blaschkeMit jeweils einer Arbeit gastierten Georg Blaschke („multiple two“) und Michael Turinsky („Signature Series) im Tanz & Theater Zentrum in Graz und boten damit dem Publikum die Option, sich an einem Abend mit sehr unterschiedlichen künstlerischen Intensionen und Umsetzungen  konfrontieren zu können.

Gleichzeitigkeit und Verdopplung thematisiere „multiple two“, schreibt  Blaschke, und dies ist auch unschwer für den Rezipienten nachvollziehbar. Dass aber auch die medialen künstlerischen Einzelfaktoren für sich derart überzeugen, ist nichtsdestotrotz sehr bemerkenswert: So ist die Live-Perkussion (Niki Dolp)  und Live-Elektronik (Ulrich Troyer) ein kongenialer Teil des abgerundeten Ganzen -  selbst in den Passagen, da sie nicht zu hören ist, wird behauptet. Mit viel ästhetischem Feingefühl in den großen, schwarz abgehängten Raum eingefügt das „Bühnenbild“ von Gerald Moser, das zutreffender  als Lichtinstallation zu bezeichnen ist und, dem Thema entsprechend,  auf seine Weise mit zeitlicher und räumlicher Dualität anregend spielt, ohne sich vorzudrängen. Mit einer ebenso feinsinnigen wie bunten Palette körperlicher Varianten zu diesem Thema warten dann die beiden Tänzerinnen auf (Claire Granier, Martyna Lorenc):  Auch hier spielt neben  zahlreichen anderen Umsetzungen des Themas die Negation der Zweiheit, des Zusammenspiels  -  etwa in der anfänglicher Abwesenheit  der einen Tänzerin -  eine wichtige Rolle. Und schon in dieser Introduktion greift das Konzept, geht mit minimalistischen Bewegungen bereits in die Tiefe, entwickelt sich fassbar. Dass das grundsätzlich abstrakte Thema bei aller Intellektualität nicht in abgehobenen Sphären schwebt, gilt insgesamt für diese schöne Arbeit. Das freudvolle, exakte  Führen und Nach-Spüren der Bewegungen fasziniert bei Granier ganz besonders, gleichzeitig aber ist die verhaltene Interpretationsart von Lorenc  als Antipode ein weiterer Gewinn für das Gesamtwerk. Aber  auch etwa das durchaus  „handfeste“  Pas de deux der beiden Tänzerinnen ist von eigenwillig spannender  Ausdruckskraft und bleibt im Gedächtnis.

„Signature Series“, die Choreographie des seit der Geburt körperbehinderten Turinsky, versucht  die  Verbalisierung  seiner  ganz individuellen Vermittlungs-Situation. Das heißt, er ist auf der Suche von  tänzerischer Umsetzung dessen, was konkret von ihm nicht erlebbar ist, und  was er an solche zu vermitteln strebt, denen Bewegung  angeboren-erlernte und in besonderem Maße gekonnte Selbstverständlichkeit darstellt. Außerdem ist es der Vermittlungsprozess in seiner Eingeschränktheit, den er  visualisieren möchte. In seinen einleitenden Worten machte er vieles klar: seine „pleasure of moving and watching“ solle ebenso nachvollziehbar werden wie die empfundene „limitation“ und seine „desire“.

Dieses anspruchsvolle Ziel ist in der Choreographie noch nicht erreicht. Was transportiert wird,  ist das große Bestreben nach umfassender Raumergreifung. In zahlreichen szenischen Entwicklungen zu zweit, zu dritt aber auch im Solo vermittelt sich dieser Wunsch.
Da die Möglichkeit und Intention einer Weiterarbeit an dieser Version gegeben ist, kann man darauf gespannt sein, begründet auch durch Turinskys bisherigen Erfolg etwa mit der Soloarbeit „heteronomus male“.

Georg Blaschke „multiple two“ (Uraufführung am 25. Oktober 2013 in Klagenfurt) und Michael Turinsky „Signature Series“ am 2. November 2013 im Tanz & Theater Zentrum Graz .