krymovDurchhaus der Geschichte und der Theaterkunst. Unzählige Figuren aus der russischen Theaterwelt ziehen in Dmitry Krymovs „Tararabumbia“  revueartig auf einem 30 Meter langen Förderband zwischen zwei Zuschauertribünen hindurch: Figuren aus Tschechows Stücken „Die Möwe“, „Drei Schwestern“ und Zitate aus „Der Kirschgarten“ und aus der russischen Geschichte werden kurzweilig in einer Parade „aufgemischt“.

Komik und Tragik. „Tararabumbia“ stammt aus Tschechows „Drei Schwestern“ und ist ein Teil eines Gassenhauers, der gesummt wird, wenn sich dramatische Momente ereignen. Es steht  als Synonym für etwas Hoffnungsloses, das mit der fröhlichen Musik kontrastiert wird. So passiert es auch in Dmitry Krymovs Inszenierung, Tragisches wird mit Leichtem kombiniert: Damen auf Stelzen, Breakdancer, Puppen, Militärkapellen, Synchronschwimmerinnen der russischen Nationalmanschaft, eine Delegation aus Shakespeares „Hamlet“  und eine des Bolschoi-Theaters treten chorisch auf dem Laufsteg auf. Sie singen Arien, sie tanzen und sie hadern - manch einer schießt sich eine Kugel durch den Kopf oder fällt im Duell.

Sehnsucht verpufft. Die Dichter namens Boris Trigorin und Konstantin Gavrilovic Treplev aus „Der Möwe“ verdoppeln sich auf der Bühne und werden zum Chor der leidenden Dichter, die ein neues Sujet zum Schreiben zwingt. Olga, Mascha und Irina aus den „Drei Schwestern“ sehnen sich nach Moskau und schieben ihren Bruder Andrej, der eine Karriere an der Universität Moskau anstrebt und sie dort hinbringen soll, als Puppe vor sich her. Das Ansinnen jedoch scheitert, als nichts als heißer Wind dem Bruder entfleucht.

Nebenhandlungen und Antihelden. Krymovs Inszenierung greift in seinem Bilderreigen "Tararabumbia" die Dramaturgie von Tschechows „Drei Schwestern“ auf: es findet sich kein eindeutiger Handlungsschwerpunkt, keine zentrale Figur, dafür eine Reihe sich kreuzender Nebenhandlungen und  mehrere Antihelden.

Die russische Seele am Förderband der Geschichte läuft bei dem Bühnenbildner aus Moskau vorwärts und rückwärts und kreist denoch um das Ewiggleiche. Auch wenn nicht jedes Zitat zugeordnet werden kann, der Bilderreigen aus einer glanzvollen Zeit steht schon für sich. Großer Applaus für ein rund 80-köpfiges Ensemble.krymovbolschoi

Dmitry Krymov „Tararabumbia“, Österreich-Premiere vom 28. Mai 2014, Halle E im Museumsquartier, www.festwochen.at Weitere Vorstellung: 30.5.2014, 19.30 Uhr