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turrinidanceKondensstreifen am siebenten Himmel. Dass es ans Herz gehen würde, ließ bereits der Titel „Im Namen der Liebe“ erahnen. Wie tief das Gastspiel der I Dance Company im Stadttheater Klagenfurt tatsächlich bewegte, offenbarte erst der Jubel mit Standing Ovations beim Schlussapplaus. Selbst Peter Turrini kämpfte mit den Tränen und informierte gerührt, dass wir der Abschlussvorstellung dieser Produktion beigewohnt hatten.

Doch der Reihe nach: seit 2008 existiert die I Dance Company unter der künstlerischen Leitung von Beata Vavken, welche Menschen mit und ohne Down-Syndrom ermöglicht, unter professionellen Bedingungen ihr Tanztalent bühnenreif zu entwickeln. Beim zufälligen Besuch einer Vorstellung begeisterte sich Turrini für die künstlerische Arbeit der Kompanie und initiierte die Produktion „Im Namen der Liebe“, in der er nun Gedichte aus dem gleichnamigen Lyrikband live vorliest.

turriniHerausgekommen ist eine gefühlvolle Nummernrevue, bei der Wort und Tanz ineinandergreifen. Was sonst als triefender Kitsch bekrittelt würde, beispielsweise die zartrosa, lila oder dottergelben Farbprojektionen auf riesiger Leinwand im Bühnenprospekt oder die megaschnulzigen Einspielungen von Pianomusik, Schlagern und Musical-Hits, funktioniert in „Im Namen der Liebe“ gerade aufgrund der unverblümt-geradlinigen Überdosierung. Denn sowohl Lyrik als auch Tanz brechen diese vordergründige Idylle. Turrini durchlüftet sie mit der sozialen Wirklichkeit seiner Jugenderinnerungen, als er sich mit Tannenzapfen in der Badehose oder mit Gin Fizz bei Hure Emmi erotisch ausprobierte. Mit ihrer barocken Körperlichkeit sorgen die zehn Tänzerinnen und zwei Tänzer zwischen 9 und 27 Jahren auf ihre Weise für frischen Wind. In petrolfarbenen Kleidern beziehungsweise schwarzen Hemden und Hosen tanzen sie abwechselnd Soli, Duette, Trios und Ensemblestücke. Zu sehen gibt es viele Drehungen, Schrittmaterial aus Gesellschaftänzen, Jazz Dance und Urban Dance Stilen, garniert mit Spagaten von Nicole Innreiter oder einem Hauch Machogehabe von Ralf Meirhofer und Mathias Gmainer. Die synchronen Bewegungen flocken immer wieder individuell aus und hinterlassen schlussendlich den Eindruck als wäre der Himmel mit Kondensstreifen überzogen.

Dem Wunsch der I Dance Company, nicht nach Chromosomen, sondern nach Können beurteilt zu werden, ist nichts hinzuzufügen.

Peter Turrini & I Dance Company „Im Namen der Liebe“ am 20. Oktober 2013 im Stadttheater Klagenfurt.

Der Text ist ein Originalbeitrag für die Kleine Zeitung und ist dort in gekürzter Fassung am 22. Oktober erschienen.