wallmariaDie Performance „A Wall for Maria“ von Veza Maria Fernandez Ramos und Christina Maria Lederhaas ist im Rahmen der „künstlerischen Praxis“ Thinking Pieces entstanden. Seit 2013 arbeiten die beiden Künstlerinnen an diesem choreographischen Projekt, in dem Denkprozesse hinterfragt werden, die sie als physische, sich bewegende Phänomene auffassen, analysieren und darstellerisch umzusetzen versuchen.

Der Fokus ist in der aktuellen Bewegungsarbeit auf das Trennende, auf Wände gerichtet. Diese manifestieren sich etwa als Sprache, die, wie anfangs kurz vorgeführt wird, sowohl in ihrer Umsetzung als auch in ihrem Fehlen Kommunikationsbarrieren errichten kann; diese kleine Eingangsszene zählt sowohl als Idee wie in ihrer Umsetzung zu den dichtesten Passagen des Gezeigten. Denn inwieweit Kleidung – funktionell und einprägsam die Kostüme von Edda Strobl und Karin Heide – trennende Funktion annehmen kann, ist, von der doch recht simplen Begrenzung des Blickes durch Haare/Perücke einmal abgesehen, schon weniger nachvollziehbar. Dass konkrete Wände Trennung bedeuten, ist in der Darstellung wiederum weniger anspruchsvoll und gelingt auch recht gut, denn die Performerinnen wissen die Gegebenheiten des Raumes teilweise klug zu nützen: die Türen als Pendant so wie als Gegenteil zur Wand. Gut eingesetzt wird auch ihre „Veränderbarkeit“, indem Vorhänge auf- und zugezogen werden und sich damit neue Perspektiven, gefolgt von anderen Verhaltensweisen der Agierenden, eröffnen; oder aber dadurch - was ein besonders gelungener Effekt ist -, dass das Publikum zum Teil der „Bühne“ wird. Die durch ihre Unterschiedlichkeit in Struktur und Form markant einsetzbaren Wände bieten zwar mannigfache Möglichkeiten, sich an ihnen abzuarbeiten, werden aber vor allem durch körperliches Ankämpfen, Anschlagen genützt, was einem Vergeben von gegebenen Optionen gleichkommt.

Die über Lautsprecher angekündigte Intention der Darstellung von „Gedanken, die wir haben, wenn wir nicht durchkommen“ erschließt sich eher bedingt – auch wenn ein an die Wände und Decke projizierter, bunt gepunkteter „Gedankenteppich“ in Bewegung helfen soll - und könnte andererseits in den doch etwas plakativen „Kampfszenen“ variationsreicher bzw. kürzer sein. Das gegenseitige Schieben über den Boden hat zwar eine gewisse Qualität in seiner konsequenten Gelassenheit, ist aber andererseits als Eigen-Zitat entbehrlich. Weitere Phasen der relativen Ruhe, in denen in wiederholten Synchronbewegungen und vor allem durch den dazwischen eingestreuten, kurzen Stillstand das Trennende von Gleichheit ahnbar wird, zeigen, dass mehr an Qualität im Detail, im genaueren Arbeiten mit differenzierterem Bewegungsmaterial liegen könnte.

Beeindruckend das getrennte, trennende Drehen von Gedanken im Kreis (das Um-die-eigene-Achse-Drehen der beiden) gegen Ende der Performance so wie zum Abschluss das letzte Mittel, um ein Zueinanderfinden zu ermöglichen: das Schreien nach dem andern.

Veza Maria Fernandez Ramos und Christina Maria Lederhaas. „A Wall for Maria“ im Kunsthaus Graz,space 04, Premiere: 14.Jänner 2016; weitere Präsentationen: 16., 23., 30. Jänner