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wertherRegisseur Holger Schober transferiert in „Werther – The Playlist“ Goethes unglücklich Verliebten in einer Jahrhunderte umspannenden Inszenierung in die Gegenwart. Unbefangen mixt er die heutige mit der damaligen Sprache und mit Popmusik aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Dabei bestätigt er auf unterhaltsame, aber auch berührende Weise, dass die großen Gefühle zeitlos sind.

Manche Wörter wollen nicht einfach über die Lippen kommen: Wenn Werther also mit seiner Tanzpartnerin und deren „Base“ zum Tanzvergnügen fährt, dann muss Schauspieler Michael Alexander Pöllmann (der generell zu outrierend agiert) erst einmal knurrend Anlauf nehmen, bevor er den altmodischen Begriff (für Cousine oder Kusine) über die Lippen bringt. Unterwegs begegnet er dann ihr, dem Inbegriff all seines Wünschens und Sehnens: Lotte (bezaubernd natürlich: Maria Lohn).

Bald geht es aber weiter im heutigen Jargon und der trifft den Ton des Publikums ab 14 Jahren im Dschungel. Auch die eingespielten Musiktitel wie „Time of My Life“, „Gangnam Style“ oder der Amourhatscher „Halt dich fest an deiner Liebe“ (so schön und inbrünstig gesungen von Holger Schober in der Rolle von Lottes Verlobten Albert) transportieren die Dreiecksgeschichte.

Gleich zu Beginn ziehen die SchauspielerInnen die Sympathiekarte: mit einem einfachen Trick überbrücken sie den Graben zwischen Bühne und Zuschauerraum, indem sie persönliche Anekdoten über ihr Verliebt-Sein preisgeben.

Danach entwickelt sich das Stück rasant, lässt aber Raum für Emotionen, die sich in längeren Passagen in Goethes Originalsprache äußern.

Ein paar Kürzungen hätten nicht geschadet, aber insgesamt funktioniert das Konzept der Guerilla Gorillas für ihr Zielpublikum: Es fühlt sich angesprochen, spielt mit und konnte Meister Goethe und seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ wahrscheinlich noch nie soviel abgewinnen wie in diesem druchaus nicht bildungsbürgerlichen Theaterstück.

Guerilla Gorillas: „Werther – The Playlist“ im Dschungel Wien am 24. Oktober. Weitere Vorstellungen: 25. und 26. Oktober  2013