brogdonChallyce Brogdon aus Kalifornien und in Graz lebende Tänzerin nimmt in ihrer knapp einstündigen Produktion das Publikum von Beginn an zielstrebig bei der Hand: Schon bei der Platzsuche wird live auf der Bühne von der jungen Jazzsängerin Christina Gruber und wohl im Namen des Publikums (Brogdon bedarf dieser Animation nicht!) „Come on light my fire“, unterstützt vom Jazzpianisten Anil Bilgen, angestimmt.

Und das vorwiegend junge Publikum – zweifellos auch SchülerInnen der Künstlerin – lässt sich kaum bitten, in diese alltäglichen Szenen von Paarbeziehungen einzusteigen; macht es ihnen doch auch Brogdons Tanzpartner Xianghui Zeng aus China (ebenso auch Tanzlehrer in Graz) nicht allzu schwer. Dramaturgisch ein wenig „überordentlich“ reihen sich Gesangs-, Klavier-Musik und Tanzszenen hintereinander: Streit, Passagen des Zweifelns an der Beziehung und auch an sich selbst anhand von jeweils einem Solo der Tänzer, Bemühungen um ein Zueinanderfinden und schließlich ein Happy-End in zweifacher Ausgabe: Diese vorletzte Szene eines noch Nebeneinander, einer ins Leere laufenden Kommunikation, in der sich aber doch schon immer wieder Synchrones Raum verschafft, zählt zu den gelungensten Passagen im tänzerisch-kreativen Sinne; wobei eine kleine, sehr individuelle Tango-Variante zu Anfang, die auch Witz hat, ebenfalls herausgehoben werden sollte. Die letzte Szene in trauter Zweisamkeit ist inhaltlich zu stereotyp, ermüdet mit der vorwiegend klassischen Tanzinterpretation.

„A contemporary dance production“ lautet der Untertitel, und so könnte auch deswegen das eine und andere an Ballett-Anklängen einem Mehr an Zeitgenössischem, Experimentellem Platz machen Die bezaubernde Leichtigkeit in der Bewegung, ihre Ausdruckskraft - auch im Mimischen, ihre Dynamik und ganz allgemein ihr tänzerisches Können wären Grund genug für Brogdon, die von 2011 bis 2013 Mitglied der Tanzkompagnie der Oper Graz war, mit mehr Mut zu Neuem sich einen größeren Publikumskreis zu erschließen als den, der an beiden Aufführungsabenden das Theater am Ortweinplatz in Graz füllte und auch offensichtlich begeisterte.

Challyce Brogdon „Short Stories“ 31. Mai 2015 (Premiere am 30.Mai), Theater am Ortweinplatz, Graz