images/tanzlogov1.png

ljubljadornDie böse Fee stellt alle in den Schatten. „Dornröschen“ in einer Fassung von Irek Mukhamedov nach Marius Petipa zur Musik von Peter Tschaikowsky hatte an der Oper in Ljubljana Premiere. Familiengerecht ist sie aufbereitet, diese Produktion um Prinzessin Aurora, die ein Kuss des Prinzen Desiré aus ihrem hundertjährigen Schlaf erweckt.

Die Bühnenbauten von Thronsaal und Wald sind wohltuend schlicht gehalten (Andrej Stražišar), was die farbenfrohen Kostüme (Marija Levitska) doppelt reizvoll ausstellt. Zwischen zuckerlrosa, himmelblauen und zitronengelben Rüschen-Garderobe und Teller-Tütüs überwältigt das mondäne, rabenschwarze Outfit der bösen Fee Carabosse. In bodenlangem Mieder-Kleid, wallendem Umhang und massig Tüll am Kopf bricht die Fee wie ein Vulkan in die heile Welt der Hofgesellschaft ein. Wobei, eigentlich bricht er ein. Denn, und das zählt zu den Höhepunkten des eher braven Abends, Carabosse ist in der Besetzung mit Lukas Zuschlag genial gegen den Genderstrich gebürstet. Zuschlag, der letzten Herbst als Harlekin in Kristina Aleksovas "Pulcinella" mit seinem komödiantischen Talent aufhorchen ließ, brilliert diesmal als expressive böse Fee. Mit einer Handgeste da und einem geduckten Sprung dort charakterisiert er Carabosse überzeugend und verleiht der Produktion damit eine Tiefe, die sonst nur auf musikalischer Ebene gelingt. Unter der präzisen Führung von Marko Gašperši? lotet das Opernorchester kontrastreich und klar die Dramatik des Märchens aus.

Auf der Bühne wird zwar beherzt und engagiert getanzt, jedoch in einer allzu einfachen Choreografie. Mukhamedov, dem Ballettchef der Kompanie, fehlt es an Mut oder Können, die Tänzerinnen und Tänzer in Schrittfolgen, Sprüngen, Drehungen oder Würfen auf neues bewegungstechnisches Terrain zu schicken, das über die russische Handschrift von Marius Petipa aus 1890 hinausweist. Vor allem Tjaša Kmetec bleibt dadurch auf der Strecke. Ihr Dornröschen wirkt beim berühmten Rosen-Adagio angestrengt und verströmt auch sonst wenig Flair einer abenteuerlustigen, wissbegierigen, blutjungen Prinzessin. Hingegen überzeugen Fliederfee (Regina Križaj), Prinz Desiré (Kenta Jamamoto), Prinzessin Florine (HyeMin Kim) und der Blaue Vogel (Juku Seki) mit Schwung und Charisma. Zu guter Letzt bringen die Märchenfiguren, allen voran der gestiefelte Kater sowie Rotkäppchen und der Wolf, einen Schuss Komik in die königliche Hochzeit.

„Dornröschen“, Premiere am 17. Oktober an der Oper Ljubljana. Weitere Vorstellungen 24., 29. Oktober, 6., 7., 8., 19., 21., 22., 23. November 2013.

Der Text ist ein Originalbeitrag für die Kleine Zeitung und ist dort in gekürzter Fassung am 21. Oktober erschienen.