aleksovaDie 1. Tanz Nite 2013/2014 startete mit einem Trailer der vollzähligen Tanzkompanie der Oper Graz und eröffnete mit diesem Statement der Homogenität die neue Saison. Gleichzeitig standen an diesem nun schon traditionellen Beginn eines Jahresprogramms vor allem aber „First Solos“, also die ersten Präsentationen von neuen Tänzerinnen und Tänzern in der Companie.

Der Trailer war der bereits laufenden Arbeit für „Chat Rooms“ (Premiere: 18. Mai 2014) entnommen, dem Teil, für den Rosana Hribar und Gregor Lustek choreographisch verantwortlich zeichnen. Die beiden Künstler sind dem Grazer Publikum von mehreren Auftritten in der Stadt (im Opernhaus so wie im Kulturzentrum bei den Minoriten) bekannt und in bester Erinnerung. Die gezeigte Szene – temporeich und raumergreifend dynamisch in der Dramaturgie – lässt wiederum auf ein tänzerisches Highlight hoffen, wenn schon jetzt das Bild eines wogenden Ganzen, aus dem sich einzelne Tänzer schälen, zu einem Duo oder Trio formieren und wieder Teil der großen Einheit werden, im Gedächtnis bleibt.

Im Fokus dieser wie immer von Ballettdirektor Darrel Toulon lebendig und persönlich moderierten Tanz Nite stand eine handverlesene Schar „Neuer“: Aus ca. 700 BewerberInnen in diesem Jahr habe er 80 zu einer Audition geladen und nach klassischem wie modernem Tanztraining so wie einer speziellen Aufgabenstellung die nunmehrigen sieben neuen Mitglieder der Companie ausgewählt.

Die Spanierin Clara Pascual Martí eröffnete den Vorstellungsreigen mit kraftvoll fließender Eigenständigkeit und einem eigenwillig choreografisch-performativem Setting mit drei weiteren Tänzern der Compagnie. Die Aufmerksamkeit, die sie vom ersten Augenblick an einfordert, bekommt sie bis zum Schluss. Neugierde und Freude auf weiteres Kennenlernen dieser Persönlichkeit – das Persönliche sei für sie „everything“ - waren ihr sicher.

Eine fein durchdachte, mit Text und eigener Stimme kombinierte Annäherung an das große Thema Zeit offerierte die in zahlreichen Eigenchoreographien erprobte Kristina Aleksova aus Slowenien, wo sie 10 Jahre im Nationalballett in Ljubljana mitwirkte. Selbstkritisch-humorvoll beendet sie ihr Haschen nach dem Zeitphänomen mit „forever“.

Der Australier Keian Langdon betritt nicht nur als großer Unbekannter, als hinter und in seinem Sakko sich Versteckender, die Bühne, sondern fühlte sich offensichtlich auch „ein wenig“ fremd in seinen ersten zwei Wochen in Graz, die er in seiner choreographischen Szene nahezu realistisch (eine Papierflut, gegen die er zu kämpfen hat und hatte) verarbeitet – ohne deswegen ins Banale abzugleiten. Vielmehr ist sein unverblümt sich manifestierende Tanzfreude ansteckend.

In anderen Farben schillert die Brasilianerin Bruna Diniz Afonso: „light as a breeze or strong as a gale“ lautet auch ihre Eigendefinition, die sie zwar bei diesem Auftritt tänzerisch noch nicht ganz überzeugend in der definierten Gegensätzlichkeit umsetzen kann, aber zuzutrauen ist er ihr, der spannungsreiche Perspektivenwechsel als Ausdruck ihrer Bewegungslust.

Als jüngstes Mitglied des Ensembles, er ist gerade 20 Jahre alt, präsentiert sich der aus Ungarn gebürtige Bálint Hajdu , indem er in seiner Choreografie zwar nicht die ganze Welt, aber doch das Rad „neu erfinden will“: mit Akrobatik wie tänzerischem Können wirbelt er mit Totaleinsatz und voller (witziger) Ideen über die Bühne; mitreißend und überzeugend daher auch in der simplen Schlusssequenz, als er sich erschöpft hinsetzt und zum Zuschauer mutiert.

Gleichermaßen feinsinnig strukturiert wie emotional unterlegt die ebenfalls sehr persönliche choreographische Szene der Italienerin Martina De Dominicis. Sie war in Graz bereits bei einer Tanzgala im Schauspielhaus zu sehen und tanzte vor ihrem Graz-Engagement in Mailand.

Einen Abschluss der besonderen Art bot die Darbietung von Thanh Pham aus Vietnam nicht nur in ihrer faszinierenden Fremdartigkeit, in ihrer kompromisslosen Hingabe an das Geschehen. Vielmehr war da noch ein Maß an Bewegungsqualität, das in dieser Verdichtung unter Anderem auf außergewöhnlicher Konzentrationsfähigkeit beruhen mag – basierend auf Meditation, wie der Künstler bestätigte.

Ein prickelnd frischer Auftakt – ein Resümee: Ein Tanz Nite Abo, das seit dieser Saison angeboten wird, kann jedem Tanzinteressierten empfohlen werden.

TanzNite am 25. September 2013 in der Oper Graz