ivoismaelIsmael Ivo, Choreograf, Co-Gründer und künstlerischer Berater des ImPulsTanz Festivals, hat sein Ausbildungsprojekt für junge TänzerInnen, die „Biblioteca do Corpo“, erfolgreich in Wien installiert. „No Sacre“ ist eine bildgewaltige Arbeit des Choreografen mit 24 Projekt-TeilnehmerInnen: Zur Musik von Igor Strawinskys Le Sacre du Printemps und zur Musik des deutschen Komponisten Andreas Bick, beschäftigt sie sich mit dem Phänomen des kollektiven Rituals.

Eine wilde, bacchanalische Choreografie tanzend, mischen sich die TänzerInnen schon im Eingangsbereich des Wiener Odeon-Theaters unter das Publikum und ziehen es mit in den Bühnenraum. Scheinbar „infizierte“ TänzerInnen aus dem Publikum reißen sich die Kleider bis zur hautfarbenen Unterwäsche vom Leib und gesellen sich zu den anderen, ebenfalls so gekleideten, auf die Bühne. Drei Bühnenteile, die Altäre symbolisieren, befinden sich auf der Bühne, einer davon in der Bühnenmitte, auf dem ein Tänzer wie zur Opferung gerichtet scheint. Links und rechts davon, im hinteren Bühnenbereich, sind zwei weitere Teile. Ein Bein voran schlängelt sich eine Tänzerin auf das Podest, umtanzt den, mit geschlossenen Augen, der Opferung Harrenden. Sie reibt ihn mit einem honig-glänzendem Gemisch ein, bevor sich die beiden ineinander verdrehen. Sechs am Boden liegende Tänzer schieben langsam den Altar nach hinten. Er ist das Passstück, dass die zwei anderen Bühnenteile zu einem erhöhten Podest verbindet, das quer über die Bühne reicht und an dessen Enden zwei Rampen den Auf- und Abgang ermöglichen.

Auf diesem Bühnenkonstrukt entwickelt sich ein dynamisches Spiel der Körper, das Strawinskys „Frühlingsopfer“ nur noch aufgreift, und hinter zentralen Themen, wie dem ewigen Kampf der Geschlechter, zurücklässt. Ismael Ivo folgt in seiner Inszenierung, wie das Programmheft verrät, der „Entwicklung unserer Zeit – einer Zeit, in der das sakrale Opfer Sinn und Macht verliert“ und „Fanatismus, Korruption und die erbarmungslose kommerzielle Ausbeutungen unseres Planeten“ bestimmend sind. Zu Andreas Bicks Komposition „Fire and Frost Patterns“, die Naturgewalten hörbar macht – brechende Eismassen, Insektenschwärme und ähnliche archaische Geräusche – tanzen die TänzerInnen quer durch die tänzerischen Stilrichtungen: Zeitgenössischer Tanz mit Elementen von Ballett, African Dance oder Butoh, um nur einige zu nennen.

Das Publikum nimmt die Arbeit begeistert, unter großem Applaus, auf. Ismael Ivo hat damit sein 2009 in Italien entwickeltes und seit 2011 bei der Biennale di Venezia aufgenommenes Ausbildungsprogramm für junge professionelle TänzerInnen nun auch in Wien installiert.

CIE. Ismael Ivo & Grupo Biblioteca do Corpo „No Sacre“, 11.08.2013, Odeon, www.impulstanz.at