BeijingMit einem dreiteiligen Programm stellte sich Yuanyuan Wang und ihr Bejing Dance Theater dem österreichischen Publikum vor. Dessen Ästhetik reflektiert die Zusammensetzung des Führungsteams, dem neben der Choreografin der Lichtdesigner Jiang Han und der Bühnendesigner Shaoyuan Tan angehören. Als Artist in Residenz im Festspielhaus St. Pölten brachte Yuanyuan Wang mit ihrer Compagnie von 14 Tänzerinnen das Stück „Le Poison“ dort zur Uraufführung.

Eine Frau in schwarzem Kleid steht hier der Gruppe in hautfarbenen Trikots gegenüber. Grüne Äpfel rollen auf die Bühne, und werden zum Spielball der Tänzer. Sind sie ein Teil der mysteriösen Frau, die im Hintergrund abtaucht? Sind sie das Gift, das sie aus der Bahn zu werfen scheint, das ihre Bewegungen zögernd, verzerrt und gehemmt wirken lässt? Wang hat hier wie auch für die nachfolgenden Stücke eine literarische Vorlage gewählt. Beaudelaires Gedicht hat in diesem Fall auch dem Werk den Namen verliehen: „Le Poison“. Das Gift. Die Sound-Intensität des österreichischen Trio Radian stand dabei in seltsamen Kontrast zu den poetischen Bildern.

Der hämmernde Sound von Kangding Ray und der ambient electronic sound von Biosphere treiben die Tänzerinnen (auf Spitzenschuhen) und Tänzer in „Farewell, Shadows“ über die Bühne. Anhand eines Gedichtes des chinesischen Dichters Lu Xun versucht die Choreografin ein Statement über Selbstbestimmung, und so befreiten sich die Tänzerinnen (auf Spitzenschuhen) nach und nach von ihren männlichen Manipulatoren und fanden zu selbstständigen Aktionen.

Auch Oscar Wildes „The Nightingale and the Rose“ war titelgebend, und Wang versuchte zur Musik von George Bizets „L’Arlésienne“ das Kunstmärchen über die Nachtigall, die sich für die vermeintlich wahre Liebe opfert, mit Tanz zu erzählen. Wem die der Musik zugrunde liegende Geschichte von Fréderi und dem Mädchen aus Arles nicht vertraut ist (in der Choreografie von Roland Petit befindet sich das Werk unter anderem im Repertoire des Wiener Staatsballetts), wird auch Wildes Parabel in diesem Tanz kaum erkennen. Nach einem eindrucksvollen Beginn, wenn die Tänzer einzeln aus dem Dunkel ins Licht treten, wird choreografisch die große Geste eingesetzt: ein schmachtender junger Mann, eine hartherzige Frau, ein gefiederter Tänzer, die Nachtigall, deren Beweggründe nicht klar werden. Wenn die Tänzer mit erhobenen Unterarmen und ausgestrecktem Zeigefinger über die Bühne schreiten, sollen sie wohl Rosen darstellen …

Die im Programmheft zitierte „Liaison zwischen Ost und West“ ist bei Wang einer weitgehend westlichen Anpassung gewichen, musikalisch wie tänzerisch. Die Bewegungen sind eine Mischung aus Modern Dance mit Ballett im Sinne der Entwicklung der letzten 20 Jahren (federführend durch William Forsythe). Die Ästhtetik ist cool bis kitschig. Lediglich einige Kostüme und die – vor allem in „Farewell, Shadows“ – reliefartige Bespielung des Bühnenraums, bei der die Tänzer hauptsächlich en face zum Zuschauerraum agieren, evoziert fernöstliches Kunstverständnis.

Mit gut trainierten Tänzern, einem ausgefeilten Lichtdesign und markanten Bühnengestaltungen erzielt das Beijing Dance Theater dabei eine theatrale Wirkung, die das St. Pöltner Publikum auch diesmal zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Beijing Dance Theater. Yuanyuan Wang am 27. Februar im Festspielhaus St. Pölten