galvan1Mit der Uraufführung von „La Fiesta / Das Fest“ kehrte die Galionsfigur des zeitgenössischen Flamenco Israel Galván ins Festspielhaus St. Pölten zurück. Mit einem internationalen, multidisziplinären Ensemble trieb er darin die Dekonstruktion des Flamenco auf die Spitze und so manche Zuseher aus dem Haus. Diese hatten wohl auch das Gefühl zu fortgeschrittener Stunde nüchtern auf eine Party gekommen zu sein.

Einige Gäste sind noch übrig geblieben. Ein paar liegen herum, einige singen, andere produzieren sich. Der Gastgeber (Israel Galván) robbt im verkehrten Vierfüßlergang durch den Saal zur Bühne, wo einige einen Rhythmus dazu klatschen. Ein Japanerin krümmt sich in butoesker Manier, eine Sängerin schlittert eine Ballade singend auf einem Hocker auf Rollen in den Raum. Einer nach dem anderen versucht sich als eine Art Cantaor, presst Laute heraus. Zwei Bailaores geben jeweils unorthodoxe, doch virtuose Soli. Später, wenn zum Finale alle zusammen kommen, um dem Meister bei seinem Solo zu begleiten, klimpert einer auf der Gitarre, Stimmkünstler „El Niño de Elche“ stößt sirenenartige Geräusche aus, Uchi, la Gitana, schmeißt Textfetzen dazwischen, die Tänzerkollgen halten mit Klatschen den Rhythmus und Israel Galvàn zeigt, was ein Zapateado sein könnte.galvan2

„Ein babylonischer Turm, errichtet auf einem unbestimmten Stück Land“, liest man im Programmheft. Nur, dass dieses Babylon-Thema natürlich schon andere Choreografen zu ganz anderen Dingen inspiriert hat, wie etwa Sidi Larbi Cherkoui zu seinem Meisterwerk „Babel (Words)“, das im Februar dieses Jahres wieder im Festspielhaus St. Pölten zu sehen war. Wo Cherkaoui es schafft seine unterschiedlichen Protagonisten in einer künstlerischen Vision zu vereinen, lässt Galván seine Künstler ohne erkennbare Regieführung nebeneinander agieren. Auch er verwendet ein Bühnenbild aus mobilen Einzelelementen – Stühle, Tische, Podeste. Doch während bei Cherkoui das Kunstwerk von Antony Gormley immer neue Aktionsräume schafft, bleiben die Gegenstände bei Galván funktionale Möbel zum Sitzen, Stampfen und Klopfen. Dabei wären die meisten Künstler vom Allerfeinsten: Neben Galván sind das die Tänzer El Junco und Ramón Martínez sowie Minako Seki oder Alia Sellami mit ihrer operntauglichen Stimme, die so viele andere Klangfarben drauf hat.

Die Dekonstruktion der Tradition hat in diesem Fall nichts hervorgebracht, was ihr in der Gegenwart einen Mehrwert verleihen würde, im Gegensatz zu „Torobaka“, dem Duett von Akram Khan mit Israel Galván. „La Fiesta“ ist vielmehr eine auf gewollt modern daherkommende, konfuse und ziemlich primitive Show – ein Nachzügler einer überholten Perfomancewelle, die nach dem Motto "anything goes" agierte. Die verkaterten Ausläufer einer Party eben.

Israél Galván „La Fiesta / Das Fest“ am 6. Mai im Festspielhaus St. Pölten