fernandezCalamocos or My great-grandmother was a poet who could not write. Aber sie konnte erzählen, die Großmutter, und das kann auch ihre Enkelin, Veza María Fernández Ramos, die nun  in Graz und Wien in der freien Tanz- und Theaterszene tätig ist; mit eigenen Arbeiten und kleinen Engagements, als Performerin, Tänzerin und als Geschichtenerzählerin;  immer und vor allem als solche, denn sie kann gar nicht anders - ob mit Worten, mit Gesang oder ihrem Körper – als zu erzählen.

Und dass sie es immer besser kann, das hat die  Premiere ihres neuesten  Solos,  eine Tanz-Geschichte-Performance, soeben bewiesen.

Mit einer großen (Plastik-)Tasche, prall gefüllt mit emotionsreichen  Erinnerungen, kommt  sie singend Schritt für Schritt zur  Bühne -  betritt sie mit Respekt:  diese wertvolle Zone des Vergangenen, das es behutsam hervorzuholen und mit anderen zu teilen gilt. Weil es schön ist und weil es schmerzt, weil es von so großer Intensität ist, das Erinnerte, dass es mitgeteilt, also mit anderen geteilt werden muss. Und das gelingt ihr, Veza Fernández,  in einer dichten  Abfolge von  kleinen Szenen und Bildern und Geschichten, die scheinbar willkürlich nebeneinander gesetzt und doch gut überlegt in ihren abwechslungsreichen Inhalten aufeinanderfolgen. Vermittelt  mit außerordentlicher, mit  ebenso unverblümter wie bezaubernder und berührender  Direktheit. Vermittelt aber auch durch vor allem mimisch präzise erarbeitete Passagen und darstellerisch-tänzerisch energievolle, eigenwillig-ausdrucksstarke Abschnitte.

Ausgewogen wechseln gesprochene und gesungene Szenen mit jenen ab, in denen körperliche Vermittlungspotentiale ausgeschöpft werden. Und dass dem Ende ein wenig an Schlüssigkeit fehlt, das wird mit einem stimmigen Augenzwinkern, das sich „Epilog“ nennt, wettgemacht.
 
Monika Klengel (Theater im Bahnhof) hat als Coach zweifellos Wesentliches für die gute dramaturgischen Abwicklung geleistet. Zu einem homogenen Ganzen trägt aber auch das  sehr genau und einfühlsam eingesetzte Lichtdesign von Thomas Bergner bei. Dass also die folgenden Vorstellungen an den drei auf die Premiere folgenden Tagen ebenso gut besucht sind wie diese, das hätte sich diese kleine, feine, sehr spezifische Produktion verdient.

Veza María Fernández Ramos: Calamacos or My great-grandmother was a poet who could not write, Premiere am 2.4.2014 im Theater am Lend, Graz. Weitere Vorstellungen: 3., 4. und 5. April