fille1Diese Woche stand ganz im Zeichen des tänzerischen Nachwuchses: einerseits an der Volksoper mit dem erfrischenden Programmmix unter dem Titel „Junge Talente des Wiener Staatsballetts II“, andererseits an der Staatsoper, wo Natascha Mair und Jakob Feyferlik als Lise und Colas ihr fabelhaftes Debut in „La fille mal gardée“ gaben. Fazit der beiden Aufführungen: Die jungen Tänzerinnen und Tänzer behaupten sich bravourös in der ersten Reihe.

Man sieht ihnen ihre Jugend an: Jakob Feyferlik und Natascha Mair sind beide um die 20 Jahre alt. Aber sobald die anfängliche Nervosität verflogen ist, überzeugt das Solistenpaar mit seiner Virtuosität und seinem charmanten Rollenspiel. Ein Vergnügen ihnen zuzusehen und die Geschichte zu verfolgen, in der durch die List der beiden die verbotene Liebe letztlich von der gestrengen Mutter abgesegnet wird. Eno Peci als Witwe Simone und Richard Szabó als Alain (wie auch in der Vorstellung am 30. Dezember 2015) sowie Alexander Ingram am Dirigentenpult waren in dieser Vorstellung eine glänzende Unterstützung für die Debütanten. Zum letzten Mal in dieser Saison sorgten die tanzenden Hühner für gute Unterhaltung, ließ uns das störrische Pony den Atem anhalten. Das unwillige Pferdchen will von seinem Status als Ballettstar offensichtlich nichts wissen, will lieber ausreißen und davonstürmen und kann nur mit Müh und Not gehalten werden. fille2

Jakob Feyferlik hat wohl das Zeug für Prinzen. Am nächsten Tag in der Volksoper wusste er jedoch auch als Johann in einem Ausschnitt aus Roland Petits „Die Fledermaus“ zu brillieren;  ebenso wie die drei Kellner Roman Chistyakov, Keisuke Nejime und vor allem Andrés Garcia-Torres.

Greig Matthews konnte sich an diesem Abend wieder als Danseur noble profilieren. Er tanzte den Pas de deux aus „La fille mal gardée“, allerdings nicht in der Ashton-Version aus dem Repertoire des Wiener Staatsballetts, sondern in der Choreografie von Joseph Lazzini (Musik: Ludwig Hertel). Nicht ganz so routiniert agierte seine Partnerin Elena Bottaro. In Neumeiers „Spring and Fall“ ergänzten sich Matthews und Anita Manolova wieder bestens.

SpringandFallUmwerfend Nina Tonoli in Balanchines „Valse Fantaisie“: Die junge Ballerina besticht mit ihrer Sicherheit ebenso wie mit ihrem Charisma und meisterte souverän das fordernde Tempo des fröhlichen Walzers von Michail Glushak. Etwas unsicher noch ihr Partner Leonardo Basilio, der hingegen im Solo aus Béjarts „Arepo“ und erstmals in „Les combat des anges“ (aus „Proust ou les intermittences du coeur“ von Roland Petit) im Duett mit James Stephens mit seiner sauberen Ausführung beeindruckte.

Laura Nistor stellte sich als edle Tänzerin vor: im Pas des Odalisques aus „Le Corsaire“ (zusammen mit Xi Qu iund Iulia Tcaciuc), im Pas de deux aus „Arepo“ mit James Stephens und als Gruppentänzerin in „Valse Fantaisie“.

Adele Fiocchi, die ebenfalls in der Balanchine-Choreografie auftrat, war für den Abschluss des Abends, Victor Gsovskys „Grand Pas Classique“ mit Marian Furnica, der sein Rollendebut gab, auserkoren. Die beiden tanzten sauber, aber ohne die funkelnde Allüre, die zu dieser Variation einfach dazugehört.

NIkisha Fogo überzeugte mit ihrem Partner Géraud Wielick in Balanchines „Tarantella“, und in Patrick de Banas „Creatures“, in der sie mit distanzierter Kühle auf Spitze den Kontrapunkt zu den athletisch-dynamischenen Moves der Männer setzte, die mit Francesco Costa, Marian Furnica, Géraud Wielick wunderbar besetzt waren.

Auch an diesem Abend sorgte Francesco Costa in der akrobatischen Nummer zum Jacques Brel-Song „Les Bourgeois“ für Begeisterungsstürme im Publikum, ebenso wie die köstlich-humoristische Choreografie von Staatsballett-Tänzer Trevor Hayden „Double Date“ mit Gala Govanovic, Keisuke Nejime, Sveva Gagiulo und Ryan Booth.lesbourgois

In der Choreografie von  Staatsballett-Mitglied Attila Bakó wird ein ernstes Thema verfolgt: Der Ungehorsam von Adam (Zsolt Török) und Eva (Sveva Gagiulo) gegen Gott (Tristan Riedel) setzt in „The Fall“ die Bevölkerungsexplosion in Gang, die mittels einer digitalen, rasant wechselnden Zahlenreihenprojektion vor Augen geführt wird, zu den sich wiederholenden Pattern der Miniamal Music von Michael Nyman und Philip Glass.

Das Programm „Junge Talente des Wiener Staatsballetts II“ ist nicht nur eine Herausforderung an die jungen Tänzerinnen und Tänzer, die an einem Abend die unterschiedlichsten Stile verkörpern müssen (oder besser: dürfen, denn ihr aller Einsatz ist ungebremst enthusiastisch). Auch das Publikum genießt die klug zusammengestellte, bunte, tänzerisch und musikalisch stimmige Abfolge (im voll besetzten Haus). Wolfram-Maria Märtig ist ebenso wie seine Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne in allen Stilen zu Hause und leitet sein Orchester sicher durch den Abend, bei dem sich Orchesterstücke mit musikalischen Einlagen vom Band abwechselt.

Wiener Staatsballett: „La Fille mal Gardée“ am 20. Jänner 2016 in der Wiener Staatsoper; „Junge Talente des Wiener Staatsballetts“ am 21. Jänner in der Volksoper (Premiere am 2. Juni 2015). Letzte Vorstellung mit alternativen Besetzungen am 10. Februar 2016.