medinaTänzerin-Choreographin C. Medina, seit 2010 Lehrende am Konservatorium Wien/Privatuniversität, war wieder einmal in Graz mit einem eigenständigen Programm zu sehen. An einem Wochenende, an dem die von Darrel Toulon präsentierte Tanz Nite und eine Premiere von Valentina Moar angeboten wurden. Ein Grund für die bedauerlichen Terminkollisionen ist der Mangel an leistbaren Räumen für den Tanz in Graz.

Dass an beiden Vorstellungsterminen (29. und 30 November) im Space 04 im Kunsthaus nur jeweils ein Grüppchen von Zusehern die Vorstellung besuchte, ist wohl auch auf diese Überschneidungen zurückzuführen. Allerdings: Wo nur sind die tanzaffinen StudentInnen der Grazer Unis oder vor allem die der IGTanz? Ist doch das Angebot von zeitgenössischem Tanz-Programmen in Graz über das Jahr betrachtet ein handverlesenes.
 
Schade, denn dieses Programm war in seiner Art sehenswert. Es setzte sich in zwei Teilen, in einem Solo und in einer Ensemble-Choreographie, mit dem Thema Frau und Frau-Sein auseinander: mit seinem (häufig unterschätztem) Potenzial und seinen Grenzen, seinem Bild in der Öffentlichkeit und der Reaktion und Umsetzung bei den Betroffenen.

Christina Medina war zwar in einem mit diesem Solo vergleichbaren Auftritt in Graz schon zu sehen, aber ihr diesmal weiterentwickelter, athletischer Tanzzugang ist auch in „Athletic dance in/on/around the R4“ durchaus ein sehr individueller. Getragen von einem gehörig Maß an Balance-, Raum- und Bewegungsgefühl, an Körperbeherrschung und Einschätzung von Sprung und Schwungkraft fasziniert nicht nur die eingesetzte und gekonnt gesteuerte Kraft, sondern ist auch die thematische Kombination des im Solo verkörperten ungewöhnlichen Frauenbildes mit dem Frauenklischee, das anschließend junge Tänzerinnen der Tanzabteilung am Konservatorium Wien vorführten, interessant.

Das in „I wanna…“ behandelte Thema des Schönheitsdiktates und Fitnesskults ist in dieser Form der Bearbeitung ebenfalls nichts Unbekanntes. Aber das engagierte Agieren der Tänzerinnen erhält ebenso die Aufmerksamkeit wie die choreographisch gut und auch so manches Mal überraschende Aufbereitung. Nicht zuletzt sind es der immer wieder aufblitzender kritischer Humor sowie der Einsatz von Sprache, die überzeugen.

@tendance/C.Medina : „ I wanna … “ am 30. November 2014 im Space 04 im Kunsthaus Graz