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donquixote  papava peciKnapp vor Ende der Aufführungsserie von Rudolf Nurejews Choreografie (nach Marius Petipa) „Don Quixote“ war – Zufall oder Absicht – wieder einmal nahezu die gesamte Premierenbesetzung zu sehen. Auch mehr als zwei Jahre nach der umjubelten Erstaufführung der Neueinstudierung hat das Ballett nichts an Charme verloren, jedoch viel an Ausdruckskraft und Sicherheit gewonnen. Wie auch der Jubel noch animierter, noch dankbarer klingt.

Explosiv und überschäumend. Maria Yakovleva und Denys Cherevychko (Kitri und Basil) sind zu einem Paar zusammengewachsen, das auch mit den schwierigen Schrittkombinationen spielerisch umzugehen weiß und entspannt zeigen kann, dass sich immer wieder neckt, was sich liebt.

Denys Cherevychko hat an Ausdauer und zugleich an entspannter Vitruosität gewonnen. Wurde er bei der Premiere und den folgenden Vorstellungen für seine Solovariationen mit den hohen Sprüngen und Doubles Tours mit Sonderapplaus belohnt, so gelingen jetzt auch die Pas de deux locker und perfekt. Im Triumpf darf Basil seine Kitri hoch über den Kopf heben und quer über die Bühne tragen. Dass es ihm nicht an Kraft fehlt, demonstriert er dem Publikum auch als der Vorhang nach mehr als zwei Stunden bereits gefallen ist: Mit einem eleganten Galoppsprung holt er sich den verdienten Applaus.

Wie hervorragend Yakovleva mit ihrem Partner zurecht kommt, zeigt sich nicht nur bei den Hebefiguren, die so luftig leicht wie sicher ausgeführt werden, sondern auch in den vielen Details, die sich die beiden spielerisch erlauben. Cherevychko bringt auch noch im Tod einen köstlichen Gag an, wenn er das Messer in seiner Brust zurechtrückt, damit man es auch ja sieht. Und die Peitsche knallt bei ihm lauter als bei jedem Zigeuner (diesmal in gewohnter Emphase Mischa Sosnovski).

Ebenso überzeugend begeistern auch die übrigen SolistInnen. Keiner schwingt die Mantilla so virtuos wie Eno Peçi als Espada und keine schwebt so schwerelos über die Bühne wie Olga Esina als Königin der Dryaden. Und die Einzige, die dem Macho Espada Paroli bieten kann, ist die temperamentvolle Ketevan Papava, Carmen par excellence. Bewährt über die Jahre haben sich auch Kiyoka Hashimoto als Amor, Maria Alati und Ioanna Avraam als Freundinnen Kitris oder Prisca Zeisel als Brautjungfer. Besonderes Vergnügen haben diesmal auch die Auftritte von Dumitru Taran als Gamache bereitet. Er gibt dem aufgeblasenen Kerl eine fein ziselierte Kontur und scheint, wie alle Mitwirkenden, großes Vergnügen an seiner Rolle zu haben. Als Tänzer nur vom Logenpublikum zu bewundern, ist Kevin Rhodes der Dirigent. So zündend lässt er seine Musiker spielen, dass er selbst die Beine nicht ruhig halten kann, aber auch den TänzerInnen kaum eine Verschnaufpause gönnt. Diese Rasanz (von allen mit Bravour bewältigt) gibt dem Ballett eine fröhliche Leichtigkeit, die sogar die ziemlich verstaubt wirkende Ausstattung vergessen lässt.

So könnte noch lange weiter geschwärmt werden, zumal nur noch zwei Aufführungen dieses echten Hits im Repertoire des Staatsballetts auf dem Programm stehen. Mit der 21. Aufführung wird „Don Quixote“ vorerst ins Archiv verbannt. Zumindest, was das Wiener Haus betrifft. In Paris, wo die Compagnie heuer Gäste der traditionellen „Etés de la Danse“ sein werden, steht natürlich auch „Don Quichotte“ auf dem Programm. Zwölf mal in unterschiedlicher Besetzung.

„Don Quixote“, 15. Juni 2013, Staatsoper

Letzte Vorstellungen : 17. Juni (Premierenbesetzung), 19. Juni (Nina Poláková, Robert Gabdullin), Staatsoper.