28. September) im Schwere Reiter